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WILLIAM CONTROL - Noir

VN:F [1.9.22_1171]
Artist WILLIAM CONTROL
Title Noir
Homepage WILLIAM CONTROL
Label VICTORY RECORDS
Leserbewertung
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4.0/10 (2 Bewertungen)

Während sich das amerikanische Fussball-Team allmählich vom „Alten Kontinent“ emanzipiert, wird musikalisch munter weiter zitiert. Ein Paradebeispiel hierfür ist WILLIAM CONTROL, das Nebenprojekt des AIDEN-Frontmannes William Roy Francis. Der Herr tendiert schon optisch in die Gothic/ Dark Wave Ecke und so lebt er auf „Noir“ ein weiteres Mal nach dem recht erfolgreichen Debüt „Hate Culture“ seine Vorlieben für 80er Jahre Electronica aus. Der Vorgänger konnte mich nicht so recht packen und auch 2010 habe ich Probleme mit den hektischen Kompositionen, der fehlenden Homogenität, dem überladenen Pathos. Aber gewisse positive Tendenzen sind durchaus erkennbar.

Nach einer Art Doppel Intro steigt man endlich ein in den WC-Kosmos voller Synthies, elektronischer Drumbeats und schmachtender Texte, das alles zusammen gehalten von der ordentlichen aber keineswegs aussergewöhnlichen Stimme des Retro Dandies, der auf dem Cover eine Art Statement zum Voyeurismus abgibt. Ist er also der Beobachter, der unsere abgrundtief-düstere Welt auf Super-8 festhält? Wenn WELLE:ERDBALL da mal nichts dagegen haben… Mit der Single „I’m only human sometimes“ folgt an Position 4 zumindest mal der erste zwingende Refrain, von daher scheint die Auskopplung gerechtfertigt. Ab diesem Punkt wird es ein wenig konfus. Angefangen mit dem ELVIS PRESLEY-Cover „Can’t help falling in love“ (umgesetzt mit „emotionaler“ Wandergitarre) über die DM/ MANSON-Hommage „My Lady Dominate“ (inklusive entsprechender Gitarren und Samples im Refrain) bis hin zu BLOODHOUND GANG-artigen Raps bei „Why dance with the devil…“ bleibt der rote Faden so ziemlich auf der Strecke. „Soliloquy“ könnte gar ungelogen von den neueren ROME stammen! Ein richtiges Highlight ist dann wieder mit „Dorian Gray“ auszumachen, wobei das Thema ebenso ein wenig ausgelutscht zu sein scheint wie das Vorhandensein eines Hidden Bonus Tracks am Ende. Oder man nennt es eben „retro“ und feiert den vorhandenen Stilwillen ab. Der Titeltrack als schmachtende Pianoballade setzt zum Ende hin dann noch mal die Gefühlswelten jugendlicher Fans zwischen Kajal und Rasierklinge in Wallung.

Dem musikalischen Durchhaltevermögen von WILLIAM CONTROL sei Respekt gezollt, hier steckt tatsächlich viel Arbeit drin und Ehrerbietung für Synthie Pop, Dark Wave und softem Industrial Rock. Kurzlebige Abzocke kann man hier keineswegs unterstellen. Doch wirkt die Platte sprunghaft, übertrieben larger-than-life und in vielen Teilen auch nicht sonderlich eingängig. Die Refrains überrollen den ahnungslosen Hörer oft mit wilder Effekthascherei, was zumindest mich ein wenig ratlos zurücklässt. Dennoch kann man sich „Noir“ zwischendurch schon mal gönnen, 3-4 Tacks sind zweifellos gelungen und nach weniger als 40 Minuten ist der dunkle Spuk bereits wieder von dannen gezogen…

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