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THE SEWER RATS - Magic Summer

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Artist THE SEWER RATS
Title M
Homepage THE SEWER RATS
Label UNCLE M
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Ein Freund von mir war ein begeisterter Skater. Ende der Zwanziger wanderte das Board irgendwann in den Keller, wo es ihm mit Anfang Dreißig wieder in die Hände fiel. Das gute Stück wurde sogleich wieder in Betrieb genommen und es kam wie es kommen musste: er hat sich auf die Fresse gelegt! Unter den Augen eines halbwüchsigen Schlauschnackers, der den Unfall auch noch mit einem „Na, dafür biste ja wohl auch zu alt…“ kommentierte. Mein Kumpel hat das Skateboard mit Tränen in den Augen unter den Arm gepackt und ist nach Hause gehumpelt, um sich dort endgültig von seiner Jugend zu verabschieden. Was das mit der Pop-Punk-Combo THE SEWER RATS und ihrem aktuellen Album „Magic Summer“ zu tun hat? Nun, der Vierer hat eine Platte übers Erwachsenwerden gemacht bzw. über den Versuch, dem Erwachsensein zu entfliehen.

Musikalisch sind die Rheinländer eindeutig den Epitaph- und Fat-Wreck-Chords-Sounds der Neunziger verbunden und damit finden wir uns natürlich mitten im  Skatepunk wieder und was gehört zu einem „Magic Summer“, wenn nicht stundenlange Aufenthalte in Skateparks, Roadtrips mit Freunden und Punkrock-Mixtapes? Das alles vereint sich auf dem jüngsten Studio-Output von Chris Gin, Schorni Walker, Dom Aqua und Archi Appleyard, die gleichmal mit ihrem Opener „Rejuvenate“ eine temperamentvolle Liebeserklärung ans Skateboarding und die Freundschaft raushauen. Das flotte „I’m Quitting My Job“ befasst sich in bester Pop-Punk-Manier mit dem Problem, zu wenig Urlaub und einen verständnislosen Chef zu haben. Da hilft nur noch die Kündigung – genauso wie es Sänger und Gitarrist Chris Gin 2018 für die US-Tour der Band gemacht hat. Und dann sind da noch ein paar Sachen, die die Jungs nicht mehr machen wollen („I Don’t Wanna Go To The Dentist No More“, „I Don’t Wanna Go To The Shrink No More“, „I Wanna Leave My Room No More“) und das geben sie der Welt mit durchaus knackigen Rhythmen auch lautstark zu verstehen. Selbst im Erwachsenen-Alter bleibt das Thema Liebe allgegenwärtig, erst recht, wenn sie völlig aussichtslos ist, weil es das angeschmachtete Wesen gar nicht gibt: „My Sweet Chun-Li“ widmen THE SEWER RATS der Arcade-Königin und Street-Fighter-II-Heldin als zuckersüße Bubblegum-Ramonescore-Ballade mit viel Wumms. Ein Problem wird es in diesem Jahr allerdings nicht geben: „My Baby Is At Groezrock (And I Am Not)“, denn das belgische Punk-HC-Festival wird 2020 unabhängig von den Corona-Absagen nicht stattfinden. Erwähnt sei noch das Lied „Choice“, der erste explizit politische Song der Kölner, die sich hier für Tierrechte stark machen. Und wenn dann am Ende der „Magic Summer“ besungen wird, geschieht dies eindeutig mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wie gut, dass wir unseren magischen Sommer heuer noch vor uns haben!

Als Einflüsse geben die ‚Kanalratten‘ auf ihrer Facebook-Seite Kapellen wie die LILLINGTONS, FACE TO FACE, STRAY CATS, RANCID, SOCIAL DISTORTION, THE CLASH, HANK WILLIAMS, METHADONES, 90S BLINK 182, JOAN JETT, PROPAGANDHI, OPERATION IVY, SHELTER, CHUCK BERRY, COASTERS und die BOUNCING SOULS an. Wer sich hier auch irgendwie wiederfindet und gerade überlegt, wo denn das eigene Board eigentlich abgeblieben ist, sollte THE SEWER RATS und „Magic Summer“ ruhig mal ein Ohr leihen.

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