Band Filter

VÖGEL DIE ERDE ESSEN - Besuch von innen

VN:F [1.9.22_1171]
Artist VÖGEL DIE ERDE ESSEN
Title Besuch von innen
Homepage VÖGEL DIE ERDE ESSEN
Label KREISMUSIK
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.6/10 (5 Bewertungen)

Ich muss gestehen, dass ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe, ob es ungewöhnlich ist, wenn Vögel Erde fressen. Ich stehe lediglich mit den gefiederten Exemplaren auf Kriegsfuß, die es auf meine Kirschen abgesehen haben, aber das nur ganz am Rande, denn hier geht es natürlich nicht um Ornithologie, sondern um Jan Preissler (Bass & Vocals), Moritz Bossmann (Gitarre & Vocals) und Oli Friedrich (Drums & Vocals) aus Berlin, die ihre Band VÖGEL DIE ERDE ESSEN genannt haben und mit „Besuch von innen“ ihr Langspiel-Debüt präsentieren.

Auf dem Zettel hat das Trio Punk, Noise Rock, R’n’B, Kraut Rock und Black Metal – gern zu einem kruden Mix versammelt, der zusätzlich noch abstruse Texte verpasst bekommen hat. In diesem Sinne startet der Silberling mit „Picknick am Abgrund“ auch alles andere als mainstreamtauglich. Stattdessen gibt’s gleich mal kräftig was rechts und links auf die Ohren und auch mit „Radioaktivität“ setzen die Hauptstädter auf verquere Sounds, die hier eine gewisse Gangsterattitüde mitbringt und einen R’n’B-mäßigen Mitsing-Refrain vorhält. Mehrstimmiger Falsett-Gesang erwartet den Hörer mit „Gotischer Sakralbau“, während der temporeiche „Froschmann“ eine apokalyptische Dancefloor-Vision mit allerlei Dissonanzen zum Besten gibt und der „Fahrstuhl nach unten“ über neun Minuten allerlei Kollektivimprovisationen parat hält und weiterhin ganz weit von gängiger Formatradio-Kost entfernt ist. „Zwei Helikopter“ übernimmt nach diesen fast schon rhythmusfreien Melodien erneut mit viel Schmackes, um sich schließlich der Volksweise „Lass rauschen, Lieb, lass rauschen“ unter dem Titel „Lass rauschen“ ein neues, punkiges Gewand zu geben. Geheimnisvoll schließt sich das straighte „Einer von ihnen“ mitsamt Spoken-Word-Snippits an, bevor „Die Landfahrt“ auf der Zielgeraden noch mal zum frickeligen Rundumschlag ausholt (der Rhythmus wird übrigens auf einer Bratpfanne getrommelt).

Den gesamten gewollten Wahnsinn ihrer Musik werden VÖGEL DIE ERDE ESSEN wohl am besten live rüberbringen können. Aber auch die Konservenkost weiß davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied zu singen. Auf „Besuch von innen“ kommt selten etwas so, wie man es erwartet, dafür darf man jedoch allerhand Überraschungen erwarten und die Gewissheit, dass Krach und Wohlklang ganz nahe beieinander liegen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu VÖGEL DIE ERDE ESSEN