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TRACIE YOUNG - No Smoke Without Fire

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Artist TRACIE YOUNG
Title No Smoke Without Fire
Label CHERRY RED
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Hmm, 2014 scheint das Jahr der Kuriositäten zu sein, was die Veröffentlichung von 80er-Jahre-Material auf CD angeht, was durchaus mit den umtriebigen Leuten bei Cherry Red Records zu tun haben kann, die vermutlich die Charts der 80er Jahre durcharbeiten, um auf längst vergessene Interpreten aufmerksam zu werden, welche damals wie heute mehr Beachtung verdient hätten. Nachdem sie mit BLUE RONDO A LA TURK nach über dreißig Jahren eine LP auf CD veröffentlichen, die gerade mal zwei Wochen in den britischen Charts verbrachte, legt das Label jetzt etwas noch Kurioseres nach.

Unternehmen wir erst mal einen kleinen Ausflug ins Jahr 1982. PAUL WELLER sucht für sein eigenes neues Plattenlabel noch Bands und Sänger/ Sängerinnen. Dabei wird er auf TRACIE YOUNG aufmerksam, die er zunächst auf der letzten THE JAM-Single „Beat Surrender“ im Hintergrund mitsingen lässt. Nach dem Ende von THE JAM kehrte WELLER bekanntlich mit THE STYLE COUNCIL schnell wieder in die Charts zurück, aber parallel dazu kümmert er sich auch um sein Label, das musikalisch auf der mehr relaxten, souligen Richtung seiner neuen Band liegt. TRACIE YOUNG erzielt mit ihrer ersten Single „The House That Jack Built“ einen Achtungserfolg, es folgen weitere Singles und 1984 die Debüt-LP „Far From the Hurting Kind“. 1985 soll das zweite Album erscheinen, aber da stellt WELLERs Label den Betrieb ein, TRACIE wird von Polydor unter Vertrag genommen, aber die packen das fertige Album ins Archiv und … Ende der Karriere. TRACIE wendet sich von der Musik ab, aber nicht so ganz, da sie als Radiomoderatorin arbeitet.

2014, also satte 29 Jahre später (das dürfte wohl ein Weltrekord sein), ist nun endlich dieses zweite Album erschienen, das einem beim Hören das Gefühl gibt, man hätte eine Zeitreise in die Mitte der 80er Jahre unternommen. Mit sehr, sehr viel Verspätung erfährt man, dass TRACIE YOUNG seinerzeit ihrem Stil treugeblieben war und einen würdigen und auch etwas reiferen Nachfolger veröffentlicht hätte, der mit „Italian Girl“ und vor allem „Me and Jimmy Stone“ zwei perfekte Single-Kandidaten enthielt, die womöglich den Grundstein für eine lange und erfolgreiche Karriere gelegt hätten. Das Schöne an „No Smoke Without Fire“ ist nicht nur die Tatsache, dass endlich dieses Album veröffentlicht worden ist, sondern auch, dass man es hier mit einer authentischen Produktion aus den 80ern zu tun hat, nicht aber mit etwas, das heutige Musiker und Produzenten als 80er-Jahre-Stil verkaufen, auch wenn das eigentlich gar nicht zutrifft.

Eine CD aus dem Hause Cherry Red Records kommt erfreulicherweise natürlich nicht ohne Bonustracks daher, und von der Sorte gibt es hier gleich sieben Stück, unter anderem B-Seiten und 12″-Versionen, aber auch der Originalmix von „The House That Jack Built“ (bevor PAUL WELLER auf die unerklärliche Idee kam, die Aufnahme etwas schneller laufen zu lassen) und „Baby Come Back“ (nein, nicht der EQUALS-Song), den TRACIE unter anderem Namen als Single herausgebracht hatte. Alles in allem ein gelungenes Album, mit dem einzigen Wermutstropfen, dass ich diese Rezensionen lieber schon vor 29 Jahren geschrieben hätte.

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