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THE VERVE - Forth

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Artist THE VERVE
Title Forth
Homepage THE VERVE
Label EMI MUSIC
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THE VERVE-Sänger und Gitarrist Richard Ashcroft schien sich bereits als Schüler sicher gewesen zu sein, mal ein bedeutender Musiker zu werden. Anders ist kaum zu erklären, dass er die Abschlussprüfung mit dem Hinweis verließ, er werde die beste Band der Welt gründen. Wollen wir ehrlich sein: Auch wenn THE VERVE 1997 mit „Bitter Sweet Symphony“ vom Album „Urban Hymns“ zweifellos einen Klassiker des Brit Pops geschaffen haben, gibt es doch einige Kapellen, die im Ranking vor Ashcroft und seinen Kumpanen rangieren. Zweimal haben die Herrschaften sich seit ihrer Gründung 1989 getrennt, um sich im vergangenen Jahr in der Urbesetzung wieder zusammenzuraufen und zunächst einmal die Club- und Festivalbühnen unsicher zu machen. Neun Monate nach der Reunion und elf Jahre nach dem größten Erfolg, ist jetzt mit „Forth“ auch der langersehnte Silberling zu haben.

Dessen psychedelisch angehauchte Opener „Sit And Wonder“ dürfte die langjährigen Fans an die frühen VERVE erinnern, während die erste Single „Love Is Noise“ mit poppig-flotten Gitarren gefällt und auch auf den Indie-Tanzflächen ein Zuhause finden dürfte. Die folgende Midtempo-Nummer „Rather Be“ wird von Streichern und Pianoklängen getragen. Leider verliert sich der Song dabei ein wenig in Beliebigkeit. Die Ansätze zu einer zweiten „Bitter Sweet Symphony“ sind erkennbar, werden aber dummerweise nicht weiter verfolgt. Dem schließt sich auch „Judas“ an. Perlende Gitarren versprühen unnötige Beliebigkeit, erst zum Ende hin vermag Lead-Gitarrist Nick McCabe dem Track etwas mehr Leben einzuhauchen, aber bis dahin sind auch locker fünf Minuten vergangen, da THE VERVE mit ihren zehn Songs gern jenseits der epischen Sechs-Minuten-Grenze agieren. „Numbless“ lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Keine Ahnung, auf welchem Trip die Jungs, die den Drogen abgeschworen haben wollen, waren als sie das Stück geschrieben haben. Klingt auf jeden Fall nach einem Zeug, das in weit entfernte Sphären entführt. Nicht uninteressant, aber mit sechseinhalb Minuten etwas zu lang ausgefallen. Als hätte Mr. Ashcroft meine Assoziationen schon geahnt, präsentiert er mit „I See Houses“ die passenden „drugs don’t work“-Lyrics, die musikalisch in minimalistische Piano- und Electrobeats verpackt werden. Im Refrain wird’s ein wenig hymnisch, ansonsten regiert eher gepflegte Langeweile, während bei „Noise Epic“ Simon Jones’ Bass die Hauptrolle in dem 8:14 Minuten langen Nouthern Soul-Vertreter übernimmt. Nicht so recht ins Bild passt „Valium Skies“ das wie aus einem Bridget Jones-Soundtrack entnommen klingt und einfach eine ganz andere Stimmung vermittelt als die übrigen Stücke. Fast schon jazzartige Drums haut Peter Salisbury auf „Columbo“ raus, dem sich ein cooler Bass anschließt, während Ashcroft sich durchs Geschehen nölt, bis sich plötzlich Tempo und Struktur ändern und zum schnelleren Sound auch wieder Mad Richards typischer Falsett zum Einsatz kommt. Bleibt noch „Appalachian Springs“, mit dem THE VERVE ein letztes Mal Gänsehaut produzieren, wenn sie über Liebe und große Gefühle referieren.

Im Ergebnis kann „Forth“ die großen Erwartungen nicht erfüllen. Auch wenn die Platte aktuell auf Platz 10 der deutschen Album-Charts eingestiegen ist, so ist der Longplayer nicht die erhoffte Weiterentwicklung von „Urban Hymns“. THE VERVE verstricken sich zu sehr in zu langatmigen Epen. Hier wäre an mancher Stelle weniger mehr gewesen, um zu einem kurzweiligen Hörgenuss zu werden.

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