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VARIOUS ARTISTS - Alvarez presents Zeitmaschine Remixed

VN:F [1.9.22_1171]
Artist VARIOUS ARTISTS
Title Alvarez presents Zeitmaschine Remixed
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label UNIVERSAL
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.2/10 (5 Bewertungen)

Remixalben gibt es wie Sand am Meer, da muss ich dem Waschzettel wirklich einmal Recht geben. Warum also soll der Konsument sein wohlverdientes Weihnachtsgeld ausgerechnet für diesen Sampler ausgeben? Weil hier ein außergewöhnliches Konzept zu Buche schlägt, doch dazu später mehr. Erst etwas zum namensgebenden Protagonisten José Alvarez-Brill: Der gute Herr gehört sicherlich zu den bedeutendsten Knöpfchendrehern seiner Generation, seine Bedeutung beispielsweise für WOLFSHEIM ist von absolut essentieller Natur. Egal ob Remixarbeiten, Produzententätigkeit oder auch die Komposition von Stücken, Herr Alvarez hat einfach ein Händchen für wohlklingende und moderne Sounds MIT Seele. Während er sonst eher im Hintergrund agiert, ist er hier der ausführende Mastermind. Wie würden sich aktuelle/ moderne Tracks anhören, wenn man sie in eine akustische Zeitmaschine setzt? Wie würden sich diese Stücke mit klassischer Literatur vertragen? Wie schafft man aus diesen Bruchstücken ein tragendes Konzept?

Die Antworten gibt vorliegender, äußerst geschmackvoll verpackter Tonträger. Enthalten sind zum einen Bearbeitungen bekannter Songs, aber auch gesprochene Gedichte klassischer Autoren. Diese Aufgabe hat der umtriebige Ben Becker übernommen, welcher nicht nur seit der Veröffentlichung „Fieber – Ben Becker spricht Kinski“ zu den Meistern dieses Fachs gezählt wird. Seine sonor markante Stimme verleiht den Originalen von beispielsweise Wilhelm Wolter oder Hermann Hesse Aussagekraft und Tiefe. Besonders beeindruckend in meinen Ohren fällt das Gedicht „Frau und Mann gehen durch die Krebsbaracke“ (im Original von Gottfried Benn) aus, ein bösartig-brillanter Abstieg in menschliche Abgründe. Dabei wurden Beckers Rezitationen von Alvarez mit passenden Sounds hinterlegt. Das klingt mal nach einem SCHILLER-Intro, mal aber auch deutlich aggressiver, je nach Textinhalt. Musik gibt es aber natürlich auch, und die hier vertretenen Namen sind allesamt keine Unbekannten. ALPHAVILLE, ROSENSTOLZ, WOLFSHEIM, CAMOUFLAGE, um nur einige zu nennen. Die meisten kann man ins das weite Feld synthetischer Musik (noch enger: Synthie Pop) einordnen, aber das war bei dem Produzenten ja auch zu erwarten. Herr Alvarez-Brill hat zu jeder der vertretenen Kompositionen eine besondere Verbindung, entweder auf der rein persönlichen Ebene, oder aber er war sowieso an der Entstehung schon des „Ur-Stücks“ beteiligt. Beispielsweise war/ ist CARE COMPANY ja sein eigenes Projekt, schön im Klang, aber nicht ganz so erfolgreich. Backgroundsänger war damals sogar ein ganz junger unheiliger Graf…

Was die Remixarbeiten angeht, werden hier unterschiedliche Strategien verfolgt: Aus „Forever Young“ wird ein „moderner“ Dance Track (ähnlich der „Forever Pop“-Scheibe), während „Liebe ist alles“ in ein leicht plastikmässiges 80er Gewand gesteckt wurde. Stock, Aitken, Waterman lassen grüßen – Interessante Idee, das Original gefällt mir allerdings besser. So wird der Charakter eines jeden Liedes beibehalten, während der Kontext ein neuer wird. Neu ist auch die Vorabsingle „Vielleicht“, wieder eine Alvarez/ Heppner-Zusammenarbeit, die für eine Chartplatzierung prädestiniert scheint. Ein melancholischer Text, Heppners fragile Stimme plus viele Echoeffekte, simpler Beat, wieder eine latente SCHILLER-Athmo. Sehr gelungen das Ganze und mit einem Video garniert. Auch DE/VISION klingen auf einmal deutlich peppiger als im Original, während man die LAKAIEN eigentlich nicht mehr ver“bessern“ kann.

Eine randvoll gepackte Scheibe also, die viele Wünsche erfüllt und sowohl für anspruchsvolle Normalos als auch (schwarze) Alternative-Hörer geeignet scheint. Keine typische Weihnachtssampler-Verarsche sondern ein Kunstprodukt mit neuartigem Konzept, wobei die enthaltenen Künstler eh über jeden Zweifel erhaben sind. Ob sich auf Dauer die Gedichte als leichte „Stolpersteine“ erweisen werden, muss die Zeit zeigen. So machen Zeitreisen Spaß!

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