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TOKIO HOTEL - Zimmer 483 Live in Europe (2-DVD)

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Artist TOKIO HOTEL
Title Zimmer 483 Live in Europe (2-DVD)
Homepage TOKIO HOTEL
Label UNIVERSAL MUSIC
Leserbewertung
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5.0/10 (2 Bewertungen)

TOKIO HOTEL? Find ich geil!

2005: „Durch den Monsun“ katapultierte die bis dahin höchstens regional bekannte Magdeburger Band auf Anhieb von Null auf 1 in den Charts, was man natürlich erstmal schaffen muss. Sich dann auch noch wochenlang dort zu halten, kann man nicht mit „die nächste Teenie-Combo“, „Zufall“, „Marketing“ oder „Glück“ abtun… von allem ist sicherlich etwas für den Erfolg verantwortlich. Unterm Strich kann man aber auch einfach nur sagen: Geile Mucke!

Die Band hat einfach Substanz, was spöttische Kritiker nun, 3 Jahre später, einfach mal neidlos anerkennen müssen. Und sie ist gereift, noch weiter gereift. Denn als man 2005 an die Spitze preschte, hatte man trotz des jungen Alters schon etliche Jahre in kleinsten Clubs hinter sich, wo man auch mal vor 20 Nasen zocken musste. Das sollte man mal nicht vergessen, dass hier eine echte, gewachsene Band mit selbstverzapften Songs am Start ist und keine sinnentleerte Castingscheiße! Und in der Liga Deutsche Rockbands pissen derzeit höchstens noch DIE ÄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN in gleichen Sphären. TOKIO HOTEL werden eben jene beerben, wenn die sich mal zurückziehen irgendwann. Wer innerhalb von nur gut 2 Jahren sagenhafte 3,5 Millionen Tonträger absetzen kann, so ziemlich sämtliche Musikpreise einsackt, die es gibt und nebenbei noch die erfolgreichste Debüttour, die es in Deutschland bisher gab, abreißt, den muss man zwar immer noch nicht mögen, aber zumindest respektieren! Eine Halle mit 15.000 Leuten (Teenies oder nicht) voll zu kriegen, schaffen heutzutage auch nicht mehr allzu viele Combos, aus dem härteren Bereich schon mal gar nicht. Nachzusehen auf der vorliegenden DVD, welche beim größten Gig der letzten Deutschlandtour in Oberhausen mitgeschnitten wurde. Die Maschinerie rollt jetzt natürlich unaufhaltsam und die Kuh wird gemolken, bis der Euter knittert… die Rente der 4 Jungs ist eh schon gesichert, kann aber ja noch aufgebessert werden. Hut ab allerdings, dass man nicht mal eben einfach nur cash einfährt und ein halbgares Produkt auf den Markt schmeißt, sondern eine tatsächlich wertige Doppel-DVD!

Und wer noch behauptet, TOKIO HOTEL rocken nicht, der sollte sich mal in aller Ruhe dieses Teil reinfahren. Stellvertretend sei der punkige Speeder „Leb die Sekunde“ genannt, damit poltern die Jungs in krachigen Regionen à la BÖHSE ONKELZ/ BAD RELIGION. Tom sägt auf seiner Flying-V und Gustav verprügelt sein Kit, wie man überhaupt sagen muss, dass vor allem der extrem fette Schlagzeugsound hervorsticht. Ansonsten zieht natürlich Fronter Bill alles auf sich und das nicht nur rein optisch. Auch sein Gesang ist mit ihm erwachsener geworden. Natürlich kokettiert er mit seiner Rolle als (Bravo-)Star und kostet das aus, wer will ihm das verdenken? So wird das Ausziehen der Lederjacke ausgiebigst zelebriert, unter einem johlenden Kreischkonzert logischerweise. DAS muss man allerdings wirklich nicht verstehen, völlig realitätsfremd diese Quiekkolonnen! Aber die zahlen nun mal auch kräftig, daher darf auch heute eine Glückliche auf die Bühne bei „Der letzte Tag“ und ihre Unkünste darbieten. OK, mit den Jungs vor 15.000 Leuten auf einer Bühne stehen ist ja mal nicht unerheblich cool… das Mädel hat sich wahrscheinlich drei Wochen nicht gewaschen; dort wo Bill seine Schminke hinterlassen hat. Bildtechnisch ist der Gig natürlich voll auf der Höhe, da gibt’s nichts zu meckern. Und auch musikalisch haut man in die Vollen. Neben den Smashern „Durch den Monsun“, „Schrei“ oder „Spring Nicht“ zeigt man allen Kritikern mit der Akustik-Ballade „In die Nacht“ den großen Mittelfinger und überzeugt auch den letzten Nörgler mit Songwriter-Qualitäten! Gefühlvoll nur von Bill und Tom dargeboten, kann man auch rein mit Akustik-Klampfe und Stimme überzeugen… lediglich das Gekreische der Mädels stört. Aber das kennen ja alle Älteren auch noch von den BEATLES oder ELVIS… oder OZZY! Fette Rocker wie „Übers Ende der Welt“, „Reden“, „Ich brech aus“ oder „Wo sind Eure Hände“ fahren sofort ins Gebein und brettern erheblich rockiger aus den Speakern, wie auf den Studiowerken. „Der letzte Tag“ erinnert zu Beginn ja schon fatal an „Enter Sandman“ von METALLICA und rockt im weiteren Verlauf auch ein wenig in der gleichen Richtung. An der Performance auf einer solch riesigen Bühne dürfen die 4 aber noch arbeiten, da geht der Actionfaktor eher gegen Null und die Kommunikation liegt allein auf Bills Schultern. Aber das sind nur kleine Schönheitsfehler bei dieser nach wie vor blutjungen Band.

In Europa kann man schon nicht mehr viel größer werden, was man eindrucksvoll auf der 2. DVD mitverfolgen kann. Bei der 45-minütigen Tourdoku wird die Band auf Schritt und Tritt begleitet auf allen Stationen der Tour und jeder der 4 kommt ausgiebig zu Wort. Das Ganze ist sehr kurzweilig und auch aufschlussreich. Man merkt, das sie noch nicht völlig abgehoben sind, sie können sich selbst und auch das Umfeld nach wie vor herrlich auf den Arm nehmen, und die Einblicke in das Bandinnenleben zeigen, dass man nach wie vor mit beiden Beinen auf dem Boden steht und vier Freunde einfach nur Mucke machen wollen. Vor allem Bill zeigt sich sowohl von seiner noch eher kindlichen, als auch von seiner schon erwachseneren Seite und hat gar höchsten Respekt vor den Fans (Mädels). Das funktionierende Team um die Band herum ist enorm wichtig und wenn man sich über einen beschissen gelaufenen Gig aufregt oder eigene Fehler bemängelt, kommt der Vollblutmusiker in den 4 Jungs durch. Das ist logischerweise alles viel einfacher, wenn man sich über neustes Equipment keine Gedanken machen muss…

Bills Spruch „die haben viel Geld bezahlt und opfern ihre ganze Freizeit für uns, dann wollen (und sollen) sie auch eine vernünftige Show sehen“ sollten sich viele, gaaaanz viele andere „Stars und Sternchen“ mal gepflegt hinter die vergoldeten Löffel schreiben! Hut ab! Das nächste Album wird Länderübergreifend die Charts von oben dominieren. Bleibt also nur noch die restliche Welt zu erobern… und auch das wird mit diesem Songmaterial ein, äh… Kinderspiel!

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