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WIR SIND HELDEN - Die Reklamation

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Artist WIR SIND HELDEN
Title Die Reklamation
Homepage WIR SIND HELDEN
Label LABELS/ EMI
Leserbewertung
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9.8/10 (4 Bewertungen)

Obwohl es schier aussichtslos erscheint, das Presseinfo an Eloquenz und rhetorischen Perlen zu übertreffen, will ich mich hier mal an ein paar warmen Worten über die neuen Helden versuchen. Mittlerweile ist die CD eine Woche auf dem Markt und auf einem hervorragenden sechsten Platz in die Media Control Charts eingestiegen. Warum dann eigentlich noch Star Search? Die Suche ist doch schon abgeschlossen…

Nach dem Überhit „Guten Tag“ und der etwas verschütt gegangenen zweiten Single „Müssen nur wollen“ kredenzen uns die 4-Neu-Hauptstädter ihr erstes vollständiges musikalisches Oeuvre. Und eins wird schnell klar, „Guten Tag“ bleibt unerreicht, wird es vielleicht für immer im Bandoutput bleiben, aber auch der Rest besitzt ein wunderbar hohes Niveau, vor allem textlich. Referenzen prasselten schon von allen Seiten auf die Helden ein, vor allem RIO REISER (Gott hab ihn selig) wurde genannt und das ist sicher richtig. Judith Holofernes nölt herum, beschwert sich über den Kapitalismus und die arrogante Ellenbogen-Gesellschaft. Dabei kann sie im klassischen Sinne gar nicht so toll singen, aber sie bringt Gefühle rüber, wirkt wie das freche Mädchen von nebenan, welches man schon immer mal an der Bushaltestelle ansprechen wollte (man hat sich dann natürlich doch nicht getraut…). Sie ist das, was NENA nie war, sie ist wirklich „anti“ und ich hoffe, dass sie uns nicht in 20 Jahren mit unendlichen nervigen Neuaufnahmen „beehren“ wird.

Die Songs wurden im klassischen 4 – 2 – 4 – 2 System aufgestellt, Zufall oder Wahrheit? Will sagen auf jeweils 4 flotte Stücke folgen dann die gefühlvollen für die Mädchen oder die einsamen Männer. Produktionstechnisch eher warm und rau aufgenommen entfalten sich die Songstrukturen schon nach wenigen Durchläufen. „Aurelie“, eine Ode an intergeschlechtliche deutsche Trägheit, ist einfach nur süß und hätte auch gut zur fabelhaften Welt der Amelie gepasst. „Heldenzeit“ nimmt selbstironisch den eigenen Kult auf die Schippe und man schafft es, die Grenze zur Arroganz nicht zu überschreiten, trotzig wirkende Wiederholungen am Ende hin oder her. Der Opener „Ist das so“ erinnert noch am ehesten an DAS erste Lied, war auch schon als abgespeckte Version auf der „Müssen nur wollen“-Maxi. Am schönsten aber wird es, wenn Judith Zwischenmenschliches, ja vielleicht ihre eigene Vergangenheit reflektiert. „Du erkennst mich nicht wieder“ enthält wunderschöne Textpassagen, die man selber immer gesucht hat, wenn man eine verlorene Beziehung beschreiben wollte. Labileren Zeitgenossen mögen da ein paar Tränen in den Augen stehen…

Kurzum eine Scheibe ohne Ausfälle, retro in die Zukunft und auch sehr nötig. All die deutschen Beziehungsfilme auf einen Schlag belanglos gemacht, durch Töne, die so viel mehr ausdrücken. Wer einfach nur handgemachte Musik bevorzugt und die 80er zudem nicht abschreckend findet, wird hier etwas in Händen halten, was später mal „Klassiker“ genannt werden wird. Und wehe, ihr reklamiert!

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