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ULTOR - s/t

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Artist ULTOR
Title s/t
Homepage ULTOR
Label GROTTENVOLK RUNDFUNK
Leserbewertung
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1.0/10 (1 Bewertungen)

Man sollte dieses Album standardmäßig mit einer Taschenlampe ausliefern. Grottenvolk heißt das Label, auf dem das ROSTIGE RIESENRAD, alias ULTOR seine so inspirierenden wie weltfremden Werke veröffentlicht und tatsächlich sieht man auf der Innenseite des wahrscheinlich zuhause mit dem Wassermalkasten selbst bepinselten Covers eine düstere Kapuzenfigur, die mit grimmigem Blick durch ein Labyrinth aus Kellergewölben und schmalen Gängen geistert.

Genau dort wurde „Ultor“ wahrscheinlich auch eingespielt, alleine bei dem flackernden Licht von an der Wand angebrachten Fackeln und des von einer rostigen Autobatterie gespeisten Computers. Vielleicht war Bredereck nur mal kurz den Müll runter bringen gegangen und hatte den Schlüssel verloren, vielleicht handelte es sich um einen bewussten Rückzug. Fest steht, dass es ihm in dieser Zeit nicht besonders gut ging. „Forged in inhuman pain 2003/4“ heißt es knapp im Booklet, doch reichen schon die ersten paar Sekunden des schwarzen Tapes, um dies selbst feststellen zu können. Krachende Lärmkaskaden ziehen vorüber, genauso nahe an einer Explosion wie an weißem Rauschen, ehe eine grausam verzerrte Gitarre einsetzt, das Schlagzeug aus der Ferne scheppert und eine sich kaum noch als solche zu identifizierende Stimme gegen die Instrumentalgewalt durchzusetzen versucht: Der Industrial kommt, nach kurzen Ausflügen Richtung Hollywood und Hitparade, wieder nach hause – MINISTRY jedenfalls hören sich im direkten Vergleich wie Chorknaben an. Alles fließt ineinander, es liegen Strukturen vor, aber keine Entwicklung, es gibt Songtitel, aber keine Songs. Nur daran, dass sich der Cassettenrekorder ausschaltet, merkt man, welches Stück gerade zu letzt gespielt wurde und so können wir berichten, dass „Kein Ende“ mit seiner mystisch über Feedback schwebenden Melodie und das überraschend fett daherkommende „VON Tribut“ tatsächlich so etwas wie Erinnerungswert aufweisen. Der Rest ist bestialisch grausam und so roh wie ein von Maden durchsetztes T-Bone Steak.

Man wird diese Scheibe wahrscheinlich genau einmal hören und danach nur noch aus dem Koffer kramen, um Freunden die Radikalität dieses Projekts vorzuführen, um ihnen zu zeigen, wie weit man mit Musik gehen kann, ehe das Chaos beginnt. Und genau deshalb gebührt ULTOR unsere Unterstützung: Seine ungeschönte Vision leuchtet wie der Kegel einer Taschenlampe in einem verlorenen Verlies, immer genau in die schmutzigste Ecke.

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