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THE WHO - Quadrophenia Live In London (DVD)

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Artist THE WHO
Title Quadrophenia Live In London (DVD)
Homepage THE WHO
Label POLYDOR/ UNIVERSAL MUSIC GROUP
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Letztes Jahr jährte sich die Veröffentlichung des legendären „Quadrophenia“-Albums zum 40. Mal, und die verbliebenen Bandmitglieder begingen diesen würdigen Anlass mit einer Jubiläumstour, dessen Abschlussgig in der Wembley Arena für die vorliegende DVD mitgeschnitten wurde. Unterstützt von einem kompetenten Musikerteam, unter anderem auch Pete Townshends Bruder Simon, der schon auf dem „Tommy“-Album zu hören war, und Basslegende Pino Palladino, spielten Daltrey und Townshend die gesamte Quadrophenie, ergänzt um eine ordentliche Portion Klassiker.

Optisch wurde das Spektakel auf der Riesenleinwand hinter der Band um zahlreiche Einspieler der frühen WHO ergänzt, aber auch um viel Bildmaterial aus dem Großbritannien der Nachkriegs- bis Jetztzeit: Spätestens die Lebensmittelmarken, die dort noch bis in die frühen Sechziger galten, machen deutlich, wie es um das Land bestellt war, in dessen Seebädern sich die Zwistigkeiten zwischen Mods und Rockern abspielten, die den Rahmen der Geschichte bilden. Für die DVD wurden diese Eindrücke bildfüllend (und in brillanter Qualität) zwischen die Konzertaufnahmen geschnitten, was angenehm auflockert und „Quadrophenia“ gelungen in die Moderne transportiert.

Natürlich gehen THE WHO damit auch ein Risiko ein: Wenn man die vier Bandmitglieder im besten Mod-Outfit zur „My Generation“-Zeit gerade erst wieder gesehen hat, wirken Daltrey und Townshend, die inzwischen hart auf die 70 zugehen, im direkten Kontrast doppelt graubärtig. Und wenngleich Roger Daltrey heute noch tonrein und kraftvoll singt, hat seine Stimme doch über die Jahre einiges an Schärfe und Charakter eingebüßt, während Townshend zwar nie ein überragender Sänger war, dafür aber heute über weite Strecken noch genauso frisch klingt wie in den Anfangsjahren. Aber: An Frische ist bei aller Graubärtigkeit kein Mangel. Wenn man sich erst einmal mit dem Hier und Jetzt ausgesöhnt hat, kommt man nicht umhin, den beiden Herren für die energiegeladene Performance Respekt zu zollen. Townshend windmühlenflügelt sich durch seine Gitarrenparts, und wenn sich Daltrey über die Bühne derwischt, dann ist das nur ein kleines Bisschen steifer in den Hüften als 1969 auf der Woodstock-Bühne. Und irgendwann sind Townshends Grauhaar und Daltreys blaue Lesebrille vergessen.

Dass das Konzept aufgeht, merkt man dann spätestens, wenn sich die vertraute Gänsehaut einstellt, wann immer die charakteristischen Synth-Elemente von „Love Reign O’er Me“ auftauchen. Und wenn THE WHO nach eineinhalb Stunden Programm dann endlich die Klaviertakte aus dem Intro über die Boxen schicken und Daltrey „Only love can make it rain“ anstimmt, dann ist das ein großer, ein ehrwürdiger Moment, der auch optisch in epischer Perfektion inszeniert wird. Man kann sich danach das Bonus-Material ansehen, das mit Tracks wie „Baba O’Reilly“ (mit großem Publikumschor zu „Teenage Wasteland“), „Pinball Wizard“ (bei dem Daltrey zu großer Form aufläuft) und dem fulminanten „Won’t Get Fooled Again“ weitere Hochkaräter bietet, aber eigentlich ist nach diesem intensiven Abschluss erst einmal eine Pause nötig.

Keine Frage, THE WHO wissen, wie man rockt. Auch ohne Keith Moon und John Entwhistle, so sehr man sich die beiden – gerade, wenn man sie in den Archivaufnahmen wieder gesehen hat – herbeisehnen mag. Aber dass THE WHO von heute den Vergleich mit der Vergangenheit nicht scheuen müssen, dürften sie hiermit eindrucksvoll bewiesen haben.

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