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THEES UHLMANN - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist THEES UHLMANN
Title s/t
Homepage THEES UHLMANN
Label GRAND HOTEL VAN CLEEF
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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7.7/10 (13 Bewertungen)

Wenn es so etwas wie die niedersächsische Antwort auf BRUCE SPRINGSTEEN und dessen Liebe zu New Jersey oder das Verhältnis von Conor Oberst zu Nebraska gibt, dann ist dies wohl THEES UHLMANN. Auch wenn der TOMTE-Fronter und Mitbegründer des Hamburger Indie-Labels Grand Hotel van Cleef nach einem längeren Zwischenstop in der Freien und Hansestadt jetzt in Berlin zuhause ist, sind seine norddeutschen Wurzeln unverkenn- und unüberhörbar. Außerdem sind eben diese Roots ein wichtiges Thema seiner ersten Soloplatte, die schlicht auf den Namen ihres Schöpfers hört und mit Spannung erwartet wurde.

So startet der Silberling dann auch mit der wunderbaren Vorab-Single „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, deren Video-Pendant Ausschnitte aus dem Uhlmannschen Familien-Filmarchiv und entsprechende Sequenzen aus der jüngeren Gegenwart zeigt. Mit dieser Nummer wird THEES UHLMANN übrigens auch beim Bundesvision Song Contest für Hamburg starten. Musikalisch bleibt der TOMTE-Sänger nahe an den bekannten Indie-Sounds, rockt jedoch ein bisschen mehr und spielt auch schon mal Mundharmonika statt Sechssaiter. So geschehen beim beschwingten „Die Nacht war kurz(ich stehe früh auf)“, das davon erzählt, wie durchzechte Nächte und frühmorgendliche Spielplatzbesuche mit dem Nachwuchs zusammenpassen, während mein absoluter Favorit „& Jay-Z singt uns ein Lied“, bei dem der Rapper CASPER für eine Strophe mit ins Boot geholt wurde, einfach nur zu Herzen geht. Es sind nicht nur „17 Worte“, die bei THEES UHLMANN fesseln: Die Texte des 37-jährigen sind persönlich, nachdenklich aber niemals platt ausgefallen und treffen nicht nur auf Gitarrengeschrammel, sondern auch auf Streicher und Pianoklänge, wie es sie beim treibenden „Die Toten auf dem Rücksitz“ oder dem verspielten „Römer am Ende Roms“ zu hören gibt. „Sommer in der Stadt“ ist ein melancholischer Abgesang auf das Großstadtleben, bei dem Thees’ Vocals deutlich weniger nölig rüberkommen als dies in TOMTE-Zeiten der Fall war. „Das Mädchen von Kasse 2“ ist ebenfalls ein gutes Beispiel für die Unterschiede zwischen TOMTE-Songs und Solo-Stücken. Entstanden ist das Lied, nachdem Uhlmann bei Schlecker einkaufen war und sich an der Kasse ein reicher Sack darüber aufregte, dass die Kassiererin nicht schnell genug mit dem Scanner agierte. Bei TOMTE wäre daraus ein Text über den unfreundlichen Kunden geworden, im Alleingang schreibt Thees nach eigenem Bekunden stattdessen einen Track für die Verkäuferin. „Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten“ heißt es dann bei „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ – benannt nach den Koordinaten von Hemmoor, dem kleinen Ort an der Nordseeküste, in dem die blonde Quasselstrippe groß geworden ist. Für mich wird der Song wahrscheinlich immer „Hier komm ich her, hier bin ich geboren“ heißen, weil er so auf den Konzerten angekündigt wird und irgendwie auch viel charmanter klingt. „Paris im Herbst“ variiert erneut mit eher ungewohnten Instrumenten (zumindest in Zusammenhang mit THEES UHLMANN) und verbindet Akkordeon und Streicher zu filigranen Arrangements, ehe dank „Vom Delta bis zur Quelle“ noch mal knackiger Rock am dem Programm steht.

Thees Solo-Debüt ist nicht einfach nur ein TOMTE-Abklatsch unter einer neuen Überschrift, sondern bringt genug stilistische Eigenständigkeit mit, um restlos zu begeistern und zu überzeugen. Dabei bleibt die Musik trotzdem nahe genug an dem, was man von TOMTE kennt und liebt, um auch deren Fans zu gefallen; was am Ende vielleicht auch ein bisschen daran liegt, dass mit Nikolai Potthoff an der Langaxt und Drummer Max Schröder zwei TOMTE-Members mit von der Partie sind. Natürlich gibt es zur Platte auch eine Tour, wir bleiben am Ball!

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