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UNHEILIG - Moderne Zeiten

VN:F [1.9.22_1171]
Artist UNHEILIG
Title Moderne Zeiten
Homepage UNHEILIG
Label FANSATION
Leserbewertung
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7.5/10 (11 Bewertungen)

Fast erwartungsgemäß hat es wiederum kein Jahr gebraucht, bis der „Graf“ neues Material auf die Tonspuren gebannt hat, um seinen vielen Fans weitere „unheilige“ Lieder zu präsentieren. „Moderne Zeiten“ ist der Titel eines Chaplin-Filmklassikers und wird ab sofort auch als Name eines UNHEILIG-Werkes in die Annalen eingehen. „Zelluloid“ schlug ja bereits die Brücke zu den bewegten Bildern (eines Lebens). Nachdem dort lyrisch noch Träume und Sehnsüchte regierten, wird es nun konkreter, autobiographischer, wenngleich der Graf natürlich nicht platt aus seinem Leben erzählt. Vielmehr werden wieder typische Metaphern ersonnen, Momente früherer Songs aufgegriffen, um sie in einen neuen Kontext zu setzen (Stichworte „Wolken“, „lauter sein“…).

Musikalisch bleibt dabei alles beim alten, haben wir etwas anderes erwartet bzw. verlangt? Treibende Bässe, Elektronikspielereien, Gitarrenriffs, Pathos und die sonore Bassstimme des Herrn aus der Nähe von Aachen. Eigentlich könnte man die Rezi hier schon beschließen, denn jeder dunkle Anhänger wird bereits sabbernd in den Startlöchern sitzen, um UNHEILIG vielleicht endlich in die Top 100-Media Control Charts zu hieven. Doch haken wir zunächst mal ein paar Negativpunkte ab: Natürlich ist hier kaum Innovation im eigentlichen Sinne zu entdecken. Natürlich sind einige Textpassagen kitschig bis zum Abwinken. Natürlich zitiert der Künstler sich ausgiebig selbst, und zugegebenermaßen ist ab Track 10 ein wenig die Luft raus. Aber bis dahin hat der geneigte Hörer schon so viele Hymnen vernommen, dass er das locker verschmerzen wird. Die Scheibe geht ja schon in der Basisversion über 60 Minuten, dazu kommen 2 Bonusstücke auf der Limited Edition, die mir allerdings nicht vorlagen. Der Reihe nach: Auf ein interessantes Intro, bei dem ein Kind die Gleichschaltung der modernen Welt anprangert, folgt das „Luftschiff“, angetrieben von recht derben Gitarrenriffs. Das setzt sich beim 2ten Brecher „Ich will alles“ fort, der in den Strophen ein wenig an RAMMSTEINs „Ich will“ (sic) erinnert. Nicht nur ein wenig gemahnt der Refrain von Track 5 – „Helden“ – an den SISTERS-Klassiker „This Corrosion“, den UNHEILIG ja schon mal gecovert haben… Dafür sind „Goldene Zeiten“ und besonders „Phönix“ richtige Tanzflächenknaller geworden, bei denen man förmlich mitsingen muss. In etwa „Freiheit“-Format! Erstaunlicherweise folgt erst an 6ster Stelle etwas ruhiges fürs Herz. Der „Astronaut“ dürfte zumindest zarten Seelen eine Gänsehaut verpassen. „Lass uns Liebe machen“ geht dann wieder gut nach vorne, auch wenn die lyrische Seite sicher zum Schmunzeln anregt, aber das hier ist ja auch kein Studenten-Rock. „Horizont“ schließlich bedient sich einiger Momente aus bekannten Bandklassikern, klingt gut aber irgendwie sehr bekannt. „Schließlich“ weil dann zwar noch 5 Stücke folgen, die aber nicht mehr so ganz den Arsch hochkriegen. 2 mal relativ chillig, dann eine reine Fingerübung („Menschenherz“), wieder eine Ballade und zum Schluss der soundtrackartige Titelsong.

Fett produziert (wenngleich ein wenig klinisch), voller interessanter elektronischer Spielereien im Hintergrund und natürlich überaus gut intoniert verfolgt der Graf ohne wenn und aber seine bisherige Marschroute. Von daher gibt es keinen Grund, etwaige „Schlechte Zeiten“ zu fürchten, ganz im Gegenteil. Nicht das beste UNHEILIG-Album aber immer noch ein sehr Gutes. Ich freue mich schon auf die Tour im Frühjahr 2006!

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