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THREAT SIGNAL - Vigilance

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Artist THREAT SIGNAL
Title Vigilance
Homepage THREAT SIGNAL
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Wenn im Sommer 2009 die VÖ einer Metalcore Band angekündigt wird, fällt das wohl fast schon unter Gegenmarketing. Zu ausgelutscht scheint das Subgenre, nur wenige Protagonisten wie AS I LAY DYING, LAMB OF GOD oder natürlich die unvermeidlichen KILLSWITCH ENGAGE verursachen noch gespannte Reaktionen. Befeuert wird dieser Abwärtstrend auch durch die zahlreichen abweichenden Formationen, die sich musikalisch neu und weiter orientieren, hier seien in erster Linie die deutschen Flagschiffe HEAVEN SHALL BURN sowie NAEREA genannt, die mit ihrer Kursänderung in Richtung klassischer Death Metal Riffs eine eigene und bemerkenswerte Nische gefunden haben.

Vor diesem kurz angerissenen Problemhorizont erscheint nun „Vigilance“, das zweite Album der amerikanischen Metalcore-Truppe THREAT SIGNAL. Schon von der ersten Note muss den Jungs die Problematik klar gewesen sein, vielleicht spiegelt sie sich sogar im Albumtitel, der übersetzt „Wachsamkeit“ bedeuten kann (neben der zweiten Bedeutung „Schlaflosigkeit“), wider. Mein Favorit für die adäquate Wiedergabe der Überschrift ist jedoch Erstgenannte. Sperrig kommt die Scheibe daher; obwohl schon die ersten Hörversuche einige Melodien im Ohr hängen lassen, ist dies kein Album, das die schnelle Aufmerksamkeit erzwingt. Viele vertrackte Rhythmusspielereien sind in die Kompositionen eingebaut und wirken wie eine Mauer gegen die leichte Konsumierbarkeit. Wachsamkeit ist wohl das, was man dem Hörer abverlangen will, um sich den Reichtum der Stücke zu erschließen. Dahin führt kein bequemer Weg.

Dennoch ist dieser zu gehen, zumindest für eine vernünftige Rezi. Von einem Hör zum nächsten stelle ich jedoch verwundert fest, ihn gerne zu gehen. Nicht KILLSWITCH oder CALIBAN sind hier die zentralen Bezugsgrößen, der akribische Hörer bleibt schon bald bei dem Namen SOILWORK hängen und erkennt, wie die Amis an den in den letzten Jahren schwächelnden Schweden vorbeiziehen. Erste Überraschung perfekt! Die poppige Gelacktheit, mit der SOILWORK ihre letzten Platten in den Teich setzten, ist hier trotz mancher, vielleicht gar vieler Melodien nicht zu finden. MESHUGGAH sei genannt. Ganz so sperrig sind sie nun auch nicht. DEVIN TOWNSEND mit seinen vielen verschiedenen musikalischen Standbeinen wird im Internet als Inspiration genannt. Kann man so sehen. Auch FEAR FACTORY scheinen immer wieder durch (es sei nochmals an die Rhythmusarbeit erinnert, aber auch an die leicht melancholischen Refrains, die dem Geknüppel der Furchtfabrik soviel Klasse und Originalität verliehen haben).

Alles richtig, ich sehe jedoch eine Band, die noch direkter zu vergleichen ist. Erinnert sich noch jemand an die wunderbaren MNEMIC aus Dänemark und ihre Hochphase mit „Mechanical Spin Phenomena“? Hier sind THREAT SIGNAL anno 2009 absolut passend zu verorten. Bei regelmäßigem Hören zeigt sich, dass die Amerikaner dabei noch mehr Hits schreiben. Brachten es MNEMIC mit „Ghost“ nur auf einen Minihit, so können THREAT SIGNAL gleich mit mehreren Bomben punkten: „Afterlife“, „Beyond Recognition“ und „The Beginning of the End“ seien hier nur als herausstechende Beispiele genannt, die Reihe ließe sich durchaus fortsetzen. Insgesamt eine lange Plusliste, die Minusliste liest sich deutlich schneller: Etwas eintönig sind der Band die Knüppelparts geraten, hier wären mehr Differenzen durchaus Trumpf. Gleiches gilt für den Gesang von Jon Howard, dessen Linien zwar spannend sind, die jedoch durchweg in gleicher Tonlage vorgetragen werden. An diesen Schwächen sollte die Band arbeiten, dann ist ihr ein lauter Paukenschlag zuzutrauen. Für 2009 erst mal Daumen hoch, wäre ein echter Streich, sollten die Jungs da noch einen draufsetzen können. Viel Glück!

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