Band Filter

UNTOTEN - Zeitmaschine

VN:F [1.9.22_1171]
Artist UNTOTEN
Title Zeitmaschine
Homepage UNTOTEN
Label VON GRAFENWALD
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.0/10 (1 Bewertungen)

Es gibt einige Bands, da freut man sich als Rezensent besonders, wenn man mal wieder ein Album besprechen darf. So geht es mir mit der ursprünglich aus Berlin stammenden Formation (die) UNTOTEN. Im Laufe der Jahre haben David A. Line und Greta Csatlos immer wieder ihren musikalischen Stil verändert, weiterentwickelt und verfeinert. Von Grindcore über Metal, Gothic und Wave, bis hin zu Chansons findet man im Werk der UNTOTEN äußerst abwechslungsreiche Musik, die jedoch immer einen eigenen, unverkennbaren Stil vorzuweisen hatte. Man denke nur an Klassiker wie „Lord of the Flies“, „Gothik Years“ usw. Seit meiner Rezension zu „Grabsteinland IV“ wurden bereits zahlreiche weitere Veröffentlichungen herausgegeben, weshalb ich umso gespannter auf das neue Album „Zeitmaschine“ war.

Wie schon bei den letzten Veröffentlichungen folgt auch der neue Silberling einem klaren inhaltlichen Konzept. So geht es, entsprechend dem Titel, tatsächlich um eine Reise durch die Zeit. Jeder Song beschäftigt sich mit einem Ereignis bzw. wichtigem Thema aus einem bestimmten Jahr (das jeweils hinter dem Songtitel auch genannt wird). Doch wie präsentiert sich die musikalische Seite der Veröffentlichung? Hörspielartig starten wir unsere Begehung der Zeit im Jahr 1899. Wir hören Wolfsgeheul, die Kirchenglocke, eine Pferdekutsche und im Hintergrund auch Menschen. Es geht weiter nach 1914 „Alles was ich weiß“. Eine rockige Mischung aus Wave und Chanson, die auch durchaus auf der Tanzfläche funktionieren dürfte. Nach dem sehr träumerischen, von Synthieflächen, klaren Gitarren und pianogetragenem Instrumental „Ungeschehn“ (64), folgt das mitreißende, melancholische „Weltschmerz“ (1989). „Feuer“ (1944) streift schließlich ein finsteres Kapitel deutscher Geschichte in collagenartiger Form. „Das zweite Gesicht“ präsentiert sich, trotz eines ernsten Textes, wieder beschwingter. Auch die weiteren Stücke werden immer wieder mit atmosphärischen Zwischenstücken bzw. gesprochenen Passagen gelungen verbunden („Geisterwelt“, „1900“ „…“, „Abgrund“). Als echtes Highlight empfinde ich das wundervolle Stück „Willkommen in der Ewigkeit“ (1933), das einen großen Ohrwurmfaktor besitzt. Auch hier eine sehr rockige, melodische musikalische Ausrichtung. Auch „Kinder der Unsterblichkeit“ (5 Jhd. V. Chr.) und „Märchen“ (1812) zeigen diese Qualitäten. Melancholisch-sphärisch ist das nächste Stück „Wo sind meine Träume hin“ (2000) ausgefallen, das der Gegenwart in der Zeitachse am nächsten kommt. „Die Dunkelheit, mein Schild“ führt den Hörer schließlich weit in die Zukunft (802 701). Mit diesem Song habe ich auch meinen Favoriten auf dem Album gefunden. Alternierender Gesang von Greta und David geben dem Track im Zusammenspiel mit einer genialen Melodieführung, eine angenehm düstere, aber dennoch treibende Grundausrichtung. Sehr gelungen! Nach dem elektronischen „Talking Rings“, folgt letztendlich das klassisch instrumentierte Titelstück „Zeitreise“, um das, auf unserer Reise Erlebte, auf ganz eigene Weise noch einmal zu spiegeln.

Die UNTOTEN beweisen erneut, dass ihre Kreativität schier unendlich zu sein scheint. Ein großes musikalisches Spektrum, dem es nicht gerecht werden würde, es einfach in eine Schublade zu packen. Ausgeklügelte Texte mit Hintergrund und Message sowie einem überzeugenden Konzept. Fans der Formation werden eh begeistert sein – jeder, dem Discogeballere auf Dauer zu mitteilungsarm ist und der auf Anspruch steht, sollte hier auf jeden Fall genauer hinhören. Klasse Scheibe!!!

Anspieltipps: „Die Dunkelheit, mein Schild“, „Wo sind meine Träume hin?“

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

UNTOTEN - Weitere Rezensionen

Mehr zu UNTOTEN