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TREIBHAUS - Alphatier

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Artist TREIBHAUS
Title Alphatier
Homepage TREIBHAUS
Label DANSE MACABRE
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Das Hannoveraner Projekt TREIBHAUS um Sänger und Bandkopf Curt Doernberg, der vor der Gründung 2004 unter anderem schon bei ROUGH SILK hinterm Drumkit saß, generiert seit mehr als einer halben Dekade harten elektronischen Metal aus der NDH-Ecke. Mit dem vierten Studioalbum wird nun anscheinend das „reifste und persönlichste Werk“ fällig, dessen Titel mit „Alphatier“ paradoxerweise maskuliner und plakativer kaum hätte ausfallen können. Obwohl mein Wissen im Bereich der düsteren Musik lediglich auf eine absolut rudimentäre Ausbildung zurückblicken kann, ist mir wohl bekannt, dass man in den eigenen Reihen solche Stereotypen aber nicht grundsätzlich dementiert – im Gegenteil. Drum weiß auch Doernberg, dass er damit keineswegs im Zaum halten muss.

Harte Beats pochen beinahe unerlässlich gegen die Schädeldecke, an Elektronik und Synthies wird ohnehin nicht gespart und die Handgemachten Parts beschränken sich hauptsächlich auf getimte Hack-Riffs, wobei sich das Schlagzeug dem simplen, kaum variierten Stampfen selbstverständlich anpasst… die Formel geizt nicht nur auf den ersten Blick ein wenig mit Abwechslung. Doch auch als Außenstehender zeigt die Erfahrung, dass elektronisch brettiges Gepumpe wie „Syndrom“ die Tanzflächen alternativer Discos beinahe im Handumdrehen mit zahlenden Gästen füllt – da sei selbst das eklige Autotune mal verziehen. Störend ist hingegen, der Effektivität der instrumentalen Konstanz zum Trotz, der eintönige Sprechgesang vom Bandleader höchstselbst, der selbst beim melodischen Gehversuch „Die Pest“ die harte Marschroute kein Stück außer Acht lässt. Dafür ist der Einblick in die Gefühlswelt des Texters hier nur zu deutlich erkennen, wo doch das Album von keineswegs oberflächlichen (gerade „Ave Maria“ lässt mehrere Deutungen zu und regt im Zuge der hoffentlich immer noch präsenten Erinnerung an die diversen Missbrauchsfälle zum Nachdenken an), aber häufig aggressiv prolligen Titeln wie „Scheiss auf dich“ und „Auf in den Kampf“ durchzogen ist. Dennoch könnte der Gesang marginale Verfeinerungen durchaus vertragen… andere Landsmänner wie EISBRECHER, denen man musikalisch schließlich noch mit am nächsten steht, schaffen das ja auch. Davon abgesehen müssen diejenigen, die sich mit der Aggression der industriellen Maschinenwucht zufrieden geben, in der zweiten Hälfte keinen Aus- oder Abfall fürchten. Allen voran der knackige Titeltrack wuchtet die Leiber vom Parkett, da darf man die Parallele zu RAMMSTEIN ruhig ziehen. Mit den kühlen Synths im Refrain funktioniert das wohl Metal-lastigste Stück der Scheibe sicher gut als Hit für den Tanztempel. Obendrein birgt die Scheibe Drum-Dance-Version von „Die Pest“ und den ENTER AND FALL-Remix von „Auf in den Kampf“… beide natürlich äußerst tanzbar.

Doch trotz der Nähe zu anderen Bereichen des metallischen Kosmos werden auch TREIBHAUS mich nicht zu einer tiefgehenderen Studie der dunklen Tanzmusik veranlassen. Elemente bleiben dank verträglicher Arrangements hängen, doch die Hitdichte ist nicht gerade groß. Doch wo mich die elektronische Bretthärte auf Dauer schlichtweg ein wenig langweilt, da dürfte, wenn mich mein Eindruck nicht ganz täuscht, das gängige Klientel auch in „Alphatier“ ein grollendes Boxengewitter sehen, das sowohl daheim als auch im Club die gewünschten (Tanz-)Effekte erzielt.

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