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TORI AMOS - Ocean To Ocean

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Artist TORI AMOS
Title Ocean To Ocean
Homepage TORI AMOS
Label DECCA
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TORI AMOS ist keine Person, die einen Lockdown genießen würde. Sie spielt live, seit sie dreizehn Jahre alt ist. Sie verbringt ihr Leben zwischen Cornwall, Florida und unterwegs. Ihre Songs schreibt sie auf Reisen und beim Beobachten. Ihr letztes Studioalbum, „Native Invader“ aus dem Jahr 2017, vereinte mit einer ungeheuren Energie vier unglaublich disparate Stränge: einen Roadtrip durch Tennessee, Geschichten, die von ihren Vorfahren inspiriert wurden, den Aufstieg von Donald Trump und den langsamen Verlust ihrer Mutter durch einen Schlaganfall. Aber ohne Live-Musik, Reisen und überhaupt ohne viel zu beobachten, hatte Tori eine schwierige Zeit während der Pandemie. Sie verbarrikadierte sich in Cornwall und geriet in eine persönliche Krise, die jedem bekannt vorkam, der unter dem dritten Lockdown in Großbritannien litt – dem im Winter, der ewig zu dauern schien…

Allen Widrigkeiten zum Trotz führte diese Krise zu „Ocean To Ocean“, Amos‘ persönlichstes Werk seit Jahren – eine Platte voller Wärme und Verbundenheit, mit tiefen Wurzeln in ihrem frühesten Songwriting. TORI AMOS verfiel in einen emotionalen Zustand, der so tief war wie schon lange nicht mehr – aber die Tiefen wurden kreativ und erzwangen eine Rückkehr zu der Art von Selbstbeobachtung, die sie von ihrem Debütalbum „Little Earthquakes“ aus 1992 kannte. Knapp 9 Millionen Tonträger und beinahe 30 Jahre später erzählt „Ocean To Ocean“ von Verlusten und wie man mit ihnen umgeht. Zwischen März und Sommer dieses Jahres geschrieben, ist es eine universelle Geschichte über den Tiefpunkt und die Erneuerung des eigenen Lebens.

Entsprechend leidenschaftlich ist auch der Sound der zehn Songs auf „Ocean To Ocean“. Stellvertretend sei hier der Titeltrack genannt, dessen Drama sich an den Küsten des Vereinigten Königreichs und der USA abspielt.  Er vermittelt ein Gefühl der geografischen und emotionalen Entwurzelung. Es ist ein Lied über Verwandtschaft und Liebe, über das Festhalten aneinander in zerstörerischen Zeiten mit einer melancholischen Dringlichkeit, die wir in Amos‘ Werk von Anfang an gehört haben. Toris warme, eindringliche Stimme steht derweil bei der reduzierten Piano-Nummer „Flowers Burn To Gold“ im Mittelpunkt, während „Metal Water Wood“ oder auch „29 Years“ im temperamentvollen Rhythmus daherkommt. „Spies“ bittet gar gut gelaunt auf den Dancefloor, wohingegen das zarte „How Glass Is Made“ ebenso wie der zauberhaft flirrende Opener „Addition of Light Divided“ zum Zuhören einlädt. Das muntere „Speaking With Trees“ gefällt mit einer feinen, abwechslungsreichen Instrumentierung, bevor „Devil’s Bane“ und „Swim To The New York State“ gefühlvoll übernehmen.

In gewisser Weise ist „Ocean To Ocean“ das bisher kornischstes Album von TORI AMOS: Die Grafik sagt es selbst, denn die Sängerin wurde auf den Klippen und in den Höhlen an der Südwestküste der beeindruckenden Grafschaft Cornwall aufgenommen. Für die Arbeiten an „Ocean To Ocean“ hat die 58-jährige ihre inspirierenden Reisen ganz klimaneutral im Kopf unternommen und erfolgreich bewiesen, dass ihre eigene Fantasie genügend Ideen für eine abwechslungsreiche Langrille geliefert hat.

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