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UNCLE ACID & THE DEADBEATS - The Night Creeper

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Artist UNCLE ACID & THE DEADBEATS
Title The Night Creeper
Homepage UNCLE ACID & THE DEADBEATS
Label RISE ABOVE RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

 

Man soll ja nicht so exzessiv mit Superlativen um sich werfen eigentlich, vor allem, wenn es um die Besprechung des immerhin schon vierten Albums einer gerade einmal sechs Jahre existierenden Band geht. Aber im Falle von UNCLE ACID & THE DEADBEATS von einer Legende zu sprechen, ist zumindest in einschlägigen Szene-Kreisen nicht ganz verfehlt. Spätestens seit ihrem 2011’er-Zweitwerk „Blood Lust“ gelten die Engländer als Garant für qualitativ hochwertige Psychedelia. Nun liegt also „The Night Creeper“ vor und rennt mit Anlauf längst geöffnete Türen ein.

Gleich der Opener „Waiting For Blood“ packt einen mit seinem betont entspannten Groove ohne Vorwarnung am Kragen und verschleppt (sic!) einen in ein wahres Dickicht aus hypnotischen (Stoner-)Riffs, betörend verzerrten Flower Power-Gesängen und elegischen Soli. Im Zusammenhang mit der – wie schon früher – betont Sixties-Seventies-lastigen Produktion ist das, was da aus den Boxen dröhnt und scheppert, an Authentizität kaum zu überbieten. Schon könnte man geneigt sein, eine schier endlose Namedropping-Liste mit längst verblichenen Helden aufzusetzen. Es würde dem Vierer aus Cambridge Unrecht tun, der in „Downtown“ scheinbar mühelos schwerfällig mäandernden Doom mit der Leichtigkeit der KINKS paart und in einer Welt aussetzt, in der THE MAMAS & THE PAPAS extrem dicke Eier haben („Pusher Man“). Die drogig-düstere, oft als dämonisch oder gar satanisch wahrgenommene Ausstrahlung der Band und ihrer Musik ist dabei wohl durchaus gewollt, liegt ihr doch seit jeher immer mindestens ein loses Konzept zu Grunde. Nachdem auf früheren Alben bereits britische Horrorfilme der Siebziger und amerikanische Post-Charles Manson-Sektenkultur thematisiert wurden, soll „The Night Creeper“ die Metamorphose eines ranzigen Groschenromans über den Film Noir bis hin zu dessen eigenem, ultra-brutalen Remake zwanzig Jahre später nachzeichnen, so Chef-Onkel Kevin Starrs. Tatsächlich glaubt man dann auch zu erkennen, dass das insgesamt sehr rund und flüssig arrangierte Album im Mittelteil seine etwas subtilere Seite zeigt, etwas weniger plakativ, aber dabei nicht minder furios wirkt. Das griffige „Melody Lane“ oder auch „Slow Death“, der grandiose Brückenschlag zum tiefdunklen Ende, sind gute Beispiele hierfür. All das wird dominiert von dem breit angelegten, staubig-kratzigen Sound, der die verschiedenen Facetten des Albums in ein – ähem – scharfes Säurebad tunkt, das ihm seinen unverwechselbaren Glanz verleiht.

Was UNCLE ACID & THE DEADBEATS so einzigartig macht, ist die Fähigkeit, auf dem schmalen Grat zwischen BEATLES und Gänseblümchen auf der einen, BLACK SABBATH und düsteren Slasher-Phantasien auf der anderen Seite zu balancieren, ohne zu stolpern und letztendlich auf einer Seite abzustürzen. Das beweisen sie auf „The Night Creeper“ eindrucksvoll aufs Neue. Und wenn man die Augen schließt, sieht man sie beinahe vor sich, die Horde unbekleideter Hippie-Mädchen, die, angeführt von Jim Jones und Aleister Crowley, rauschhafte Waldorf-Tänze um ein brennendes Pentagramm aus Klatschmohn vollführt.

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