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ÜEBERMUTTER - Unheil!

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Artist ÜEBERMUTTER
Title Unheil!
Homepage ÜEBERMUTTER
Label ROADRUNNER RECORDS
Leserbewertung
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6.9/10 (9 Bewertungen)

…und ewig lockt das Weib? Im Falle der ÜEBERMUTTER ist dies jedenfalls zunächst einmal mit einem doch recht eigenwilligen Konzept und entsprechender Vermarktung der Fall. „Aufsehen erregen um jeden Preis“ mag man denken, wenn man Slogans wie „UnHeil, ÜEBERMUTTER! Füehre uns in Versuchung, unerlöese uns von dem Böesen!“ vorgesetzt bekommt. „Unheil!“ soll das gleichnamige Debütalbum dann auch zumindest insoweit verbreiten, als das erklärte Ziel eine neue Weltunordnung darstellt, nachdem man insbesondere das verstaubte Frauenbild bzw. die einhergehende Rollenverteilung einiger Mitbürger mal gehörig auf den Kopf gestellt hat. Als (post)feministische Emanze #1 präsentiert sich hier Luci Van Org, die vor Jahren als LUCILECTRIC noch Textzeilen wie „Mir geht´s so gut, weil ich ein Mädchen bin“ nervtötend vor sich hin trällerte. Nach ihrem Intermezzo mit DAS HAUS VON LUCI ist nun also die Metamorphose vom „Mädchen“ zur selbst erklärten ÜEBERMUTTER erfolgt.

Zusammen mit ihrer uniformierten Unheilsarmee wildert sie dabei zwischen düsterem Gothic/ Pop und Neuer Deutscher Härte, wobei Lucis gesangliche Vorstellung stark an eine Symbiose aus NINA HAGEN, Till Lindemann mit zweitem X-Chromosom und etwas Chanson erinnert. Vor kurzem konnte man sich – stilistisch relativ gut aufgehoben – im Vorprogramm von L’ÂME IMMORTELLE erstmals auf der Bühne zeigen und dort mit dem martialisch angehauchten Erscheinungsbild und ihrem „FeMetal“ sowohl klanglich als auch visuell sicher für eine Überraschung sorgen. Wie viel sich die Protagonisten selbst von ihrer konzeptionellen Ausrichtung annehmen oder ob hier nicht nur von den verantwortlichen Marketingstrategen mit Wasser gekocht wird, sei mal dahingestellt. Der ein oder andere dürfte jedenfalls so seine Problemchen haben, sich vorbehaltlos mit der ÜEBERMUTTER zu beschäftigen. Lässt man etwaige Vorbehalte aber mal schmerzbefreit beiseite und erwartet keine super-duper-innovativen musikalischen Leistungen, kann man „Unheil!“ einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen.

Schließlich ist es schon eine recht krude Mischung, die hier geboten wird. Allem voran das äußerst schmissige (und auch als Single auserkorene) „Heim und Herd“ mit seinem augenzwinkernden Text, gemünzt auf Eva Herman und Konsorten. Daneben ist unter anderem „Brenne!“ – wie auch sonst gelegentliche Passagen – entfernt an RAMMSTEIN angelehnt, deren Intensität aber selten erreicht wird. Während etwa „Wein´ mir ein Meer“ hingegen eher theatralischer Natur ist, erklingt das Titelstück dann abschließend quasi als propagandistischer Schlachtruf der gesamten Unheilsarmee.

So provokant und laut, wie ÜEBERMUTTER vielleicht sein wollen, sind sie – jedenfalls für den gemeinen Anhänger härterer Klänge – letztlich aber gar nicht. Um Teile der Nation gegebenenfalls ein wenig zu spalten, dafür könnte es wohl dennoch reichen. Wie man es aber auch dreht und wendet, im Ergebnis wird sich jeder Beteiligte in gewisser Hinsicht des Ausspruchs „Strafe muss sein“ bedienen können…

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