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ULTRAVOX - Brilliant

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Artist ULTRAVOX
Title Brilliant
Homepage ULTRAVOX
Label EMI
Leserbewertung
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5.7/10 (46 Bewertungen)

Nach zwei Sekunden fragt man sich: „Ist das nicht …?“ Nach vier Sekunden ist man sich ganz sicher. „Das ist doch …!“ Nach sieben Sekunden steht es fest. „Das ist ULTRAVOX!“ Sieben Sekunden als Wiedererkennungswert für neues Material nach über einem Vierteljahrhundert – das ist nicht schlecht. Zugegeben, MODERN TALKING erkennt man auch nach fünf Sekunden, aber da ist das nichts weiter als die Vorwarnzeit, um das Radio ausschalten zu können (und notfalls den Stecker mit aller Gewalt aus der Dose zu reißen), während es bei ULTRAVOX ein Zeichen für sofort wiedererkennbare Qualität ist.

26 Jahre nach dem relativ schwachen „U-Vox“ schreibt die Band mit „Brilliant“ ihre Geschichte fort, die sie mit den Alben „Vienna“, „Rage in Eden“, „Quartet“ und „Lament“ geschaffen hat. Betrachtet man die Discographie der Herren, dann kommen da gerade mal diese fünf reguläre Alben zusammen (gerechnet ab „Vienna“, da ULTRAVOX Mk. I mit John Foxx als Frontmann mit den späteren Alben zumindest musikalisch gar nichts zu tun hat – wobei sich mir schon immer die Frage gestellt hat, warum man sich mit dem Wechsel zu Midge Ure als Sänger nicht auch gleich umbenannt hat, immerhin war ULTRAVOX in der Foxx-Ära nicht sonderlich erfolgreich, und das Publikum dürfte auch größtenteils ein anderes sein – und gerechnet bis „U-Vox“, weil bei den zwei Alben danach lediglich Billy Currie von der Originalbesetzung beteiligt war und weil das Ergebnis nach allem klingt, aber nicht nach ULTRAVOX – Exkurs Ende), allerdings in der kurzen Zeit von 1980 bis 1986. Da bringen heutige Acts manchmal keine zwei Alben zustande, weil sie ja nach den ersten zehn Songs so total ausgepowert waren, dass sie erst mal eine kreative Pause machen mussten oder sich selbst finden wollten oder erst mal in Ruhe den Erfolg verarbeiten mussten – oder welche andere Pseudogründe man auch immer vorschiebt, um Faulheit einen besseren Namen zu geben.

Wenn nun das neue ULTRAVOX-Werk so klingt wie die alten, sollte man dann nicht meinen, dass die Herren Ure, Cann, Currie, Cross (warum nur hat sich damals Midge Ure nicht auch ein „C“ von Nachnamen gesetzt?) bloß versuchen, den guten alten Zeiten nachzueifern und das alte Erfolgsrezept kopieren? Könnte man meinen, ist aber nicht der Fall. ULTRAVOX haben im Verlauf der ersten vier Alben keine Weiterentwicklung durchgemacht, aber das war auch nie nötig, weil mit „Vienna“ bereits der Stil der Band vervollkommnet worden war. Eines der Markenzeichen dieser Band war von Anfang an die Vielseitigkeit innerhalb eines Albums, damals das elegische Titelstück „Vienna“ Seite an Seite mit dem hektischen „Sleep Walk“ und dem gänsehauthervorrufenden „Mr. X“. Heute sieht das nicht anders aus, „Brilliant“ bietet das gleiche Maß an Vielseitigkeit, ohne dabei wie ein zweiter Aufguss zu wirken – und allein das sollte schon Ansporn genug sein, dieses Album in die eigene CD-Sammlung aufzunehmen. Die älteren Säcke (der Rezensent eingeschlossen), die den Aufstieg von ULTRAVOX anno 1980 miterlebt haben, können getrost zugreifen – es ist eine von diesen CDs, bei denen der Bandname drin ist, der auch draufsteht. Wer die Ungnade der späten Geburt erfahren hat und die 80er Jahre nur mit „Das war vor meiner Zeit“ kommentieren kann, der bekommt mit „Brilliant“ die Gelegenheit, etwas von damals nachzuholen, das aber brandneu ist.

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Band nicht noch mal 26 Jahre benötigt, um einen Nachfolger aufzunehmen.

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