Band Filter

THE RETROSIC - God of Hell

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THE RETROSIC
Title God of Hell
Homepage THE RETROSIC
Label TRIBUNE REC.
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.5/10 (2 Bewertungen)

Das bajuwarische Ein-Mann-Projekt THE RETROSIC kehrt 2004 mit der dritten Veröffentlichung auf elektronischem Terrain zurück. Nachdem die vorangegangene MCD „Messa da Requiem“ höchste Weihen von Käufer- wie Kritiker-Seite erfuhr, steht Protagonist Cyrus vor seiner bisher schwersten Aufgabe: Das hohe Niveau zu halten. Während sein musikalisches „Alter Ego“ WUMPSCUT mit der aktuellen CD eher in Richtung sphärische Düster-Elektronik tendiert, bleibt sich der „Käfer“ mit eher stampfenden Tracks treu.

Zunächst fallen die etwas eintönigen Songtitel auf, die man schon tausend mal auf anderen CDs erblickte („New World Order“, „Total War“), was aber natürlich nicht auf inhaltliche Qualität schließen lässt. Und so stürzen wir uns in die Untiefen des „Apocalyptic EBM“ deutscher Prägung. „God of Hell“ wird von drei typischen Midtempo Stampfern mit bekannt verzerrtem Gesang eröffnet. „Maneater“ enthält einige Samples des Lecter-Schockers „Roter Drache“ mit Edward Norton, während der Opener „The Storm“ kurz auf Flötenklänge zurückgreift. „New World Order“ (sicher eine Ode an Cyrus’ innige Liebe MINISTRY) beinhaltet einige typische Future Pop-Sounds im Refrain, hier gibt es zum Glück keine Annäherungsängste. Der Text stammt im übrigen von Rexx Arkana (DIE BRUDERSCHAFT), der sich damit für die Remixarbeit von THE RETROSIC revanchierte. Alle drei Tracks könnten auf der Tanzfläche für Bewegung sorgen, allerdings fehlt mir irgendwie der letzte Kick, solide aber nicht bahnbrechend. Mit dem langsamen „Tale of Woe“ folgt das meiner Meinung nach schlechteste Stück des Albums: simpler Aufbau (die Basslines) und wenig Atmosphäre prägen diesen Lückenfüller. Danach kann es nur besser werden und es wird deutlich besser! „Dragonfire“ nimmt wiederum einen Film als Ausgangspunkt („Herrschaft des Feuers“), um endlich zu zeigen wie martialischer Sound zu klingen hat. Erstaunlicherweise werden die bedrohlichen Parts in der Mitte von Posaunen erzeugt, da muss man aber schon ganz genau hinhören, um diese Alptraum-Instrumente zu erkennen. Bei „Elysium“ greift Cyrus erneut auf die Sopranistin „Zaide“ zurück, die bereits auf der MCD für einen orientalischen Anstrich sorgte. Hier eine wohltuende Abwechslung von den allgegenwärtigen EBM-Takten. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich das treibende „Total War“, welches mit ein paar Trance-Effekten geschmückt wurde. Nach dem Instrumental „Sphere“ schließt ein berühmter Monolog der Filmgeschichte das Gesamtwerk ab: Rutger Hauer als letzter Replikant kurz vor seinem „Tod“, der seine tiefe Menschlichkeit entdeckt (natürlich aus „Blade Runner“).

THE RETROSIC enttäuscht mit diesem düsteren Werk keineswegs, erfüllt in gewissem Sinne auch alle Erwartungen, aber man tritt ebenso ein wenig auf der Stelle. Sicherlich ist es eine Kunst im EBM-Bereich noch Bahnbrechendes zu erschaffen, manches klingt mir hier nur ein wenig zu sehr auf der Sicherheitsklaviatur gespielt. Da wird man in Zukunft sicher neue Wege finden müssen. 3 Hits stehen einem ordentlichen Rest gegenüber. „God of Hell“ wird im Handel als Doppel CD und limitiertes Boxset (666 Stück) erscheinen. Während die DCD eine Bonus-Scheibe mit alternativen Versionen des Hauptwerks enthalten wird (mit Betonung von Zaides Soprangesang), erhält der Fan in der nobel aufgemachten Box eine dritte CD mit Raries und ausgewählten Remixarbeiten der letzten Zeit, z.B. für ASLAN FACTION oder [:SITD:]. Und so ist dann doch fast alles wieder gut…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

THE RETROSIC - Weitere Rezensionen

Mehr zu THE RETROSIC