Band Filter

Request did not return a valid result

TYSKE LUDDER - Diaspora

VN:F [1.9.22_1171]
Artist TYSKE LUDDER
Title Diaspora
Homepage TYSKE LUDDER
Label BLACK RAIN
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.5/10 (39 Bewertungen)

„Mei haben die Friesen Riesen“ – Nein ich will mich jetzt nicht in den Niederungen der deutschen Softcore-Industrie suhlen, aber zumindest eine Parallele zu den Norddeutschen Brachial-Elektronikern gibt es. Die Herren sind tatsächlich „larger than life“, ihr Sound immer etwas over the top, ihr Anliegen provokativ überhöht. Dieses Mal widmen sie sich den Minderheiten unser Welt: Verfolgte, Entrechtete, Geknechtete. Der Begriff „Diaspora“ bedeutet so etwas wie „religiöse Fremde“, die Entwurzelung von der eigentlichen Heimat, von der ja insbesondere das jüdische Volk ein (Electro-)Liedchen singen kann. Passend hierzu auch Coverartwork und Intro, da könnten sich unbedarftere Zeitgenossen schnell mal die Pfoten verbrennen, doch diesbezüglich haben Albert und Co. ja ein dickes Fell entwickelt. Keine Schmalspur-Aktivisten wie AGONOIZE, hier gibt es verbal noch richtig auf die Fresse und das – erwartungsgemäß – gar nicht mal so dumm.

Der Quasi-Opening „Tempelberg“ weist dann auch den musikalischen Weg. Die harten, verzerrten, immer auch etwas monoton gebrüllten Vocals werden konterkariert von recht geschliffenen, teils sehr melodischen Synthlinien. Diesbezüglich hat man sich im Laufe der Jahre deutlich verfeinert und zeigt sich anno 2011 in den Details verspielt, in der grundsätzlichen Marschrichtung aber so konsequent wie eingängig. Lediglich der Refrain wird ein wenig totgedudelt gegen Ende, da hätte man etwas früher die Stop-Taste bedienen können. Dafür entschädigen dann aber „Hits“ wie „Wallfahrt“, „Über Euch“ oder „Der androgyne Held“, das absolute Sahnestück dieser VÖ. Treibend wie eine Horde Warzenschweine auf dem Weg zur Fütterung bahnt sich dieser Stomper den Weg in die Gehörgänge. TYSKE LUDDER in absoluter Bestform zwischen Aggression und Melodie, raus aus dem Haus, druff auf die Tanzfläche. Dagegen fallen ein paar andere Tracks leicht ab, es fehlen aber die „Füller“, die es bis dato auf jeder Platte der Combo gab. Stattdessen hier und da kleinere Experimente und Überraschungen: Der melodische Gastgesang bei „For their Glory“ (verantwortlich: Jay Smith von DEVIANT UK, der auch am Songwriting beteiligt war), das gelungene TILT-Cover „Merciless“ (eins von 3 Bonus-Stücken der auf 888 Ausgaben limitierten Version), das Kinderreim-artige „Abgesang“. Desweiteren dürfen vereinzelt auch Gitarren den Sound komplettieren, ohne allerdings das grundsätzliche Genre „Harter, rhythmischer Electro mit EBM-Anklängen“ zu verwässern.

Das mittlerweile als Quartett praktizierende friesische Monster hat mit „Diaspora“ klar das beste Album seit dem „Comeback“ vorgelegt, aus heutiger Sicht vielleicht sogar das Beste der langen Karriere. Ohne sich trendigen Einflüssen gänzlich zu verschließen, kombiniert man Old School-Attitüde, Härte und inhaltliche Substanz auf faszinierende Art und Weise, dass vielen neumodischen Acts der Arsch auf Grundeis gehen dürfte…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

TYSKE LUDDER - Weitere Rezensionen

Mehr zu TYSKE LUDDER