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VELVET REVOLVER - Contraband

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Artist VELVET REVOLVER
Title Contraband
Homepage VELVET REVOLVER
Label BMG/ RCA
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

Eigentlich ist zu der Geschichte dieser Band schon alles geschrieben worden. Die NEUROTIC OUTSIDERS waren gut, SLASH’S SNAKEPIT passabel, die STONE TEMPLE PILOTS tot. Scott Weiland beinahe auch. Von GUNS N ROSES, der größten Hoffnung, die der Rock n Roll uns in den letzten 15 Jahren beschert hat, blieb ein übergewichtiger Eremit, der sich in Studios rund um den Globus vergrub, um an einer Platte zu arbeiten, die nie fertig werden wird. Vom Grunge blieb gleich gar nichts. Und so behielten die Pessimisten recht: Curt Cobain wurde zum BOB MARLEY einer Generation, die kurz danach den selben Müll zur Religion erklärte, gegen den sie kurz zuvor noch inbrünstig rebelliert hatte. Doch die Totgeglaubten regen sich. In AUDIOSLAVE schlossen sich Überzeugungstäter und Verlorengeglaubte zu einer engen Einheit zusammen und nahmen ein überwältigendes Debüt auf. Jetzt also der Rest.

Und der besteht neben den beiden bereits genannten Bandköpfen aus Bassist Duff Kagan, Drummer Matt Sorum und zweitem Gitaristen Dave Kushner. Die Namen klingeln in den Ohren, das Cover sieht verführerisch aus, doch bieten VELVET REVOLVER viel mehr als nur eine polierte Promishow. „Contraband“ ist nichts weiter als ein einfaches Rockalbum, doch hätte man gerne mehr davon. Wenn die Band erst einmal zu „Sucker Train Blues“ losrumpelt und Weiland sich trotz halsbrecherischen Tempos cool und lässig gibt, dann ist es wieder da, dieses Gefühl der Aufregung, das man als Junge beim Erscheinen von „In Utero“, „Vs“ oder „Superunknown“ hatte. Mein Gott sind diese Gitarren fett! Hier spielt eine Band, der man die Freude am Spielen genauso anhört wie den Hunger, es allen Jungspunden und neuen Helden mal so richtig zu zeigen. „Do it for the ride“ brettert als straighter Bluesrock mit Staccato-Riffing los, überrascht dann mit einem überraschend emotional-entblößten Chorus und wo die FOO FIGHTERS den „Big Generator“ anschmissen, fahren VELVET REVOLVER röhrend ihre „Big Machine“ vor. Im ersten Drittel klingt die Band erstaunlich eigenständig, poppiger als die ROSES und punkiger als die PILOTS. Erst später offenbart sich die Vergangenheit der Musiker. „Fall to Pieces“ ist die offensichtlichste Referenz an Slashs ehemalige Gruppe und erinnert so sehr an „Sweet Child of Mine“, dass es kein Wunder ist, dass er die Saiten jaulen und jubilieren lässt wie in guten alten Zeiten – eine Anspielung, die auch in „Loving the Alien“ ganz am Ende noch einmal durchscheint. Dafür ist „Headspace“ eindeutig auf Weilands Mist gewachsen, der seine Stimme wie früher in den tiefen Lagen ins Vibrato zwingt, zuckersüß und vorwärtspeitschend. Drogenreferenzen gibt es überall, nur die Euphorie der Unschuldstage ist vorbei. „Cocaine/ Alcohol/ Lady-Lay/ Withdrawal“ lautet der simple Refrain von „Superhuman“, doch ein Loblied ist das nicht. „Dirty Little Thing“ bringt die Dinge noch deutlicher auf den Punkt: „Get away from the man that’s stealing your life/ Get away from the drugs you’re taking“. Der Höhepunkt der Platte, kurz vor Schluss.

So klingen keine alten Säcke, so klingen keine Familienväter. Allerdings, das muss man dazusagen, klingt so auch nicht die Zukunft des Rock n Roll. Merkwürdige Ausflüge in den College Rock und die etwas zu unspektakulären Balladen dämpfen die erste Begeisterung. Und ob ein Track wie „You got no right“ grandios oder eher medioker ist, wird die Zeit entscheiden. Doch alleine schon der Gedanke an das, was man von VELVET REVOLVER noch alles bekommen könnte, lässt den Puls schneller schlagen. Zu dieser Band ist noch lange nicht alles gesagt.

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