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TORI AMOS - American Doll Posse

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Artist TORI AMOS
Title American Doll Posse
Homepage TORI AMOS
Label EPIC/ SONYBMG
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

„I’m a bitch, I’m a lover, I’m a child, I’m a mother, I’m a sinner, I’m a saint…“ besang dereinst Meredith Brooks die vielen Gesichter einer Frau. Auch TORI AMOS, von der wir seit “The Beekeeper” die letzten drei Jahre nichts gehört haben, macht die verschiedenen weiblichen Facetten zum Thema ihres neuen Albums “American Doll Posse”. Nicht nur, dass sie auf dem Cover mal blond als Cybergirl, mal rothaarig als Baba Jaga oder schwarz als Discoqueen posiert, sie schafft sich gleich fünf Alter-Egos, inspiriert durch die griechische Mythologie, die sie dann Tori, Pip, Isabel, Clyde und Santa nennt. Jeder dieser Frauen sind passend zum Charakter einzelne der insgesamt 23 Songs zuzuordnen.

Isabel (HisTORIcal) entspricht Artemis, einer strengen und grausamen Göttin, die keinem Manne untertan war. Sie lebte frei und wild. Als Isabel hält sie mit ihrer politischen Meinung nicht hinter dem Berg – „Yo George“ richtet sich mit zynischen Worten und dunklen Klavierakkorden direkt an den US-Präsidenten. Wie Artemis steht auch Isabel mit den Männern auf Kriegsfuß, „Mr. Bad Man“ zeugt davon, wenngleich zuckersüß beschwingt. Zu Ukulelen-Gezupfe geht es dann eine knappe Minute um „Devils and gods“, ehe nach dem eher poppigen „Almost Rosey“, die Antikriegshymne „Dark side of the sun“ Isabels Part beendet.

Clyde (CliTORIdes) erinnert an Persephone, eine Göttin, die sich ihrem Schicksal ergab. Voller Idealismus singt sie als Clyde verletzlich und trotzig „Bouncing off clouds“, das es mit seiner Mischung aus Dynamik und Fragilität mit starken Stücken von KATE BUSH aufnimmt. Von Streichern unterlegt ist Clyde das verlorene kleine Mädchen in „Girl Disappearing“ und auch die Ballade „Rooterspur Bridge“ ist ihr zuzuordnen.

Pip (ExpiraTORIal) ist Athene, Göttin der Weisheit und Strategie. Stolz und wild hört man sie in „Teenage Hustling“, erhaben zu „Father’s son“ und selbstbewusst im „Code Red“. „Body and Soul“ singt sie im Duett mit Santa (SanaTORIum), der Sinnlichsten der Fünf. Sie ist an Aphrodite angelehnt, Göttin der Liebe und Begierde. Zu ihren Stücken gehört u.a. das überdreht-laszive „You can bring your dog“ und das 20er-Jahre inspirierte „Programmable Soda“.

Bleibt noch Tori selbst (TerraTORIes), sie ist nach eigenen Angaben Demeter und Dionysos. Sie steht für das Männliche, aber sie ist wie Demeter die Mutter und Schöpferin. Von ihr hört man das etwas countrygeschwängerte „Big wheel“ und das tränentreibende „Digital Ghost“.

Fast 80 Minuten kann man den verschiedenen Frauentypen lauschen, allerdings anders als hier der Übersichtlichkeit halber dargestellt, völlig vermischt. Das macht in Anlehnung an das Gesamtkonzept Sinn, vereint doch TORI AMOS als Protagonistin all diese verschiedenen Stimmungen auf sich (wie wahrscheinlich jede Frau). Aber ohne größere Auseinandersetzung mit diesem Konzept stößt man beim Versuch des einfachen Hörgenusses schnell auf das größte Manko dieses Albums: Man fühlt sich von der Komplexität schier erschlagen. Langsam schälen sich hier und da Highlights heraus, die aber in der Fülle der Ideen und den wie Blitzlichtern eingestreuten Interludes unterzugehen drohen. Macht man sich zum Einstieg jedoch die Mühe, die Reihenfolge der Titel gemäß den Charakteren zu ändern, hört man die Stücke etappenweise und vielleicht noch entsprechend der eigenen Stimmung, nimmt man sich dann noch die Zeit, im Booklet zu schmökern, hat man beste Chancen auch TORI AMOS neuntes Werk ins Herz zu schließen.

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