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ULRICH BASSENGE - Walk of Fame (Hörspiel)

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Artist ULRICH BASSENGE
Title Walk of Fame (Hörspiel)
Homepage ULRICH BASSENGE
Label DER HÖRVERLAG
Leserbewertung
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7.6/10 (19 Bewertungen)

Eine Veröffentlichung, die dem Terrorverlag auf den schmalen Leib zugeschnitten ist: Ein Hörspiel über B-Movies, Tod und Teufel, untermalt mit Musik und frechen Sprüchen 2er Kultregisseure. Davon einer sogar aus der Terror-Homebase Gütersloh. 53 Minuten quasi in blutroten Farben wie gemalt für eine gestörte Persönlichkeit wie mich. Hin- und hergerissen zwischen Audio und Video, am besten jeweils in den abartigsten Subgenres schwelgend.

„Walk of Fame“ ist der Titel eines Hörspiels oder neudeutsch Audiobooks, bei dem es um die Entstehung eines B-Movies und die daraus resultierenden Folgen für Darsteller und Stab desselbigen geht. Das Ganze als wunderbare Persiflage der glorreichen 70er Jahre, als Themen wie Naziploitation, Frauenknast, Sex-Zombies oder nackte Superagentinnen noch die Plakatwände schäbiger Kinos zierten. Diese Zeit ist lange vorbei, stattdessen müssen wir uns heute mit aseptischen Großproduktionen und billiger Direct-To-Video Action-Gülle herumschlagen. Doch die vorliegenden 53 Minuten Tondokument lassen diese Epoche wieder auferstehen, skizzenartig bekommen wir die Geschichte von Pussy Stanton serviert, die wahlweise titelgebenden „Walk of Fame“ beschreitet oder den „Racheengel auf der Blutinsel“ mimt. Auf den Philippinen (besonders billig und noch dazu optisch reizvoll) dreht der cholerische C-Visionär Teddy Romero (siehe den „echten“ Eddie Romero, „Frauen in Ketten“, „Mad Doctor of Blood Island“) seinen neuesten Reißer um einen geheimnisvollen Dr. Who, in dessen Auftrag eine an Dyanne Thorne angelehnte Nazi Schlampe einen Frauenknast im Dschungel leitet. Was natürlich Anlass genug für spekulative Lesbenszenen ist. Warum dann auch noch eine Vergewaltigung durch 8 Asiatenzombies integriert wird, mag möglicherweise daran liegen, dass der Who-Darsteller niemals am Set auftauchen wird und der Streifen ein wenig gestreckt werden muss. Doch noch mehr Unbill trifft die Crew: Der manisch sexgeile Produzent Harry W. Blitz (siehe den „echten“ Harry Alan Towers) rammelt sämtliche Darstellerinnen durch, ein Tsunami überspült das Set und eine Stuntdame wird von einem Unhold ganz real dahin gemeuchelt. Schließlich erblickt der Film dann doch noch das Licht der Öffentlichkeit bzw. der Autokinos, wo Pussy und ihre große Liebe, ein Drehbuchautor, völlig geschockt über die Qualität des Endproduktes eigenhändig für die Zerstörung des Filmmaterials sorgen.

Das alles von namhaften Sprechern vorgetragen, wie etwa Thomas Piper (Alf!) oder Tanja Schleiff, eine Preisgekrönte Theaterschauspielerin in der Rolle der gutgläubigen Pussy. Sie alle spielen mit diebischem Spaß an der trashig-ungehörigen Sache, die wahrlich nicht zum Tagesgeschäft gezählt haben dürfte. Als Macher fungierten Ulrich Bassenge, ein Hörspielautor wie –Komponist, der aktuell eine Dokumentation über den Kultstreifen „Freaks“ von Tod Browning vorgelegt hat sowie Leonard Koppelmann, ebenfalls bekannter Theater- und Hörspielregisseur. Dazu dann natürlich der recht wahllos eingestreute Audiokommentar der beiden Herren Gosejohann und Buttgereit, über die man selbst seitenlange Abhandlungen füllen könnte. Leider kann man nicht wie bei einer DVD zwischen Kommentar und Spielhandlung hin- und herschalten, so dass die Überblendungen nicht immer optimal wirken. Jedoch inhaltlich zählen die Bemerkungen der Berlin-Gütersloher Bad Movie-Allianz allemal zum feinsten auf diesem Themengebiet.

Beide sind ja auch Profis. Buttgereit (der wunderbar berlinert) als Verantwortlicher für die sehr umstrittenen/ künstlerischen „Nekromantik“-Filme, der mittlerweile für ARTE u.a. Asia Argento und Gina Wild „durch die Nacht“ begleitete. Gosejohann, Bruder vom Comedian Simon, der als ein Verantwortlicher der Neverhorst Film Company so wilde Sachen wie „Operation Dance Sensation“ heruntergekurbelt hat. Neverhorst übrigens in Anlehnung an einen kleinen, bäuerlichen Stadtteil Güterslohs mit Namen Niehorst. Die beiden Schlauschwätzer geben Sätze von sich wie: „Die Gewalt ist der Platzhalter für den Sex“, „In Gütersloh wurde kein Film gedreht – Egal wie teuer“ oder „Frauen werden erst schön, wenn sie leiden“ (sicherlich auch DAS Credo von Herrn Dario Argento). Erwähnt werden obendrein diverse italienische NS-Camp-Streifen, „Cannibal Holocaust“ oder „Gesichter des Todes“. Schwere Kost süffisant verpackt.

Ebenso wimmelt das eigentliche Hauptwerk vor Anspielungen. Neben den bereits erwähnten Namen beispielsweise Pussys Heimatort „Broken Arrow“ (ein John Woo-Film) oder die von Jess Franco kultivierte Praxis, immer gleichzeitig an 3 Filmen zu arbeiten, wobei es für keinen davon ein vollständiges Drehbuch gab. Die Frauen Power am Steuer hat Tarantinos „Death Proof“ ja gerade erst wieder entdeckt. Dazu werden „Die Sadisten des Satans“ oder „Frankenstein’s Todesrennen“ reanimiert, Tura Satana darf auf der Audiospur ihre dicken Möpse auspacken…

Einfach herrlicher Blödsinn das alles und vor allem sehr fachkundig aufbereitet. Die Hassliebe zu diesen ganzen Machwerken blickt an allen Ecken und Enden durch, teilweise wirkt „Walk of Fame“ gar wie ein wehmütiger Abgesang, doch keine Angst, überwiegend darf breit gegrinst werden. Was damals die Sittenwächter auf den Plan rief, wird heute sogar prämiert. Die Produktion gewann den ARD Online Award der dazugehörigen Woche des Hörspiels. Wer also monatlich in den Buio Omega Club zu Gelsenkirchen-Buer pilgert und sämtliche Terrorverlag-VÖs im Bücherregal stehen hat (immerhin 2 :), muss hier ganz einfach zuschlagen und wird sich nur darüber ärgern, dass der ganze sündige Spaß bereits nach 53 Minuten ein Ende findet.

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