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TYSKE LUDDER - Anonymous

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Artist TYSKE LUDDER
Title Anonymous
Homepage TYSKE LUDDER
Label BLACK RAIN
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.7/10 (103 Bewertungen)

Inmitten all der eintönigen Harsh, Hell und was weiß ich noch für klassifizierten Electro Spielarten nehmen die TYSKE LUDDER einen Sonderstatus ein: Sie sind alte Herren und sie wissen, was sie tun. Das ist mehr, als man von so manch jugendlichem Provokateur behaupten kann. Bildlich gesprochen kämpfen hier Windhunde gegen einen grimmigen alten Pitbull, der zwar bis zu einem gewissen Punkt die Ruhe bewahren kann, dann aber unbarmherzig zuschlägt. Die Metapher passt übrigens auch zum Gesang der Deutschen, denn das heiser-aggressive Gebell von Claus Albers wirkt knorrig wie die Laute eines zähnefletschenden Kampfhundes. Wobei im Vergleich zum Langspiel-Vorgänger ein wenig mehr Distortion auf den Vocals zu liegen scheint. Verständlich ist die Lyrik dennoch, zumindest was die Ebene der Lautmalerei angeht, der eigentliche Sinn erschließt sich nicht immer sofort, was für eine überraschend vielschichtige Textdichtung spricht.

Doch zäumen wir den Electro Gaul von vorne auf: TYSKE LUDDER spielen mittlerweile einen unverwechselbaren Stil aus Oldschool EBM und modernen Elementen, die sich im Bereich der Beats und der Melodieführung eingenistet haben. So ist der Gesang zwar an sich recht gleichförmig, die eigentliche Tanzdynamik wird aber durch viele kleine kompositorische Schmankerl im Sound-Untergrund erzeugt. Dazu kommen natürlich noch einige Film Samples (den Kiffer Kultstreifen „Reefer Madness“ meine ich hier erkannt zu haben) und eine Reihe wunderbar eleganter Provokationen. „Bastard“ eckt mit seiner egozentrischen Inszenierung eines Sexual Straftäters ganz gehörig an, dumpfe Geilheit und absurde Gewalt gehen hier Hand in Hand. Das sollte man schon etwas augenzwinkernd nehmen und eher im Kontext trashiger B-Filmstreifen sehen, sonst wird es kritisch. Richtig genial ist ein Lied über die wunderbarste Kriegerfindung der Menschheit ausgefallen, den Panzer. Gleichnamiger Track drückt einen insbesondere im Refrain gnadenlos ins Mauerwerk, die politische Aussage ist auch nicht ohne. Wobei der aufmerksame Hörer schnell feststellen wird, dass es sich hier um eine Coverversion eines noch recht aktuellen JESUS AND THE GURUS-Originals handelt, die im reinen Electrokontext ganz ausgezeichnet funktioniert. Dazu gibt es mit „March“ die Intonierung eines bekannten Sauf und Schunkellieds, während mittels „Frya Frisena“ der friesischen Freiheit gehuldigt wird, hierfür steht der historische Wahlspruch nämlich.

Eine fast durchgängig überraschend komplexe Liaison aus Old und New School, die nur ganz selten Schwächen zeigt und TYSKE LUDDER nun endgültig wieder dort positioniert, wo sie hingehören: National unverkennbar, ganz oben und mit ausgestrecktem Mittelfinger!

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