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THE QUIREBOYS - Black Eyed Sons (2-CD/ DVD)

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Artist THE QUIREBOYS
Title Black Eyed Sons (2-CD/ DVD)
Homepage THE QUIREBOYS
Label OFF YER ROCKA
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Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen die wohl whiskygetränkteste, rauchigste Stimme aller Zeiten: Jonathan Gray alias Spike von den QUIREBOYS! Und das ist nicht übertrieben. Ich weiß bei Spikes‘ Stimme nicht mehr, ob ich das bewundern soll, was er da trotz dieser Kratzigkeit mit viel Emotion rüberbringt oder ob ich mir ernsthaft Sorgen um ihn machen muss. Er klang schon immer so, bei „Black Eyed Sons“, dem neuesten Werk der Londoner, erreicht er aber noch einmal ein ganz anderes Level damit. Was der liebe Spike da überhaupt singt? Eine ganze Menge. Neben zehn neuen Songs, die sich auf der ersten CD, dem eigentlichen Album finden, noch eine Audio-Liveaufnahme aus Schweden sowie ein Video-Konzertmitschnitt aus London. Insgesamt hat man also über drei Stunden Musik, die sich anhört, als hätte man sie morgens früh um halb Fünf, wenn es frisch und langsam wieder hell wird, aus der kleinen Kneipe an der einsamen Straße gezogen. Bitte als Kompliment lesen !

Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger war die Band schon einmal erfolgreich. Seitdem hat es eine lange Pause und zahlreiche Besetzungswechsel gegeben, bis sich wieder eine sechs Mann starke Gruppe gebildet hat, die hier, nur ein Jahr nach „Beautiful Curse“, ihre jüngsten Werke präsentiert. Sie haben in der kurzen Zeit zehn neue Songs geschrieben, von denen die Hälfte Balladen sind. Das Besondere an QUIREBOYS-Balladen ist, dass sie in jeder Ruhe noch einen gewissen Swing haben, eine gewisse Dynamik, die sie davor bewahrt, zu soft oder poppig zu klingen. „Black Eyed Sons“ ist in der ersten Hälfte rocklastiger, ganz im Sinne von AC/DC und Co, der zweite Teil wird dann von den bereits genannten Balladen dominiert. Es kommt auf die Stimmung an, was einem eher zusagt, nur kann man auch feststellen, dass Spike und seine Männer die Stimmung mit ihren Songs im Handumdrehen verändern können. Sie spielen klassischen Rock’n’Roll und nach nur wenigen Sekunden fühlt man sich auch so. Zurückversetzt in einer Zeit, die man genau genommen nicht einmal erlebt hat (in meinem Falle), die aber bis weit ins Heute hineinwirkt.

So ist auch die Live-CD. Darauf sind zehn andere Titel, ältere und neuere, aber noch nichts von „Black Eyed Sons“. Die Liveakustik passt nach meiner Ansicht her besser zu der Musik der QUIREBOYS als feingeschliffene Studioaufnahmen. Im Beilagenheft steht was von „rough diamonds“ und das stimmt auch. Je roher, je unverfälschter, desto besser. Der Schimmer ist schon von ganz alleine drin.

Auf der DVD letztlich, die von allein drei Teilen die längste Spielzeit bietet, findet sich eine Aufnahme von einem Stopp in der Heimat auf der letzten Tour. „Beautiful Curse“ war gerade herausgekommen (ist nicht lange her), dementsprechend heißt das Konzert „Beautifully Cursed“. Neben Songs aus diesem Album, gibt es auch die großen Klassiker „I Don’t Love You Anymore“, „Hey You“ und „7 o’Clock“. Logisch, jedes Livepublikum liebt es, die großen Hits ihrer Band zu hören. Die DVD muss, vorausgesetzt man ist nicht leidenschaftlicher Fan, nicht von vorne bis hinten aufmerksam verfolgt werden. Mein Tipp: einfach in den Player einlegen, Bildschirm schwarz und als extralange Quireboys-Audio verwendet. Voila, Barfeeling für ins Wohnzimmer.

Stilistische Vergleiche reichen hier weit. Einmal dachte ich wirklich, gleich beginne „All Night Long“ von AC/DC, manchmal scheint der amerikanische Einfluss (die Band ist umgezogen) durch und die QUIREBOYS werden zu KID ROCK, dann haben wir ein wenig GUNS N‘ ROSES und die atmosphärische Stimme eines ROD STEWARTs; alles in allem wollen sie wie die ROLLING STONES sein, nur dass dazu noch ein bisschen was fehlt…

Highlight ist nebenbei das optische Design des Dreierpacks. Der Rücken macht einen auf Buch, alt, verstaubt, in Leder gebunden. Bilder, Schrift, alles weitere ist wie Tim Burton trifft auf Phantom der Oper und Fluch der Karibik. Wie bereits bei „Beautiful Curse“ ziert das Cover von „Black Eyed Sons“ eine dem Theater nachempfundene, helloweentaugliche Gestalt, Totenköpfe, Kerzen, Schnörkel.
Alles an diesem Werk ist irgendwie verstaubt und ungeschliffen, mit einem Touch Glamour, sogar die Outfits der Band in London: Anzüge, Westen, Hemden, dazu riesige Ohrringe, Rauschebärte oder piratenmäßige Kopftücher (Spikes Markenkennzeichen).

Kritische Stimmen mögen sagen: Mit dieser Veröffentlichung gewinnen die QUIREBOYS keine neuen Fans. Ich halte dagegen. Bei mir stehen sie dadurch jetzt viel mehr im Fokus. Viele Skandale wird man von den Familienväter nicht mehr hören, darum geht es nicht. Es ist hier einfach nur die Musik, die eine Atmosphäre verbreitet, wie sie heute selten zu finden ist.

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