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TROST - Trust me

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Artist TROST
Title Trust me
Homepage TROST
Label FOUR MUSIC
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Sehr subtil das Ganze. Ein gediegenes Cover mit schwarzhaariger Schönheit, Schwan und Schürfwunde am Knie. Taffe Verletzlichkeit, empfindsame Stärke. Ein Vorgeschmack auf die Musik?

Die Dame auf dem Cover ist Annika Line Trost, eine Hälfte der COBRA KILLER, deren elektronische Punk Attacken inklusive exzessiver Live-Show seinerzeit schon bleibende Eindrücke bei unserem Terror-Chef hinterließen. 2002 nahm Frau Trost nebenher ihr selbstbetiteltes erstes Soloalbum auf, von dem vielleicht jemandem die Single „Tattoo your name on my ass“ in Erinnerung geblieben ist. Nun geht es weiter mit Album Nr. 2-„Trust me“ und wer würde sich dieser Aufforderung widersetzen?! Als zahm oder gar konsensfähig kann man auch diesen Output nicht bezeichnen, die Schlangenmörderin jedoch bleibt zu Hause. Polyglott auf Deutsch, Englisch und Französisch geht es eher geheimnisvoll, bissig und bizarr zu. „Cowboy“, „Man on the box“ und „Neonlight deadland“ klingen nach einem schwarz-weiß Agenten-Score gemischt mit Sixties Flair und Elektroclash. „Cowboy, wo ist Dein Traum? Ich sah ihn hängen am höchsten Baum.“ singt Frau Trost – wie trostlos. „This strange someone“ klingt auch strange, etwas quer, die Stimme einmal durch den Vocoder gezogen und im Hintergrund psychedelische Monotonie. „I was wrong“ markiert das erste Highlight allein schon des Textes wegen, in dem Frau Trost aufzählt, was alles in ihrem Leben falsch läuft. Doch Trauer und Depression lässt das Stück beschwingt im 3/4-Takt mit Geigengezupfe und Pianogeklimper nicht aufkommen, eher verkörpert die Protagonistin eine Gelassenheit, die man erreicht, wenn eh schon alles zu spät ist. „The Scales and the Score“ assoziiere ich auch wieder mit Filmmusik – erschien mir doch immer eine tanzende Uma Thurman vorm geistigen Auge. Unterkühlt-lasziv geht es mit „Sans ta Scie“ weiter und der französischen Sprache nicht mächtig schließe ich doch auf einen nicht ganz so jugendfreien Text. Zu viel Rauschen und Geknacke und Country-Gitarre folgt „Even sparrows don’t like to stay“. Eine ähnlich schöne kleine Geschichte erzählt „Black“, mein weiterer Favorit, sehr ruhig und intensiv vorgetragen. Die Single „Guy le Superhero“ findet hingegen nicht ganz so mein Gefallen, präsentiert sich Frau Trost hier doch wieder sehr unnahbar mit der kühlen Eleganz eines Bohemien. Mit dem zart gehauchten „Filled with tears“ verabschiedet sie sich dann nach gut 41 Minuten.

Ein abwechslungsreiches Album zwischen frech, charmant, kokett, distanziert, spröde, entrückt und sexy, das sich in keine Schublade stecken lässt. Und diese Feststellung würde Frau Trost sicherlich mit einem tiefgründigen Lächeln goutieren.

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