| Artist | WELCOME INSIDE THE BRAIN |
| Title | Re:Creation |
| Homepage | WELCOME INSIDE THE BRAIN |
| Label | PONYPHONE |
| Leserbewertung |
WELCOME INSIDE THE BRAIN aus Leipzig haben sich 2015 nach einem ihrer eigenen Songs benannt. Dabei ging es um die Verschmelzung der stöhnenden Menschheit mit einer staubigen Festplatte, von welcher der Algorithmus fortan Empfinden und Bewusstsein mitsteuert. Inwieweit die KI zehn Jahre später diesen Part bereits übernommen hat, möchte ich mir lieber gar nicht ausmalen. Ob der Blick in so manches Hirn, das die Welt regiert, erstrebenswert ist, lasse ich auch mal dahingestellt. Auf jeden Fall haben die beiden Gründungsmitglieder Frank Mühlenberg (Gesang) und Georg Spieß (Gitarre) die Positionen an den Tasten, Stahlsaitern und Fellen neu besetzt, sodass jetzt Lennart Jahn Hammond-Orgel und Keys spielt, Jacob Müller den Bass zupft und Dominique ‚Gaga‘ Ehlert hinter der Schießbude sitzt. Dazu passt dann auch der Titel des dritten Albums „Re:Creation“, das bereits im Januar 2022 im Leipziger Echolux-Studio eingespielt wurde. Es brauchte jedoch noch drei Jahre des Feilens und Polierens, bis das gute Stück jetzt das Licht der Plattenläden erblicken kann.
Sechs Lieder umfasst die Platte, die es auf knapp 42 Minuten Spielzeit bringt. Der Fünfer lässt sich also Zeit bei der Entfaltung der Lieder und so startet der Opener „Greedy Critter“ auch zunächst mit ruhigen Melodien, die im Laufe von neun Minuten immer mehr Dynamik und Vielschichtigkeit entwickeln. Mich erinnert der Sound hier stellenweise stark an PINK FLOYD, während das nachfolgende „Uncle Timothy“ in bester Krautrock-Manier jammt, bevor „Murderous Mary“ mit frickeligem Art-Rock übernimmt. „Leviathan 21“ wird von zarten Pianoakkorden eröffnet, mäandert alsbald in psychedelischen Untiefen und wird vom opulenten „Colours of Earth“ abgelöst, das schwelgerische Sound-Landschaften entstehen lässt, die in proggigen Orgeljams gipfeln. Mit dem finalen „The Vacancy“ zieht das Quartett auf der Zielgeraden nochmal fast alle Register und schafft Tonfolgen, die einen verspielten Prog-Ursprung haben, im weiteren Verlauf jedoch immer fordernder werden, erneut Jam-Qualitäten erreichen und dann sanft ausklingen.
WELCOME INSIDE THE BRAIN mit „Re:Creation“ in einer Genre-Schublade zu verorten, fällt nicht leicht. Irgendwo im Spannungsfeld Psych/Prog/Jam/Kraut sind die Sachsen zweifellos zu Hause und wer seinen persönlichen Musikgeschmack ebenfalls hier einsortiert, sollte dem Silberling unbedingt sein Ohr leihen, denn das Zusammenspiel der unterschiedlichen Instrumente und der Vocals kann sich hören lassen und hebt sich in seiner Darreichungsform durchaus vom Gattungs-Standard ab.

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