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THE SINGLES - Better than before

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Artist THE SINGLES
Title Better than before
Homepage THE SINGLES
Label RAINBOW QUARTZ RECORDS
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Arme Eltern! Nicht nur wird ihnen von der nachfolgenden Generation die Schuld an allen Neurosen, psychischen Problemchen und Phobien, an Impotenz und Inkompatibilität in die Schlappen geschoben, jetzt plündert man ihnen auch noch die Plattenschränke. Wenn für jedes zehnte „the“ in NME und Kerrang auch nur ein Album aus dem parentalen Musikkabinett verschwinden musste, so ist zuhause jetzt viel Platz für Kochbücher. Auch die Singles haben geklaut, was das Zeug hält, dem Namen nach vornehmlich bei 45-tourigem Vinyl, doch ihr freundlicher, stets „Guten Morgen!“ wünschender Retropop soll nicht rebellieren, sondern Mama und Papa stolz machen.

Deswegen hat die wohl hässlichste Band seit KILLING JOKE, der selbst die eigene Managementfirma einen eklatanten Mangel an Geschmack und Optik bescheinigt, gleich einen ganzen Koffer voller süsser musikalischer Bonbons im Gepäck, die genauso duften wie die klebrigen Karamellen von Tante Gertruds Kiosk, ohne dabei Karies zu verursachen. An keinem von ihnen muss man länger als dreieinhalb Minuten herumkauen, manche sind dann bereits seit langem auf der Zunge zergangen und haben bereits einer neuen, frischen Geschmacksrichtung Platz gemacht. So geht das munter weiter, 14 Tracks lang, in Mono und komplett mit abgründigem Rauschen, als sei man in den 70’ern, als lebe Lennon noch und müsse man nach der Hälfte des Albums die Scheibe umdrehen. Und genau an dieser Stelle wird das Problem von „Better than before“ deutlich: Man ist nämlich nicht mehr in den 70’ern, Lennon und Harrison sind tot und alles, was hier authentisch klingt, ist in Wahrheit ein technischer Handgriff, das Drehen eines Rads am Mischpult, ein kühl kalkuliertes Zitat. Irgendwann schreit jemand „cut!“, die Kameras werden ausgeschaltet und jeder geht nach hause, doch das ist nicht mehr auf dem Tape.

Weswegen man nicht durchaus Spass haben kann an einem Album, auf dem kein einziger schlechter und eine ganze handvoll guter Songs stehen, das gekonnt zwischen dem vokalen Schmelz der Fab-Four und einer beinahe punkig-rudimentären Rohheit chargiert. Dennoch ist dieses Schwelgen in einer Zeit, welche die SINGLES nur aus TV-Dokumentationen kennen, irgendwie irritierend harmlos und provokativ-pausbäckig. Man grüsst zurück, wenn sie über die Strassen laufen, doch manchmal wünscht man sich, ihr Vater hätte ihnen wenigstens einmal ordentlich den Hintern versohlt.

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