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THE NEW BLACK - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE NEW BLACK
Title s/t
Homepage THE NEW BLACK
Label AFM RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.3/10 (10 Bewertungen)

„Just imagine Black Label Society inviting the Nickelback guy over for some Thin Lizzy covers, all dressed up in Pantera shirts“, heißt es im Infosheet der neuen recht amerikanisch über die Gehörräder rockenden deutschen Asphaltmusiker von THE NEW BLACK. Was sie spielen: Die Quintessenz obiger Selbstbeschreibung, welche in der kristallisierten Summe „Modern Heavy Rock“ ergibt und im Endeffekt einer Art metallisch walzenden Rockmaschinerie gleichkommt. Cool. Einfach nur cool. Besonders merkwürdig, ja schier befremdlich und absonderlich erscheint dieser Begriff irgendwie im Zusammenhang einer Band aus unseren Landen, denn tatsächlich geschieht es nur sehr selten, dass irgendjemand es sich traut, einer deutschen Band diesen Begriff zu attestieren, weil die meisten Combos hierzulande doch gar zu gewaltgermanisch, zu seriös oder schlicht und ergreifend zu gewollt cool im Vergleich zu den nur vom Whiskeykonsum inspirierten (und sich ernährenden) Riffschmieden aus den U.S.A klingen. Aber bei THE NEW BLACK verhält es sich anders. Sie verdienen jenes Prädikat, denn ihr Gesamtsound ist im wahrsten Sinne des Wortes cool… einfach nur saucool!

Die Truppe, bestehend aus Mitgliedern von SINNER, RUNAMOK, ABANDONED und MCF, musiziert unbeschwert, unkompliziert, ideologisch ungebunden und libertinistisch vor sich her und in dem Hörer entsteht Genuss, ein Genuss, der ihn vermutlich dazu anleitet, sich zum Entspannen zu bequemen: mit einer Dose Bier unterm Himmelszelt, eine maßgeschneiderte Schlangenlederjacke sowie eine überdimensionierte Motorradsonnenbrille tragend. Denn irgendwie klingt das Debüt exklusiv und einzigartig, obgleich bei der näheren Betrachtung einiges an gefilterten Markenzeichen der „Konkurrenz“ zusammenkommt. Man findet hier und da querbeet verteilt Wyldesche, Darrelsche oder urtypisch steinzeitrockmäßige Elemente, die insgesamt aber sehr wohl portioniert sind und in der richtigen instrumentalistischen Dosis miteinander vermengt wurden. Ein Quantum Sortierfähigkeit und ein Quäntchen intuitive Tongewandtheit. Cooler aus deutscher Sicht geht’s wirklich kaum noch. Denn wie will man bitteschön cooler klingen als die als Musen fungierenden Vorbilder? In manch anderen Subgenres mag das im kombinatorischen Sinne einen Sinn ergeben und wirklich einen himmelstürmenden Effekt haben, doch in dem Vorhaben noch dickere Eier besitzen zu wollen als Zack Wylde und Co. wohl eher weniger. Dafür scheinen selbst wir Rocker und Metaller hierzulande einfach zu kompromissbereit zu sein. Aber gerade das zeichnet diese Newcomercombo auch aus: Sie klingt amerikanisch, versucht jedoch nicht penetrant zu amerikanisieren. Ihr Outfit ist lässig: ein Spiegel ihrer musikalisch-mentalen Attitüde. Gerade jenes Unbeschwertsein eines Rocksimplizisten lädt den Plattenkonsumenten zu einem Ausflug in die schwülen Tropen riffbasierter Power ein. Diese Einladung wird ausgesprochen, ja salopp intoniert vom Organ Fludids, dem Frontmann der „neuen Schwarzen“. Das Röhrend-Inbrünstige, wie auch das Einfühlsam-Verhaltene finden sich bei ihm in einer ausgewogenen Mischung wieder und auch wenn die diversen Sekundenständchen (zumindest was das Dehnen, Pressen und Verkürzen von einzelnen Wörtern betrifft) stark nach Altmeister Wylde klingen, merkt man, dass der gute Kerl es wirklich drauf hat, anderenfalls würden sich nicht Südstaatler der United States förmlich dazu herablassen diesen mitteleuropäischen Schallschlot zu loben und sich von seiner Gesangskunst „einlullen“ lassen. Der instrumentalistische Rest erledigt selbstverständlich ebenso gediegen seine Aufgabe. Auch wenn THE NEW BLACK nicht auf einer Höhe mit hochprozentigen Originalbränden der Destillierer BLACK LABEL SOCIETY, PRIDE & GLORY, PANTERA oder DOWN stehen, können sie in punkto Musikalität zumindest die Silbermedaille abstauben und das ist für eine deutsches Ensemble sicherlich kein Grund zur Schande, sondern mehr ermutigend, erbaulich und ehrbar!

Diese Scheibe sorgt unter allen Umständen sicherlich mehr als nur für Kurzweil, doch der amerikanische Boden könnte „diesen Schwarzen“ ganz essentielle Mineralien vorenthalten, die für eine weitere autarke Weiterentwicklung unerlässlich sind. Genauso problematisch erscheint der viel zu glatt gebügelte Mr. Proper-Perwoll-Sauberklang, der der eigentlichen Rotzigkeit dieser Form des Rock ’n‘ Rolls eher abträglich denn förderlich ist. Das Schlagzeug riecht in diesem Zusammenhang nämlich viel zu wenig nach Garage; es riecht im Grunde genommen gar nicht nach Garage, sondern nach Beruf, nach Toningenieuregoismus, nach modischem Triggerfanatismus und zu intensivem Mastering. Aber auch die Gitarren könnten etwas gefühlvoller gespielt sein, die Musiklandschaft ist schließlich kein militärischer Truppenübungsplatz, geschweige denn eine kommerzkapitalistische Fleischfabrik. „Modern Heavy Rock“ sollte somit nur im musikalischen Sinne modern sein, nicht in der Produktion, denn gerade solch moderner Mummenschanz verzerrt die whiskeygetränkte Ursprünglichkeit ungezügelter, wilder Rockmusik. Das sind wahrscheinlich genau die Qualitätsmerkmale, die zu einer Goldmedaille für THE NEW BLACK geführt hätten, aber Silber ist an und für sich auch nicht schlecht. Solch eine Auszeichnung bedeutet ja nun noch lange nicht, dass sich wenigstens ein paar Goldklümpchen auf der Platte befinden.

Deshalb abschließend die Empfehlung sich folgende Schmankerl zu gönnen: „Everlasting“, „Coming Home“, „50 Ways To Love Your Liver“ oder „Not Me“. So steht der Dose Bier und der Schlangenlederjacke nichts mehr im Weg.

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