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VINTERRIKET - Landschaftsmalerische Klangwelten synthetischer Klangkunst 1996-2002

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Artist VINTERRIKET
Title Landschaftsmalerische Klangwelten synthetischer Klangkunst 1996-2002
Homepage VINTERRIKET
Label PARASITE RECORDS
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Hier kriegt man mal gar nicht, was man erwartet. Wer es sich schon auf dem weichen Ohrensessel bequem gemacht und das bronzene Pendel der großen Standuhr zwölf mal hat schlagen lassen, sei bereits an dieser Stelle gewarnt. Natürlich bietet „Landschaftsmalerische Klangwelten“ keinen Black Metal, den dieses Projekt in den frühen Tagen tatsächlich einmal gespielt hat. Auch die vorsichtige Annäherung an tanzbare Grooves beschränkt sich noch auf den frisch gegründeten Ableger NEBELKORONA. Und dennoch liegen zwischen dem gerade erschienen neuen VINTERRIKET Album und diesen Stücken Welten.

Das gilt alleine schon in zeitlicher Hinsicht. Die Jahre zwischen 1996 und 2002 waren die des Beginns, der Initiierung, des Aufbruchs. Als es ein Label namens „Neodawn“ gegründet wurde. Als sich Autodidakt Christoph Ziegler zum ersten Mal aufs brüchige Eis wagte und sich das Debüt-Tape in kürzester Zeit zunächst im Eigenvertrieb und dann auf professionellem Wege ausverkaufte. Und als sich VINTERRIKET immer mehr als der zentrale Punkt im Schaffen Zieglers herauskristallisierte. Gelangweilt von ungefähr der gesamten aktuellen Metal-Landschaft, unangenehm berührt von der No-Budget Ästhetik des Industrial- und Dark-Elektronikgenres musste ihn sein Weg fast zwangsläufig in die tröstenden Arme des Ambient führen, zu einer atmosphärischen Spiritualität, zu limitierten Auflagen und Schwarzweißfotografie. Das Aufwühlende der lärmenden Pionierstage verkroch sich in einen lichtisolierten Cocon und begann, finstere Klangseide zu weben. Schwarze Klänge zerstieben in einem grauen Nebel aus späten BURZUM. Dessen „Der Tod Wuotans“ wird hier neu eingespielt, doch handelt es sich dabei mehr eine Rekonstruktion aus dem Gedächtnis als eine Coverversion. Immerhin macht die Auswahl dieses Titels schon den ersten Unterschied zu jetzigen Ausdrucksformen offensichtlich: Es gibt deutlich mehr harmonische Bewegung in den Flächen, die Übergänge geraten schroffer. Klarinetten aus Sinustönen, Klavier, sogar Pauken: Neoklassik gelegentlich, eine bizarre Umkehrung der ländlichen Idylle zumeist. Wie der Albtraum eines mittelalterlichen Spielmanns auf der einsamen Reise durch Felder und Moore. Wie Bauerntänze auf LSD. Oder in seiner Verbundenheit mit den alten Meistern und seiner kindlichen Melodieseligkeit wie APHEX TWIN minus den Beats oder Mike Oldfield plus dem Schatten des Mondlichts. Und hört man in „der Umarmung des Waldes“ nicht einen Anflug von „Tubular Bells“? Obwohl auch hier wieder ein umfangreiches Booklet zur Ausstattung dazu gehört, erscheinen die Bilder wie von selbst. Gewiss ist bedeutender Teil des Materials naiv, doch gehört eben auch eine gehörige Portion Mut dazu, eine derart sentimentale Pianoelegie wie „Visionen einer Ewigkeit“ (alleine schon der Titel!) mit auf das Album zu packen. Allein die Sounds bleiben eine Geschmacksfrage: Zur einen Hälfte wunderbar, zur anderen billige Presets.

Obwohl sechs Jahre zwischen frühestem und ältestem Track liegen, ist „Landschaftsmalerische Klangwelten“ kein Patchworkwerk geworden. Vielmehr mutet es wie eine Kollektion sorgfältig aufeinander abgestimmter und in naher zeitlicher Abfolge entstandener Klangkosmen an. Natürlich hätte man eine eindeutige Evolution vermutet, eine extreme innere Spannung antizipiert. Doch allzu konkrete Erwartungen sollte man bei diesem Projekt bekanntlich ohnehin nicht haben.

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