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VARIOUS ARTISTS - VAWS Vol. 5

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Artist VARIOUS ARTISTS
Title VAWS Vol. 5
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label VAWS
Leserbewertung
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Mit dieser Rezension begebe ich mich auf ganz dünnes Eis und das unabhängig von der Jahreszeit. Das VAWS-Label besitzt zweifelsohne keine gute Reputation, um es mal vorsichtig auszudrücken. Tribute Sampler für so ambivalente Zeitgenossen wie Leni Riefenstahl („100 – Geliebt, Verfolgt Und Unvergessen“) oder den Bildhauer Josef Thorak rückten „Verlag und Agentur Werner Symanek“ in rechtes Licht, die enge Zusammenarbeit mit Josef Maria Klumb (die bis heute anhält) diente ebenso nicht einer Rehabilitation. FEINDFLUG haben bis heute mit dem Vorwurf zu kämpfen, mal eine Maxi bei dem Duisburger/ Mülheimer Label veröffentlicht zu haben. Ob nun aufgrund einer Läuterung oder einfach nur cleveren Kalküls konzentriert man sich im Hause WS seit geraumer Zeit nun mehr auf die „unpolitische“ Goth-/ Electro Szene und das überwiegend in Form von Samplern, die optisch mit ihrer Manga-Aufmachung nicht gerade Leckerbissen sind. Doch es soll ja um den Inhalt gehen und der mir vorliegende 5te Teil der Reihe kann durchaus mit einigen Schmankerln punkten. Geboten wird ausschließlich Electro/ EBM/ Noise der härteren Gangart, der politisch in allen 15 Fällen korrekt daher kommt. So zumindest mein Eindruck nach intensiven Recherchen. Und es haben sich hier keineswegs nur No Names versammelt, wie man vielleicht glauben könnte…

Hier Eindrücke und Infos zum Gros der Tracks:
ROPPONGI INC. PROJECT: Steuern das Titelstück vom 2008er Album „Hard Times…“ in einem Edit bei. Hier handelt es sich um 2 Herren auch Moskau, die auch bereits auf einem Dark Spy Sampler vertreten waren. Reines Instrumental, einfallsreich, tanzbar, nette Melodiefetzen und eine gute Grundhärte. Würde auch zu Ant-Zen passen.

ACYLUM: Wohl das bekannteste Projekt des Silberlings. Dahinter steckt bekanntermaßen Kai Arnold (WYNARDTAGE). Brachialer und professioneller Harsh Electro, der sich qualitativ keine Blöße gibt.

GEWALTAKUSTIK: Ein Ein-Mann Projekt aus Duisburg. Nettes Sample zu Beginn, ich vermute aus einem Jess Franco-Film. Insgesamt aber zwischen belanglos und aufdringlich schwankend.

SERVO.HATRED: 2 Ungarn, die bereits PSYCLON NINE supporten durften und auf einem Alfa Matrix Sampler zu finden sind. Kein schlechter SUICIDE COMMANDO-Klon.

MAY-FLY: Projekt von Torsten Vogler, der auch eng mit Rupal (Kai Arnold) verbunden ist. Ordentlicher Dark Electro, ähnlich VICTIM IN VAIN.

STAHLMANTEL: Möglicherweise der interessanteste Name dieser Compilation. Industrial Dancecore mit Songtiteln wie „Lebensborn der Fliegen“ (siehe Myspace-Seite). Als Sänger agiert Marco Kehren, ehedem bei BETLEHEM aktiv und in der Metal Szene mit seiner Band DEINONYCHUS etabliert. Von dort hat er auch gleich den Kollegen Jürgen Bartsch mitgebracht. Übrigens auch der Name eines der bekanntesten Sexualstraftäter Deutschlands, der 1976 bei einer Kastrations-OP unter leicht mysteriösen Umständen verstarb. „Biomechanische Stahlgeburt“ ist ein Ton gewordener Klumpen Hass, brutal, düster, monolithisch. Dabei interessant arrangiert. Der Name STAHLMANTEL könnte in der deutschen Electro Szene schon bald ein wichtiger Begriff sein.

KIFOTH: Slowaken, die 2000 bei Out Of Line das Album „Fundamentum Divisionis“ verlegt haben. Solider Hellectro Durchschnitt.

A INDUSTRYA: Hier handelt es sich um Brasilianer, die bislang mit vielen einzelnen MP3-Releases auf sich aufmerksam machen konnten. Treibender Dancefloor Killer mit prägnantem Gebrüll.

STRANGEL: Schwedische Combo, die einen Track zu einem ALPHAVILLE Tribute beisteuerten. Bei dem Herkunftsland fast erwartungsgemäß die softeste Combo an Bord, ungeachtet dessen aber gelungen. Mit gehauchten Vocals und Future Pop Elementen.

FRAGILECHILD: Ein Trio aus Süddeutschland, ebenso auch auf einem Zillo Sampler enthalten. Nicht weiter aufregend. Zwar versucht man, auf Abwechslung zu setzen, aber das gewisse Etwas fehlt (noch).

MINUSHEART: 2007 in Aachen von Diver und bendeN ins Leben gerufen. Aktuell arbeitet man am Langspiel Debüt „Disease“, das auch Remixe von beispielsweise MONOLITH führen wird. Cleaner Gesang, gebremstes Tempo, Refrain recht catchy. Nicht uninteressant.

W.O.M.P.: Quasi die VAWS-Hausband und auf fast allen Samplern vertreten. Allerdings ebenso auf einer Sonic Seducer-Heftbeilage. Dahinter steckt ein ehemaliges Gründungsmitglied von LEGACY OF MUSIC, der seit 2003 sein alleiniges Hauptaugenmerk auf W.O.M.P. gelegt hat. Durchaus kontroverse Songtitel weisen schon auf nicht allzu leichte Kost hin. Erinnert an eine Mischung aus COMBICHRIST (Tanzbarkeit) und FEINDFLUG (Samples). Sehr tanzbar und groovy, mit das Beste dieser Liederreihe. Kleine Anmerkung: Warum der Songtitel „European War“, wenn inhaltlich andauernd vom „Weltkrieg“ die Rede ist?

NOISETEK: Erinnert natürlich an einen sehr ähnlichen Labelnamen . Anfang 2006 von RB4 und TieGie gegründet und mittlerweile bereits mit einer beachtlichen Discographie ausgestattet. 2 Alben, mehrere EPs etc. – Witzige Samples, ansonsten sehr noisige Strukturen auf über 7 Minuten Länge. Die Platzierung am Ende der Tracklist macht da durchaus Sinn.

Also eine ganz illustre Schar elektronischer Acts aus aller Herren Länder, die sich hier 70 Minuten lang versammelt hat, um die Tanzflächen zum Glühen zu bringen. Das gelingt mal mehr mal weniger gut, jedenfalls nicht uninteressant, mal einigen Projekten abseits der üblichen Verdächtigen zu lauschen. Wer aus Gewissensgründen nichts mit der Firma dahinter zu tun haben will, wird die Scheibe natürlich ignorieren, ansonsten kann man sie für 9,90 direkt beim Label erwerben oder aufs nächste WGT warten, dort hat der Werner seit vielen Jahren einen festen Platz in der Agra-Halle. Qualitativ auf überraschend hohem Level angesiedelt und ideologisch FÜR SICH gesehen neutral – Ich hoffe, das dünne Eis ist nicht zerbrochen…

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