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VNV NATION - Transnational

VN:F [1.9.22_1171]
Artist VNV NATION
Title Transnational
Homepage VNV NATION
Label ANACHRONSOUNDS/ SOULFOOD
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (4 Bewertungen)

„Somewhere out there waiting,
is a place where we´d know peace,
that calls to us – that beckons us,
a place where we´d be free!“

Mit ihrem neuen Studioalbum „Transnational“ setzen Mark Jackson und Ronan Harris ihr musikalisches Schaffen im Stil der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts fort. Textlich stehen wie stets bei VNV NATION persönliche Erlebnisse und komplexe Reflektionen über das Leben der Menschen in ihrem sozialen Umfeld im Zentrum. Ästhetisch orientieren sie sich wie schon auf dem Vorgängeralbum „Automatic“ an der Avantgarde des 20er-Jahre Designs und an der Kunst des amerikanischen Realismus‘ mit europäischen Bauhauselementen. Musikalisch bewegt sich „Transnational“ in gewohnten Bahnen in einem Dreieck aus klassischem, dunklen Electro, pumpendem Alternative-Electro und den traumhaft schönen Melodien, die das Schaffen von Mastermind Harris seit jeher ausgemacht haben.

Der Opener „Generator“ nimmt ein Thema auf, das am Ende im letzten Stück wieder zur Geltung kommen wird. Der Track könnte auch von COVENANT stammen und tastet sich langsam an die Stilistik des Albums heran. Er verweilt dabei schwebend wie ein brummender Generator, der vermeintlich den Strom für das Album erzeugt, um dann in den ersten Song „Everything“ überzugehen. Langsam aufsteigend bündelt dieser seine Kraft in einer bezaubernd schönen Melodie. Mit Sicherheit ist diese Nummer neben „If I was“ die stärkste auf dem Tonträger, gefolgt von 3 weiteren sehr überzeugenden Tracks. Danach folgt die flotteste Nummer namens „Primary“, die mit treibenden, fast „fröhlichen“ Tranceelementen auf die Tanzfläche bittet. Im Kontrast dazu steht der Gegenschlag „Retaliate“ – das den Zweikampf zwischen Personen, Ideen oder allgemein Antipoden beschreibt und krachig-knarzig daher kommt – ein Floorfiller für die Clubs. Die trancigste Nummer ist „Lost Horizon“, ein gesangloses Stück, welches an das Thema der „Unendlichen Geschichte“ erinnert und zugleich fröhlich wie melancholisch wirkt. Mit „Teleconnect Pt.1“ begibt man sich dann auf eine nachdenklich melancholische Reise durch die dunklen und zugleich erleuchteten Straßen einer Großstadt. Ronan reflektiert mit der für seine Texte typischen Licht- und Schatten-Metaphorik anhand der Fahrt in einem S-Bahn-Zug die symbolische Reise, auf welcher sich jeder Mensch befindet. Ein Lebensgefühl, das die Menschen in Großstädten nicht erst seit dem 21. Jahrhundert kennen und das sich auch nicht erst seit der Erfindung von Twitter und LTE transportieren lässt, sondern bereits eine Chiffre, bzw. ein Sinnbild für die Verlorenheit und Rastlosigkeit des Großstadt-Menschen seit dem 1. Weltkrieg war und ist.

„If I was“ – dieser Track ist gewohnt vertontes Gefühl von VNV, eine Midtempo-Nummer mit träumerischer Hookline, einem zurückhaltenden Gesang und einem wunderbaren Text, welcher den verbalen Ausdruck mit dem musikalischen verschränkt und zu einem hervorragend guten Stück Electro verwebt. Auch hier wird textlich mit dem Individuum in der Infrastruktur der Großstadt gespielt und mit den Bedürfnissen und Sehnsüchten der einzelnen Menschen ein Sinnbild geschaffen für die Hoffnung auf gelingende Zweisamkeit und ein positives angstfreies Zusammenleben der Menschen: „Give me your hand, take your place here next to me. Let us walk this road together, no matter where it leads“ – somit die Hoffnung auf Vertrauen und Hilfe – „Put away your burdens, put away your fears, I´d carry them, as I carry you, until the very end.“ Das folgende „Aeroscope“, das kalt und ohne Gesang aus den Boxen dröhnt, haut in die gleiche Kerbe wie schon „Retaliate“. Solche eher krachigen bzw. noisigen Tracks zierten schon jedes VNV-Album. Über einem schönen trancigen Melodieteppich windet sich „Off Screen“ – es wirkt wie eine Allegorie auf die Kunstwelten des Kinos und der ästhetisch überformten Inszenierung der klassischen Moderne in all ihren extrovertierten Fassetten – Kunst, Theater, Kino, Fernsehen, Selbstdarstellung via Internet, etc.pp. Das Album schließt mit der ruhigsten und verträumtesten Nummer namens „Teleconnect Pt.2“ – die das Thema des Intros „Generator“ wieder aufnimmt und mit der Melodie von „Teleconnect Pt.1“ kombiniert. Eine musikalisch gelungene Liaison, welche sich in eine nachdenklich schöne Melodie ergießt und schließlich in den genialen Versen endet: „Rise up before me now and fight. Your time has finally come. Take me back before the years, and memories are worn with time.“ Elektronische Vergänglichkeit in Bauhaus-Ästhetik und mit traumhaft schönen Melodien und Klängen, kombiniert mit klugen und mehrdeutigen Texten: „Before the hourglass has drained. Before the colours start to fade.“

„Transnational“ ist nach dem genialen „Automatic“ definitiv nicht das beste Album von Jackson und Harris geworden, aber es ist mit Sicherheit auch nicht das schwächste von VNV!

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