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ULVER - 1993-2003: 1st decade in the machines

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Artist ULVER
Title 1993-2003: 1st decade in the machines
Homepage ULVER
Label Jester Records
Leserbewertung
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8.0/10 (2 Bewertungen)

Wie der Titel schon verrät basiert diese Veröffentlichung auf dem bisherigen Schaffen des norwegischen Künstlerkollektivs ULVER. Also ein Rückblick auf 10 Jahre, in denen ein Wandel der einstigen Black Metal Band mit dem Wendepunkt „Themes from William Blake…“ zu heute ausschließlich elektronischen Welten zu Buche steht. 10 Jahre der Metamorphose also, stets kreativ und immer unberechenbar. Zur Feier dieses Bandjubiläums erscheint eine Best Of, allerdings – wie sollte es anders sein – ganz unüblich nur mit Remixen bestückt. Zu diesem Vorhaben wurde verschiedensten Künstlern Gelegenheit zu Remixarbeiten gegeben, 13 davon toben sich hier knapp 79 Minuten lang an ihren digitalen Geräten aus. Dabei fanden zwar die meisten der bislang 10 ULVER-Releases (inklusive Demo, MCDs und den ebenfalls aktuellen „Lyckantropen Themes“ (siehe separates Review)) Berücksichtigung, was aber dennoch keine große Rolle spielt, da die enthaltenen Versionen von den Originalen überwiegend sehr weit entfernt sind. Denn anstelle von nur simplen Veränderungen haben die Protagonisten ihre Vorlagen weitestgehend überarbeitet und so gänzlich neue Songs entworfen. Oftmals bedarf es einiges an Vorstellungsvermögen um die Ausgangspunkte überhaupt wiederzuerkennen, vieles ist sehr abstrakt und experimentell.

Die beiden ersten Songs machen es einem nicht gerade leicht, um entspannt und unbeschwert in die CD zu starten, obwohl ULVER es sich nicht nehmen lassen, den Startschuss selbst abzufeuern. „Crack Bug“, ein Remix von „Nattens Madrigal“ vom ´93-er Vargnatt-Demo (tja, so begann damals alles noch), wird von einem aufdringlichen Drum-Rhythmus dominiert, begleitet von einigen Ambient-Schwaden, aber auch von noisigen Bruchstücken, die im folgenden Track von ALEXANDER RISHAUG zunächst mal in ein recht nerviges Fiepen übergehen, welches sich im Verlauf aber wieder legt und dann sogar Gitarrentöne in der Geräuschkulisse zu vernehmen sind, bevor der verzerrte Datenwust etwas ruhiger ausklingt. Diese ruhigeren Töne werden im Anschluss auch fortgesetzt. Die relaxten Loops und ein minimaler, repetitiver Rhythmus von INFORMATION kommen in ihrem Gesamtbild stilistisch der „Perdition City“-Phase, gefolgt von den „Silence“-EPs, relativ nahe, vielleicht weil hier auch „Silence teaches you how to sing“ zugrunde lag. Ähnliches gibt es von THE THIRD EYE FOUNDATION: Chilliger Ambient, ebenso wie „Lyckantropen Themes“, woher der verwendete Track ursprünglich stammt. UPLAND und BOGDAN RACZYNSKI starten dagegen mit wild programmierten Break-Beats durch, wobei „Bog´s basil & curry powder potatos recipe“ mit seiner elektronischen Fröhlichkeit an ein C64-Computerspiel erinnert. MARTIN HORNTVETH hat seinen sehr atmosphärischen Beitrag „Der Alte“ mit deutschsprachigen Gesprächssamples ausgestattet, die mit dem traurigen Cello aus „Speak dead speaker“ von der „Silencing the singing“-EP und verhaltenem Beat unterlegt wurden. Ebenfalls erwähnenswert ist das 10-Minuten-Epos „I love you, but I prefer Trondheim“ von A. WILTZIE vs. STARS OF THE LID mit seiner ungemein dichten, eher getrübten Stimmungslage, überwiegend erzeugt durch Klavier und Samples des Streicher-Remakes der „Nattens Madrigal“-Scheibe, die für die Zukunft noch aussteht. Zum Schluss des Albums hin, langsam eingeleitet durch PITA und dann vollendet durch JAZZKAMMER, V/Vm und MERZBOW, regiert harscher Noise und Power Electronics. Alle Regler auf 10 um in die Tiefen der menschlichen Psyche und ihrer Leidensfähigkeit vordringen.

Insgesamt also eine vielfältige Zusammenstellung mit unterschiedlichsten Sounds, die sich aber gut ergänzen und für Freunde speziell der zweiten unkonventionellen ULVER-Schaffensphase wohl eine gern gesehene Abwechslung bieten dürften.

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