Band Filter

Request did not return a valid result

THE MISSION - The Brightest Light

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE MISSION
Title The Brightest Light
Homepage THE MISSION
Label OBLIVION/ SPV
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
6.6/10 (7 Bewertungen)

Ein Wiedersehen mit alten Helden ist immer schwierig. Natürlich freut sich die Fanseele, wenn sich THE MISSION nach langen Jahren fast wieder in Originalbesetzung zusammentun und dann noch ein neues Album aufnehmen. Aber entsprechend hoch sind auch die Erwartungen: Nach den ziemlich mittelmäßigen Werken, die in der Zeit entstanden, in denen Wayne Hussey maßgeblich allein die Geschicke seiner alten Band leitete, erhofft man sich von einer solchen Reunion natürlich die Rückkehr zur Bestform der frühen Jahre. Eigentlich kann das nur schief gehen.

Mein erster Eindruck von der Single „Sometimes The Brightest Light Comes From The Darkest Place“, die dem Album vorausgeschickt wurde, war tatsächlich nicht überwältigend. Vom Song an sich ganz okay, Wayne Husseys Gesang rauer als gewohnt, vom Sound her eher mau. Das ließ nun doch fürchten, dass „The Brightest Light“ sich als typische Alibiplatte entpuppen würde, wie sie altgediente Bands nach einer Wiedervereinigung eben machen, um einen Grund zu haben, wieder auf Tour zu gehen und da selbstredend vor allem den alten Kram zu spielen. Aber weit gefehlt. Das neue Album ist ein beeindruckendes Statement einer gleichermaßen gereiften und erfreulicherweise überhaupt nicht erwachsen gewordenen Band geworden, das in seiner Ehrlichkeit enorm berührt – und tatsächlich einiges von den Qualitäten mitbringt, die „Carved In Sand“ und „Children“ einst zu Meilensteinen machten.

Dabei geht es gar nicht mal so viel versprechend los. „Black Cat Bone“ ist zwar eine sehr humorige Geschichte – Wayne denkt über einen Pakt mit dem Teufel nach, um wieder 21 sein zu können und nicht in einer Lebensphase festzustecken, in der die Kerzen auf der Geburtstagstorte mehr kosten als der Kuchen selbst. Sein ruppiges Gebrüll wirkt allerdings eine Nummer zu heftig für den atmosphärischen Soundteppich, als wollte er mit Gewalt klar machen, dass er inzwischen einer von den ganz Harten ist und nicht mehr der Romantiker, der von einer Begegnung mit der Lady Of The Lake in Avalon träumte oder mit „Heaven Sends You“ den zärtlichsten Oralsex-Song aller Zeiten schrieb: Immerhin sollte „The Brightest Light“ ihm selbst zufolge seine „Testosteron-Platte“ sein.

Und tatsächlich verkündet er ein bisschen später in „Born Under A Good Sign“, er habe jetzt „pornography and a mirror covered in dust“, aber da ist längst schon alles gut: Die Melodien, die hymnischen Gitarrenläufe, das Augenzwinkern, alles ist wieder da. Beim Gesang findet Wayne problemlos wieder zu melodischeren Tönen zurück, die zeigen, dass die Ruppigkeit Attitüde und nicht etwa seine heutige Stimmlage darstellt. Die erste Single entwickelt in diesem Umfeld Ohrwurmqualitäten, die man ihr zu Anfang gar nicht zugetraut hätte. Das verspielte „The Girl In The Furskin Rug“ klaut zwar ein paar Harmonien bei „Dear Prudence“, setzt sich aber gleichzeitig liebevoll und kritisch damit auseinander, dass Nostalgie sich eben doch gut verkauft. Schön auch: Das darin zitierte „Butterfly On A Wheel“ verweist nicht nur auf den eigenen großen Hit als auch auf die Überschrift eines bekannten Artikels über einer Drogenrazzia bei den ROLLING STONES, bei der Marianne Faithfull nichts außer einem Fellteppich trug.

Ohnehin lassen die Stones der „Let It Bleed“-Phase grüßen, deren reduzierter Blues sich häufig in die früher eher opulent produzierten Gitarren mischt, und ein Hauch FACES und MOTT THE HOOPLE ist gelegentlich spürbar, aber das steht den MISSION des Jahres 2013 gut, die ihre Wurzeln – Glam und Bluesrock zwischen SLADE und LED ZEPPELIN – schon früher nicht verleugnet haben. Und überhaupt, die MISSION-Gitarren: Mit der Rückkehr von Simon „Slinky Hinky“ Hinkler sind auch sie wieder da, besser denn je. „Swan Song“ zählt schon allein wegen Hinklers Arbeit tatsächlich zu den besten Songs, den THE MISSION je aufgenommen haben, und „From The Oyster Comes The Pearl“ ist eine mächtige Ballade, mit mal singenden, mal wie ein trockenes Cello klingenden Gitarren, die Produzentenlegende David M. Allen bestens inszeniert hat.

Es ist nicht die große Geste, die John Paul Jones einst dem „Children“-Album verlieh, aber dafür eine trockenere, der Jetztzeit wesentlich angemessenere Produktion, die „The Brightest Light“ auszeichnet. THE MISSION geben nicht vor, noch dieselben zu sein wie bei ihrer Gründung vor 27 Jahren, und das ist gut so. Sie tragen ihre Falten und Narben mit Würde, haben aber nichts von ihrem unbändigen Geist und dem großartigen Humor verloren. Die köstliche Zeile „Hussey is a harlot, just dress him up in scarlet“ aus dem trunken-gutgelaunten „Just Another Pawn In Your Game“ ist nur einer von vielen Beweisen dafür.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

THE MISSION - Weitere Rezensionen

Mehr zu THE MISSION