| Artist | THE SILVERETTES |
| Title | Silverettes Go International |
| Homepage | THE SILVERETTES |
| Label | TOBAGO RECORDS |
| Leserbewertung |
THE SILVERETTES wurden 2011 durch die Musiker und Produzenten Pomez di Lorenzo und Adriano Batolba in Essen gegründet. Ursprünglich bestand die Rockabilly-Combo aus drei Sängerinnen und drei weiteren Musikern an den Instrumenten. Seit dem dritten Album „Risky Business“, das 2021 erschien, übernehmen die Vokalistinnen jedoch auch Gitarre, Schlagzeug und Kontrabass. Von der ursprünglichen Besetzung ist nur noch Ira mit von der Partie, Jane ist seit 2016 mit dabei und Honey ist 2020 zu den Damen gestoßen. „Silverettes Go International“ heißt die vierte Langrille, die heute erscheint und 14 Songs enthält. Mit diesen 14 Tracks geht es sogleich in 14 Länder und performt wird ebenfalls in 14 Sprachen, darunter u.a. Spanisch, Tschechisch, Ukrainisch, Vietnamesisch, Japanisch und einmal auch Deutsch.
Dass nur die wenigsten diese geradezu babylonische Sprachenvielfalt verstehen werden, macht gar nichts, denn die drei Rockabellas übertragen mit ihrer Spielfreude die Energie der Lieder ganz unmittelbar und absolut ansteckend auf ihre Zuhörer:innen. Mit welcher Leichtigkeit sie dann auch noch auf Mandarin, Finnisch oder Portugiesisch singen, verdient zusätzlichen Respekt. Gleich mit dem treibenden Opener „Dej Mi Vic Své Lásky“ wagt sich das Trio gemeinsam mit Petr Janda, dem Komponisten der Nummer, der hier als Lead-Gitarrist zu hören ist, an das tschechische Idiom, ehe es mit dem PLASTIC-BERTRAND-Hit „Ca Plane Pour Moi“ temperamentvoll ins Französisch sprechende Belgien geht. Vietnam ist die nächste Station der musikalischen Weltreise, bei der es sicher half, dass Honey vietnamesische Wurzeln hat. „Loan Mắt Nhung“ kommt sehr smooth daher und wird im Original von ELVIS PHUONG performt – der vietnamesischen Antwort auf den King. Das beschwingte „Ford 56“ ist der schwedische Beitrag auf dem Silberling und stammt von EVA EASTWOOD, Schwedens First Lady of Rockabilly. „我要开花 – Wǒ Yào Kāihuā“ ist knackiges Chinese Food inklusive einer Suona, einem traditionellem chinesischen Doppelrohrblattinstrument. Ukrainischen Pop serviert derweil „Там, де нас нема – Tam, De Nas Nema“. OKEAN ELZY haben sich mit dem Song 1998 in die Herzen ihrer Landsleute gespielt. Nicht minder schwungvoll geht es in Russland zu. Den Beweis tritt das straighte „Ах мамочка – Ah Mamutschka“ an. Zum einen war es den SILVERETTES wichtig, sowohl Lieder aus der Ukraine als auch aus Russland auf der Platte zu haben, zum anderen ist Ira in der Russischen Föderation geboren worden. Für ELVIS‘ gefühlvolles „Pocketful of Rainbows“ konnte Darrell Higham, ein englischer Rockabilly-Gitarrist für die Akustik-Klampfe verpflichtet werden. Ein weiterer Gast ist auf „恋 和 焦らず – Koi Wa Aserazu“ zu hören. Es handelt sich um Misaki Aono, die Sängerin des japanischen Originals, der Neo-Rockabilly-Combo THE BISCATS. Der prominenteste Gastsänger ist jedoch PETER KRAUS, der seine eigene B-Seiten-Single „Doll Doll Dolly“ von 1960 hier zu neuem, flottem Leben erweckt. Mit viel Schmackes geht’s auch in Italien mit „Tintarella di Luna“ zur Sache und wenn es „Tequila con Limón“ gibt, finden wir uns gut gelaunt in Mexiko wieder, wo die LOS JUNIORS dieses wohlklingende Getränk erstmals 1962 ausgeschenkt haben. Die Finnen sind bekanntermaßen dem Alkohol auch nicht abgeneigt, immerhin gibt es dort mit ‚Kalsarikännit‘ eine eigene Begrifflichkeit, die übersetzt so viel wie ‚sich in Unterhosen daheim alleine betrinken‘ bedeutet. Dass der temporeiche finnische Beitrag „Usein Nautin Alkoholia“ ‚Ich trinke oft Alkohol“ meint, muss daher an dieser Stelle nicht mehr näher erörtert werden. Bleibt noch der Abstecher nach Brasilien, mit dem das Album melancholisch endet. „Ranchinho Desfeito“ ist annähernd 100 Jahre alt und wurde mit der balladesken Samba-Canção -Traditon populär.
„Silverettes Go International“ ist eine tolle musikalische Weltreise, die schlicht gute Laune macht. Die SILVERETTES verstehen es vortrefflich, klassische Rockabilly-Sounds, modernen Rock’n’Roll und eine Prise Pop zusammen mit ihren harmonischen Satzgesängen zu mitreißender, handgemachter Musik zu vereinen, die einfach perfekt in den Frühling passt. Und gerade in unseren verrückten Zeiten kann ich den Ansatz, Musik als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Kulturen und Ländern zu etablieren, nur unterstützen. Die Sprache ist in der Tat zweitrangig, die Melodien, Rhythmen und Harmonien überwinden alle Grenzen und die Freude an der Musik verbindet die Menschen.

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