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THEES UHLMANN - Junkies und Scientologen

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Artist THEES UHLMANN
Title Junkies und Scientologen
Homepage THEES UHLMANN
Label GRAND HOTEL VAN CLEEF
Leserbewertung
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7.3/10 (3 Bewertungen)

Ja, es hat gedauert, bis THEES UHLMANN wieder Musik gemacht macht. „Fünf Jahre nicht gesungen“ heißt diesbezüglich auch der Opener seines dritten Solo-Albums „Junkies und Scientologen“. Nach dem schlicht „#2“ betitelten zweiten Streich, der ebenso hoch in die Charts geklettert ist, war es dem heute 45-jährigen erst einmal ein Bedürfnis, einen Roman zu schreiben. „Sophia, der Tod und ich“ hieß das erfolgreiche Buch, das 2015 veröffentlicht wurde. Eigentlich war ein Jahr später schon der Großteil einer neuen Platte fertig, aber irgendwie passte das Ganze nicht so richtig und so wurde das Projekt erst einmal wieder verworfen. Jetzt hat „Junkies und Scientologen“ das Licht der Plattenläden erblickt und nachdem es im August schon ein paar Live-Termine gegeben hatte, bei denen natürlich auch einige neue Songs zu hören waren, gibt es die zwölf Tracks des Silberlings nunmehr für alle Fans des ehemaligen TOMTE-Fronters und Grand-Hotel-van-Cleef-Label-Mitbegründers (2002 zusammen mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff von KETTCAR) auf die Ohren.

Die bereits erwähnte Nummer „Fünf Jahre nicht gesungen“ ist zugleich auch die erste Single-Auskopplung, die ein wenig an die späten TOMTE erinnert und mit beschwingten Beats nicht nur ins Bein geht, sondern garantiert von zukünftigen Setlists nicht wegzudenken ist. Thees erzählt hier – wie auch in den weitern elf Songs – in der für ihn typischen und sehr sympathischen Art übers Leben, das in seinem Fall viel mit dem kleinen Städtchen Hemmoor nahe der Nordseeküste zu tun hat. Nicht minder treibend ist das nachfolgende, mit einer prägnanten Gitarre gesegneten „Danke für die Angst“ ausgefallen, dass Uhlo der Literatur im Allgemeinen und dem amerikanischen Horror-Konsalik, will sagen Stephen King im Speziellen, gewidmet hat. Desweiterem wurde dem schwedischen DJ Avicii ein Lied gleichen Namens verehrt. Der Mann ist im vergangenen Jahr mit nur 28 Jahren in Oman gestorben, wo er sich mutmaßlich das Leben genommen hat. Die Uptempo-Nummer „Avicii“ hätte man möglicherweise nicht von Uhlmann erwartet, aber er lädt auf dem knackigen „Kate Grayson Perry“ ja auch die Sängerin ein zu G.H.V.C. (sprich: seinem Label) zu kommen. Dann muss ja auch noch die Frage „Was wird aus Hannover“ beantwortet werden! Hinter dem melancholischen Track steckt eine melancholische Lovestory, die auf wunderbare Weise mit der nicht besonders glamourösen Landeshauptstadt Niedersachsens verwoben ist. Seine besondere Liebe zur Musik und Popkultur beschreibt THEES UHLMANN in „100.000 Songs“ und dass man hier eine gewisse Nähe zu BRUCE SPRINGSTEEN, TOM PETTY und NEIL YOUNG hört, dürfte nicht nur daran liegen, dass Thees das Hörbuch zu Springsteens Autobiografie „Born To Run“ eingelesen hat. „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt“ – was soll ich zu einem solchen Titel noch schreiben? Es macht einfach Spaß, dieser geradezu zärtlich vorgetragenen Story zu lauschen! Mit dem Titelsong „Junkies und Scientologen“ wirft Uhlmann einen Blick auf die zahllosen Menschen, mit denen man sich die Stadt und irgendwie auch einen Teil seines Lebens teilt: Junkies, Scientologen, müde Krankenschwestern, Schornsteinfeger im Pech und die letzten Punks. Sogar für die leidgeprüften HSV-Fans vom Dorf hat der Sankt-Pauli-Fan ein Herz und genau das macht wohl den blonden Musiker und Autor aus: bei ihm fühlt man sich ganz schnell ins Herz geschlossen, genauso wie man ihn einfach ins Herz schließen muss! So fällt es dann auch nicht schwer, das leise Klavierstück „Menschen ohne Angst wissen nicht, wie man singt“ oder das beschwingt-melancholische „Ein Satellit sendet leise“ zu lieben und wenn „Die Welt ist unser Feld“ auf den Dancefloor bittet, sind ebenfalls alle dabei. Am Ende wird es schließlich mit „Immer wenn ich an dich denke, stirbt etwas in mir“ in gleichem Maße traurig wie herzerwärmend.

Das Warten hat sich gelohnt! „Junkies und Scientologen“ verfügt vielleicht nicht über solche Spontan-Ohrwürmer wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ oder meinem Allzeit-Favoriten „& Jay-Z singt uns ein Lied“  (beide vom selbstbetitelten 2012er Debüt), aber die zwölf Songs sind so nachhallend, dass man sie gleich mehrmals hören will. Ich muss es wissen, denn die Scheibe hat sich bei mir auf der Strecke zwischen Osnabrück und Essen hin und zurück gleich viermal am Stück im CD-Player gedreht. Ab nächster Woche ist THEES UHLMANN im Übrigen auf Tour und ein Konzert mit ihm und seiner Band sollte man schon gar nicht verpassen!

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