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WELLE:ERDBALL - Chaos Total

Artist WELLE:ERDBALL
Title Chaos Total
Homepage WELLE:ERDBALL
Label SYNTHETIC SYMPHONY/ SPV
Leserbewertung

„Hau mir die Axt in den Schädel rein, das ist hier alles nicht real.“ (W:E anno 2006)

Achtung! Holt eure Weltempfänger raus! Die WELLE:ERDBALL sendet wieder! Und das mit voller Kraft, denn das neue, schön plakativ betitelte Werk „Chaos Total“ enthält immerhin 20 Tracks bei über 70 Minuten Spielzeit. Leider nur in der Kaufvariante, als gebeutelter Rezensent muss ich mit 14 Titeln auskommen, was aber immer noch einen ordentlichen Überblick über die neuesten Kreationen der Retro-Fans Alf und Honey ermöglicht. Die grundsätzliche Marschrichtung wurde natürlich beibehalten, alles andere wäre wohl auch künstlerischer Blasphemie gleich gekommen. Dennoch entdeckt man ein paar neue Facetten, die in der analogen Bastelwerkstatt ausgetüftelt wurden. Einige der Lieder hat man ja bereits live präsentiert, etwa „Nur tote Frauen sind schön“ mit der wunderbaren (und halbnackten) Sargeinlage in Herford oder die beiden Stücke auf dem Amphi, wo man mal wieder richtig abräumen konnte. Das um die Pettycats erweiterte männliche Kompetenzteam ist auf der Bühne einfach unschlagbar: Gimmicks, Ansagen und Partysound ergeben eine perfekte Einheit. Da werden sogar „harte“ EBMler schwach.

Stark aber beginnt meine Promo mit „Der Telegraph“, ein typischer Welle-Hit, welcher vor allem von dem prägnanten weiblich intonierten Refrain profitiert. Die bereits angesprochenen „toten Frauen“ hingegen stehen für den bandeigenen Humor, wobei ich vermute, dass die Niedersachen bei entsprechender Wahlmöglichkeit auch für „verstorbene“ Damen wie Jane Mansfield oder Marilyn Monroe votieren würden. „Das Souvenir“ überrascht im folgenden mit einem typischen 50er Jahre Rock/ Boogie Stil, wie ihn sämtliche Teds nur fröhlich begrüßen würden. Experiment gelungen, kam auch live richtig klasse an in der sonst oft engstirnigen Szene. Und Track 4 ist wieder etwas besonderes: Eine Coverversion des französischen Klassikers „Poupée de Cire“, im Original von France Gall. Fügt sich gut ins Erdball-Universum ein. Und wo wir gerade bei den Sternen sind, „Sternenkind“ entpuppt sich als typisch spaciger Old Schooler komplett mit Vangelis oder Jarre-Zitat (war jetzt zu faul, das genau zu recherchieren…). Noch besser in meinen Ohren aber die beiden vergleichsweise harten, will sagen beatigen Kompositionen „Alpha-Tier (C=64)“ und „Schalte mich aus!“, zu denen man richtig abtanzen kann, DAF typischer Elemente inklusive. Dagegen fällt das Titelstück komplett instrumental aus und geht ein wenig in Richtung TANGERINE DREAM, da hat der Pressetext durchaus recht. Wunderbar gefällig und einschmeichelnd für die Ohren. So kann man praktisch bei jedem Track etwas Interessantes entdecken: Seien es die „Tanz der Vampire“-Zitate bei „Graf Krolock“ (sic), die Computerspielreminiszenzen bei „Wizard of Wor“ (Name eines 1980er Midway Konsolenspiels) oder die beißende Kapitalismuskritik („Hoch die Fahnen“), die in der W:E-Historie ja nichts neues darstellt. Dazu wird es sicher wieder ein paar nette Liveschmankerl geben.

Das ist auch die Stärke von Alf & Honey: Neben all dem Spaß, den Sounds und Lyrik ohne jeden Zweifel transportieren, haben sie immer auch ein paar ernste Zwischentöne im Repertoire – ohne erhobenen Zeigefinger. Somit wird auch dieser neue Longplayer den Ruf dieser einzigartigen Formation weiter zementieren, und ich würde mich doch sehr wundern, wenn man nicht wieder die DAC-Charts erklimmt.

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