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TIEFLADER - Geht durch die Wand

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Artist TIEFLADER
Title Geht durch die Wand
Homepage TIEFLADER
Label RATZER RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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7.6/10 (10 Bewertungen)

Männer aufgepasst: Ihr habt noch keine Ahnung, womit der Weihnachtsmann euch dieses Jahr bescheren soll? Euer Wunschzettel vergilbt schon beinahe vor gähnender Leere und außer einem neuen Akkuschrauber fällt euch beim besten Willen nichts mehr ein? Ihr habt dennoch Lust auf eine wuchtige Abwechslung, die eure Vorliebe fürs Heimwerken wunderbar ergänzen könnte? Dann schnappt euch jetzt einen Stift und notiert euch: Ich wünsche mir TIEFLADER! Nein…also nicht „einen“ Tieflader, sondern schlicht und einfach TIEFLADER. Die, die nicht für dich anhalten… die ganz metallisch Gestählten… die schneller sind, als du denkst… die unter Strom stehen… und die jetzt sogar auch durch die Wand marschieren. Ach, ihr wisst schon, die mit dem TARJA TURUNEN-Gitarristen!

So ganz nebenbei langt Alex Scholpp aber auch noch bei seinem zweiten Stuttgarter Projekt FARMER BOYS ordentlich in die Langaxt. Hinterlässt der erste Höreindruck hier jedoch eher einen Melodic-80er-Sound, zeichnet sich TIEFLADER eindeutig als die härteste und direkteste der drei Baustellen ab, die sich zusätzlich durch die durchweg deutschen Texte von dem Rest absetzt. Und es scheint fast so, als würde sich auch Herr Scholpp am ehesten mit seiner Muttersprache anfreunden können. Die derbe Peinigungs-Reise hätte mit ihren fast 40 Minuten Länge kaum ohne Worte wie Hölle, Motor, Benzin und Hammer auskommen können. Letzteres findet im Opener auch gleich grandios Verwendung. „Hier kommt der Hammer“ heißt es – ja und wie er kommt! Ich würde glatt sagen: treffender hätte solch eine tiefschlagende Metalnummer mit dickem Hitfaktor kaum realisiert werden können. Ihr könnt mir jetzt auch so viel Übertreibung vorwerfen, wie ihr wollt, ich bin schlichtweg sowas von überzeugt. Wenn mir ein gewisser Patrick Schneider, der sich zugegebenermaßen stellenweise recht simpel artikuliert, entgegenbrüllt, dass der Hammer doch sehr hart komme, bedarf es einfach keiner weiteren rhetorischen Überzeugungskunst. Ebenso mitschwingen darf auch der Einzelkämpfer an der Gitarre, der sich des stählernen Instrumentes nicht weniger passend bedient und den armen Hörer erbarmungslos niederwalzt. Allerdings nicht mit schnellem Geholze oder filigranem Gefrickel, sondern er platziert die gemeinen Midtempo-Schläge genau in der Magengegend, und das sitzt. Beim darauf folgenden „Stuttgart“ darf man sich dafür dann ein wenig locker machen. Der Titel verrät es schon: eine graue Heimat-Hymne sondersgleichen, die weder von hohen Bergen noch von grünen Tälern berichtet, sondern die den Baden-Württembergischen Betonklotz, der da Landeshauptstadt genannt wird, felsenfest umschwärmt. Recht flott und punkig, beim Refrain bin ich beinahe versucht, die „Stuttgart“-Chöre tatkräftig zu unterstützen. Das sei aber lieber den von „Dinkelacker“ und VfB-Gesängen geölten Stimmbändern überlassen. „Fahr zur Hölle“ erhitzt den kalten Stuttgarter Beton schlagartig mit den sengenden Flammen des Fegefeuers. Ein gnadenloser Groove, viel Distortion für den Viersaiter und ein wildes Frickel-Solo lassen die Unterwelt zum musikalischen Himmel des Metallers mutieren. Freikaufen möchte sich daraus bestimmt keiner. Auch oder schon gar nicht, wenn man bei „Verstärker“ mit SLIPKNOT-Riffs loslegt und getreu dem Text den Amp bis zum Anschlag durchkurbelt. Klar ist: Hier sind definitiv keine Anfänger am Werk. Nicht nur Alex Scholpp und sein kantiges, aber sauberes und höchst variables sowie anspruchsvolles Gitarrenspiel überzeugen dabei auf ganzer Linie. So prescht die Truppe bei „Abwärts“ stattdessen mit sauberem Thrash immerzu aufwärts und nach vorne. Zu dem unermüdlichem Gepeitsche der Platte gesellen sich die bellenden Hooklines und auch im Tempobereich folgt man nicht nur der starren Linie. Die finale Abreibung „Durch die Wand“ bietet nochmal ein Highlight, dass in seiner lyrischen Aufmachung an eine andere deutsche Größe erinnert. Ähnlich besungen haben sich auch RAMMSTEIN in ihrem selbstbetiteltem Lied bzw. auf dem neuen Album könnte man eine Parallele zum „Rammlied“ finden. Musikalisch musste es selbstverständlich dem Niveau der Platte entsprechend nochmal ein direkter Schlag ins Gesicht sein. Dass TIEFLADER dafür nicht extra anhält, mag erst enttäuschend klingen, macht für alle Beteiligten aber einfach am meisten Sinn. Wäre ja auch zu mühsam, die Klatsche jedem persönlich zu erteilen. Deswegen wählt man die einfache Variante und zockt sich auf der Zielgeraden nochmal sämtliche Rußpartikel aus der Röhre. Zurück bleibt ein wuchtiges Loch in der Wand und ein komplett staunenden Schreiberling. Angekündigt haben sie es ja zumindest.

Aus meinen Augen gibt es dabei beängstigend wenig zu bemängeln. Die vier mit Metal gesäugten Großstädter könnten mit ihrer direkten und modern klingenden Produktion schon bald den Nachbarn von GRANTIG ihren Rang ablaufen. In ihrem Bereich sind sie sogar schon nach ihrem Debüt (die ersten vier EPs führte man noch komplett in Eigenregie) nicht mehr wegzudenken und schwerlich zu schlagen. Dass mich zum Jahresende nochmal so ein Hammer erwartet, hätte ich mir beinahe kaum erträumt. Und das auch noch von einer deutschssprachigen Kombo! Wenn deutscher Metal jetzt der neue Trend wird und sich dadurch sämtliche Jugendliche die gefärbte Mähne abrasieren, ergebe ich mich widerstandslos dem Mainstream und kröne TIEFLADER zu den Gründern dieses Kultes.

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