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WILLIAM CONTROL - Hate Culture

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Artist WILLIAM CONTROL
Title Hate Culture
Homepage WILLIAM CONTROL
Label VICTORY RECORDS
Leserbewertung
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7.7/10 (3 Bewertungen)

“Ich hab hier was, da hab ich sofort an Dich gedacht!” Wenn der Chef mir mit diesen Worten eine CD zur Rezension überlässt, schwant mir schon im Vorfeld böses. Tapfer lege ich die Scheibe in den Player. Es geht los mit einem Prolog, düstere Worte gesprochen von einer dunklen, sonoren Männerstimme. Der Text stammt aus „The Libertine“ von Stephen Jeffreys, vor einigen Jahren mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt. Doch hier spricht dann wohl der anämische Typ vom Cover, der mit tiefen Augenringen so diabolisch in die Kamera guckt. WILLIAM CONTROL, na, auf diesen Namen haben ihn seine Eltern garantiert nicht getauft, zumal er das „T“ als umgekehrtes Kreuz schreibt, uih, ein Blasphemiker, ich werde eine Kerze für ihn anzünden. Bürgerlich heißt er Wil Francis und manch einer kennt ihn als Sänger der Ami-Postpunkband AIDEN. Nun wandelt er mit „Hate culture“ auf Solopfaden und das auf musikalisch anderem Terrain.

Das erste Stück Musik „Beautiful loser“ zieht mit Industrial-Beats auf die Tanzfläche, entpuppt sich jedoch im Grunde als mit Effekten aufgeblasenes Pop-Stückchen, mit weiblichen Background-Vokals und gelegentlichen Schreiattacken aus dem Off – Grufti-Disco-Stangenware und zwangsläufig drängt sich bei mir die Assoziation mit den CRÜXSHADOWS auf. „Strangers“ atmet viel 80er Synthie und New Wave, ebenso der Titelsong „Hate Culture“, dessen langes Instrumentalintro für mich ein Lichtblick dieser Scheibe darstellt. Wenngleich nur bedingt tanzbar, beschränkt sich dieser Track wenigstens aufs Wesentliche und entfaltet so eine gewisse Sogwirkung. Mit “Tranquilize” geht es düster-poppig weiter. “Hey little sister are you ready to dance?“ singt Herr Control gleich zu Beginn und ich atme erleichtert auf – ich bin also gar nicht mehr als Zielgruppe vorgesehen. Hätte ich mal die Trackliste bis „The Wipping Haus“ weiter durchgelesen, dann wäre ich bestimmt nicht auf die Idee gekommen, die CD im Auto mit zwei Kiddies auf der Rückbank weiter zu hören. „Was hat die Frau“? Äh, ja, soll ich nun sagen, dass die Verzweiflungsschreie und das orgiastische Gestöhne sicher von den Fesseln kommen, die die spärlich bekleidete Dame im Booklet zieren?

Ach, Leute ihr hört schon, wer JOY DIVISION oder DEPECHE MODE – Frühwerke noch als Vinyl im Schrank stehen hat, dem können derartige Veröffentlichungen nur ein müdes Lächeln abringen. Brachial-Erotik zu catchigen Düsterbeats, da dürfen alle Kinder der Nacht, Latex-Töchter und Vampirsöhne nun gerne aufschreien, dass ich das nicht Huldigung sondern billigen Abklatsch alter Meister nenne. Aber es wird auf jeden Fall seine Fans (schwerpunktmäßig in der U30-Gemeinde) finden, ich packs mal in meine Trash-Ecke.

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