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TRIST - Willenskraft

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Artist TRIST
Title Willenskraft
Homepage TRIST
Label COLD DIMENSIONS
Leserbewertung
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7.4/10 (7 Bewertungen)

Mal ehrlich: welches musikalische Angebot kann man von einer Band erwarten, die sich TRIST nennt, sofern die (bzw. hier der) Musiker sich und den selbstgewählten Namen Ernst nimmt? Allzu lebensbejahend dürfte das Fazit sicher nicht ausfallen, eine melancholisch-trübe, in einem Grauschleier liegende Ideologie scheint da schon nahe liegender zu sein. Dies zur Einordnung vorausgeschickt, handelt es sich bei dem Medium um keinen Unbekannten, denn die Ein-Mann-Armee Tristan hat sich a.k.a. Aran diverse Jahre schon blackmetallisch als einer der Köpfe von LUNAR AURORA betätigt. Mit seinem zunächst zweiten Standbein TRIST hat er inzwischen in altbekannte Gefilde zurückgefunden und veröffentlicht nun über die von seinem langjährigen LUNAR AURORA Weggefährten Whyrhd gegründete Plattenfirma Cold Dimensions.

Musikalisch hebt sich TRIST allerdings zum Teil deutlich von der rasanten Ausrichtung vergangener Tage ab. Als Ambient Black Metal wird das (inklusive einer Demo-CD) bereits vierte Produkt angepriesen, auf dem man die zuletzt mit „Hin-Fort“ eingeschlagene Entwicklung fortsetzt. Soll heißen, dass auch auf „Willenskraft“ nicht mehr auf Gitarren und Schlagzeug in Ergänzung zum düsteren Ambientsound verzichtet werden muss. Genau genommen spalten sich die sechs langen bis überlangen Songs dadurch aber in zwei Lager, nämlich in drei Metal-Stücke und drei Ambient-Tracks. Wenig überraschend liegt dem Ganzen dabei ein Konzept zugrunde, welches jedoch positivere Ansätze hat, als man vermuten könnte. Schlagwörter wie „Ein Werdegang, ein Bewußt-Werden, ein Erschaffen, Wille und Kraft…“ halten die Kompositionen inhaltlich nämlich zusammen.

Kraft benötigt man auch, um den fast 13-minütigen Opener „Bewusstsein“ zu überstehen, ohne in die schläfrige Bewusstlosigkeit abzudriften, da sich dieser Titel im Wesentlichen lediglich aus Meeresrauschen (das sich quasi durch das gesamte Album zieht) und zaghaften Ambientschwaden zusammen setzt. Das plätschert dann auch genauso vor sich hin, wie es klingt; eine Welle der Begeisterung kann hier jedenfalls noch nicht aufbranden. Lebendiger erklingt da das mit über 15 Minuten längste Stück „Wagemut“, bei dem sich geradliniger Mid-Tempo Black Metal aus dem zuvor erzeugten Dickicht emporhebt. Einige atmosphärische Nuancen halten trotz nicht allzu viel Abwechslung die Balance im reichlich verwaschenen Sound. Ein Song mit Ähnlichkeiten zum Material auf dem „Filosofem“ Album von BURZUM! „Zweifel“ lässt im Anschluss leider eben solche aufkommen, sobald das Meeresrauschen zurückkehrt, doch nach und nach wird dieses von einem Dark Ambient Gebilde eingehüllt. Dies führt uns zu „Herzenswunsch“, einer atmosphärisch-okkulten, monoton getragenen Düster-Metal Nummer, bevor „Verhinderer“, eingeleitet durch ein etwas längeres Sprachsample, mit Keyboardschleiern und Meeresrauschen noch einmal in die Welt der Schemenhaftigkeit abtaucht. Im abschließenden Song erfährt der Hörer dann abermals eine „Wandlung“ hin zu atmosphärischem, leicht ungehobeltem Black Metal.

TRIST präsentiert sich also sehr eigen und versunken im selbst erzeugten Kosmos. Sowohl für den Black Metal Teil als auch vor allem für die Ambient Passagen dürfte man kunstvollere Beispiele anderer Combos finden, in der Kombination für Nischengänger vielleicht aber eine interessante Angelegenheit. Beim Rest ist wohl eher eine Menge „Willenskraft“ gefragt.

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