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UNHEILIG - Puppenspiel

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Artist UNHEILIG
Title Puppenspiel
Homepage UNHEILIG
Label FOUR.ROCK/ FANSATION
Leserbewertung
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7.2/10 (19 Bewertungen)

Wer sich für eine intellektuell-absurde Psychoanalyse von Puppenspielern interessiert, dem sei das filmische Meisterwerk „Being John Malkovich“ empfohlen, dies wird nun etwas massenkompatibler vom neuen Werk des „Grafen“ ergänzt, der mit seinem Schlachtschiff UNHEILIG in die nächste Runde geht. Was soll man schreiben, wenn die Inhalte im Grunde genommen bereits vorab feststehen? Dass der sympathische Glatzkopf seinen ihm ureigenen Soundkosmos nicht verlassen würde, sollte jedem der mittlerweile recht zahlreichen Anhänger klar sein. Und wer würde sich dies auch wünschen? Also gibt es weiterhin einen sehr fett produzierten Mix aus harten Gitarrenriffs, Elektrospielereien und der überaus markanten Stimme des „adeligen“ Vortuners auf die Lauscher. Wie immer, wenn Promoter (und auch Rezensent) nicht weiter wissen, heißt es dann, man habe den Sound weiter verfeinert und an den Details gefeilt. Das allerdings kann man den 14 neuen Kompositionen der Standardversion nicht absprechen.

So kommt bereits Track Numero 3, das „Spiegelbild“, mit einer sehr harten, stakkatoartigen Strophe um die Ecke, bei der man fast EISBRECHERs Alexx hinter dem Mikro vermuten könnte. Doch der wunderbar getragene Refrain löst dann dieses Rätselspiel auf. Ein Highlight der neuen Scheibe, bei der man ansonsten viele gute, aber kaum herausragende Kompositionen entdeckt. Auch sehr schwer nach so vielen Hits wie Jahren da noch über sich hinaus zu wachsen. Im Grunde gibt es weiterhin die 3 Arten UNHEILIG Songs:

– Die Herzzerreißende Ballade
– Das pathetische Midtempostück
– Der tanzbare Uptemo Track

Und natürlich diverse Mischformen, die der Graf mittlerweile kultiviert hat. „An deiner Seite“ soll offensichtlich die Reihe der „großen“ Gefühlslieder wie „Mein Stern“ fortführen, klappt nicht ganz, ist aber dennoch Emotion pur. „Die Bestie“ beginnt musikalisch etwas ungewöhnlich („Details“), wird im weiteren dann von den bereits bekannten autobiographischen Zügen getragen. Der Weißhemdträger verarbeitet wieder Erlebtes, Enttäuschungen und kleine Siege in griffigen Metaphern und meistenteils unkitschiger Lyrik. Dass einige zentrale Worte wie „Lichterland“ immer wieder auftauchen, sorgt eher für Geborgenheit denn Langeweile. Erwähnen möchte ich noch das sehr flotte „Kleine Puppe“ (von dieser Menschengattung werden wir einigen auf der nächsten Tour begegnen) sowie das tribal-angehauchte „Lichterland“, wo ich glatt DSCHINGHIS KHAN Assoziationen bei den Strophen hatte.

In der Diskographie von UNHEILIG ein meiner Meinung nach nicht ganz nach dem Olymp strebendes Werk, das sich aber im vorderen Mittelfeld einen verdienten Platz erkämpft. Nach so einer langen Zeit im Geschäft müssen ihm das andere „Gothic Schaumschläger“ erst mal nachmachen. Und ich würde den Grafen gerne mal beim Bundesvision Song Contest für NRW erleben, jetzt wo sein Keyboarder bereits mit DOWN BELOW dort gastierte. Bei der Live Stimme/ Präsenz sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn da kein vorderer Platz bei rausspringen würde. Ansonsten könnte immer noch der Puppenspieler im Hintergrund die Fäden ziehen… Ach ja, das Coverartwork setzt zwar das Konzept der Vorgänger fort, aber leider auch deren Qualität.

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