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VIAGRA BOYS - Welfare Jazz

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Artist VIAGRA BOYS
Title Welfare Jazz
Homepage VIAGRA BOYS
Label YEAR0001
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VIAGRA BOYS und „Welfare Jazz“ – das klang für mich beides jetzt erst einmal nicht so überzeugend. Das Cover gab zunächst auch nicht wirklich Auskunft, womit man es bei dieser Veröffentlichung wohl zu tun habe würde. Wohlfahrts-Jazz? Alte Männer, die pro bono ein bisschen mucken? Meine Hoffnung hat sich bestätigt, dass hier auch ein bisschen Satire mit im Spiel sein könnte, denn die VIAGRA BOYS aus Stockholm sind im besten Sturm-und-Drang-Alter und servieren seit 2015 einen Post-Punk, der allerlei Überraschungen in petto hat.

Schon der Opener „Ain’t Nice“ lässt vermuten, dass hier Herrschaften mit einem ausgeprägten Hang zum Abwegigen ihr Unwesen treiben. Tatsächlich kommt sogar ein Saxofon vor, das allerdings weniger jazzig als durchaus passend ‚trötig“ kling. Mit dem nachfolgenden Interludium „Cold Play“ bekommt das Blechinstrument sogar einen Soloauftritt, bevor wieder die dunkel-versoffene Stimme des Sängers Sebastian Murphy erklingt. Diesmal verbunden mit einer nervös-treibenden Instrumentalfraktion, die den Sound irgendwo in den schwül-warmen, bluesigen Süden der USA verortet. „This Old Dogs“ sind spoken words, auf die mit „Into The Sun“ ein wunderbar dreckiger Song folgt, der mit minimalen Mitteln einen maximalen Erfolg in des Hörers Hirnwindungen erzielt. Gleich darauf strafen einen hüpfende Synthie-Sounds Lügen: nein, das Klang-Konzept der fünf Schweden hat sich längst noch nicht vollständig offenbart und bietet immer neue Überraschungen. So rückt mit dem treibenden Instrumental „6 Shooter“ erneut das Saxofon in den Mittelpunkt, ehe „Secret Canine Agent“ straight nach vorn drängt und gleichzeitig an den Cold Wave der frühen Achtziger erinnert. Derweil stampft „I Feel Alive“ mit perlendem Gebläse im Hintergrund durchs Geschehen, um es mit dem knackigen „Girls & Boys“ auf die abgefahrene Spitze zu treiben. „To The Country“ macht im Anschluss endgültig klar, dass die Jungs keine Genregrenzen kennen und beim finalen „In Spite of Ourselves“ kommen sie schließlich mitten im Country an. Unterstützt wird Mr. Murphy am Mikro hier von Miss Amy Taylor von AMYL AND THE SNIFFERS und gemeinsam liefern die Musiker hier meinen persönlichen Favoriten ab.

Die VIAGRA BOYS lassen sich nur schwer in eine Schublade stecken und es ist ihnen ganz offensichtlich ein Fest, Erwartungen zu konterkarieren. Das machen sie dafür umso besser, weshalb es tatsächlich ziemlich viel Spaß macht, „Welfare Jazz“ zu hören. Im Übrigen verbirgt sich unter der Begrifflichkeit ‚Welfare Jazz‘ auch ein finanzielles Unterstützungsprogramm für schwedische Jazzmusiker. Etwas, was sich deutsche Kulturschaffende angesichts coronabedingt leerer Kassen vermutlich sehr wünschen würden.

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