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UNCOVER - Decade of Retaliation

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Artist UNCOVER
Title Decade of Retaliation
Homepage UNCOVER
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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8.1/10 (7 Bewertungen)

Dass OWL über eine talentierte Garde an im Untergrund schlummernden Metalbands verfügt, dürfte längst kein Geheimnis mehr sein. Viele vielversprechende Namen haben sich in den vergangenen Jahren hervorgetan – und einige von ihnen Weilen aufgrund verschiedener Umstände leider nicht mehr unter uns. Umso beachtlicher ist da die Leistung, ein 10jähriges Jubiläum feiern zu können, so wie es UNCOVER in diesem Jahr tun. Seit 1999 sind die Bünder bereits aktiv, ein Großteil von ihnen war zu der Zeit gerade einmal 15 Jahre alt – wobei man bereits auf dem ersten eigenproduzierten Rundling (2000) schon erwachsener klang als TOKIO HOTEL heute. Nun also das runde Wiegenfest, zu welchem sich das Quartett mit dem fünften Release selbst genau so beschenkt wie natürlich auch die Anhänger – und der Output hört sich nach allem anderen an als nach Kindergeburtstag.

„Decade of Retaliation“ heißt das prächtige Werk und bläst mit dem Opener „Mercenary“ die Kerzen nicht bloß lediglich aus – es fegt sie direkt gänzlich von der Festtagstorte. Drummer Hazel lässt die Double Bass qualmen, Shouter Kai faucht tiefste Growls und sägt gleichzeitig mit seiner Gitarre genau wie seine Saitenkollegen Timo und Eggi feinste Sahne-Riff-Stückchen. Als Zuckerguss gibt es dann noch Kais Cleangesang im Refrain oben drauf – oh welch holder Gaumen- und vor allem Ohrenschmaus! Das macht Lust auf mehr, denn Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen bzw. Hören. So trifft es sich gut, dass sich auf dem elf Track starken Silberling im schmucken Digi-Pak mit dem saucoolen Artwork aus der Hand von FEAR MY THOUGHTS-Klampfer Markus Ruf reichlich Kalorienbomben befinden, bei denen man sich trotzdem keine Gedanken um seine Figur machen muss. Songs wie „Scorched Earth Policy“ oder „Waterboarding Championchip“ sorgen für reichlich Fettverbrennung und ordentlich Bewegung – vor allem im Nackenbereich. Man gibt sich also deutlich derber und düsterer, vorbei sind die Zeiten des modernen Stoffs mit den leichten Nu Metal-Einflüssen wie noch auf dem 2004er Werk „Hatefriend“ – der Weg, den man 2007 mit der ganz, ganz starken EP „In Blood We Stand“ zu beschreiten begann, wird nun unbeirrt weiter verfolgt. Zwar bleibt man in Klangwerken wie dem großartigen „As long“, welches phasenweise (vor allem gesanglich) an die Schweden von SONIC SYNDICATE erinnert, oder „After The Rain“ (mit tollen Solo) seinen Modern Metal-Wurzeln weiterhin treu, Brecher wie „Born to bloom“ und „Endless Fear“ bestätigen aber auch, dass man mit Freuden auf die mit „melodischer Death Metal“ beschriebenen Wegweiser blickt. Vor allem Kai zeigt, dass er sich – wohl auch durch seine Zeit bei TASTE OF BLOOD – im Bereich der Shouts und Growls beeindruckend entwickelt hat und präsentiert sich böser und fieser als je zuvor. In gleichem Maße kann er aber ebenfalls mit Fortschritten in den Gewässern des Klargesangs aufwarten. Das Wechselspiel gelingt z.B. bei „Shattered“ ausgesprochen gut; sehr interessante Gesangsspur, die dann in bitterbösen Schreien mündet. Und dabei handelt es sich bei weitem nicht um eine Ausnahme, die Clean-Parts nehmen keineswegs überhand und wirken stets genau richtig platziert, womit sie das jeweilige Stück noch weiter aufwerten. Doch auch die Instrumenten-Fraktion klingt reifer und tighter und liefert die technisch sauberste und intensivste Leistung der bisherigen Bandgeschichte ab. Treibende Riffs wie in „Jersey“, die tiefgehenden Untermalungen mit HEAVEN SHALL BURN-Charakter wie nicht nur bei „Awake (My Resurrection)“ und die haufenweise glänzenden Leads lassen einen vor Verzückung nicht ruhig verharren. Die einzelnen Kompositionen sind komplexer und verschachtelter, was aber auch zur Folge hat, dass man nicht mehr so ganz leicht in die Materie einsteigen kann, wie noch bei den vergangenen Veröffentlichungen. Da braucht man manchmal schon ein paar Anläufe – doch da man gar nicht anders kann, als sich länger mit den beachtlichen, fast 48 Minuten Gesamtspielzeit zu befassen, fällt das nicht weiter ins Gewicht.

„Decade Of Retaliation“ – viel schöner kann älter werden gar nicht sein (vor allem, wenn man an diesem Punkt noch einen Altersdurchschnitt von gut 26 Jahren vorweisen kann). Mit so einem Präsent an sich selbst und die ganze Metalwelt da draußen haben UNCOVER allen Grund zu feiern, und daran sollte ein jeder Freund des melodischen Death Metals ohne Angst vor modernen Einflüssen verdammt nochmal teil haben. Niels Löffler beweist einmal mehr, dass er nicht nur dazu fähig ist, gekonnt an der Power Metal-Gitarre von PREDATOR zu agieren, sondern gleiches ebenso erfolgreich an den Reglern seines Mischpultes kann, was dem Liedgut auf diesem Tonträger einen mehr als beachtlichen Sound verschafft. Da bleibt mir nicht mehr viel zu sagen außer: „Herzlichen Glückwunsch, UNCOVER!“ Nicht nur für 10 Jahre ausgezeichneter Musik, sondern vor allem zu diesem Glanzstück. Auf die nächsten „Decades of Retaliation“!

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