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WITT - Bayreuth 3

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Artist WITT
Title Bayreuth 3
Homepage WITT
Label PRIMADONNA/ EDEL
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Nach „Pop“ nun also wieder „Bayreuth“ ganz ohne „Joachim“ – Der Veröffentlichungsmarathon des Teutonenkünstlers bleibt unergründlich und dürfte von zynischeren Menschen vielleicht als krampfhafte Sinnsuche bezeichnet werden. Oder der Gier nach Erfolg. Diese Menschen würden sich aber eh nicht ernsthaft mit einer Scheibe aus dem Hause Witt beschäftigen. Dass der nicht mehr ganz so wilde Reiter seine eigene Auffassung von germanischer Lyrik vertritt, dürfte mittlerweile bekannt sein, und nicht immer liegt er damit geschmacksmäßig sicher. Manches wirkt albern, übertrieben, pathetisch, zusammengestückelt. Aber eine gewisse Faszination muss man den Texten zugestehen, ebenso wie eine löbliche Grundinterpretation, gesellschaftliche Missstände anzuprangern, religiösen Wahn zu verurteilen. In diesem Zusammenhang ist auch die nur als Download erhältliche Vorabsingle „Wo versteckt sich Gott?“ zu sehen. Soundtechnisch griffiger Refrain, gute Aussage (in meinen Augen), aber recht sagen wir mal eigenwillig umgesetzt (Gott – Komplott – Kompott???). Da konnte mich der tanzbare VNV NATION-Remix noch am meisten überzeugen.

Leider fehlen meiner Promo 3 Tracks, aber auch so wird eine Bewertung möglich sein. Wie schon erwähnt, stehen gesellschaftskritische Themen im Vordergrund, während es ja auf dem Vorgänger eher um Natursymbolik ging. Stellvertretend hierfür das Stück „Menschen“, welches eine passende Zustandsbeschreibung abgibt. Ändern wird sich natürlich nichts, zumal wir letztlich alle Teil dieses Systems sind. Wie man „Schmutz stopfen“ kann, ist mir allerdings auch nach mehreren Hördurchgängen nicht richtig klar geworden, so dass das dazugehörige Lied den Stempel mit der Aufschrift „skurril“ erhält. „Neuland“ könnte auf den ersten Blick provokativ wirken, entpuppt sich aber als ideologiefreie Metapher. Die Mischung aus Dance Beats und NDH muss man allerdings auch erst mal schlucken (ähnlich wie bei „Die Macht“). Schöner: Das Duett „Wem gehört das Sternenlicht?“, welches sich sanft-romantisch in die Gehirnwindungen schleicht. Und dann wäre da noch das bereits live-erprobte „Tiefenrausch“, eine Zusammenarbeit mit NIK PAGE und ANGELZOOM. Leider fehlt ausgerechnet „Abendrot“, bei dem sich mit Witt und Wolff (LACRIMOSA) gleich 2 umstrittene Musikschaffende vereinigt haben, da müsst ihr dann selbst urteilen.

Insgesamt fällt der dritte Ausflug nach „Bayreuth“ wieder deutlich härter und geradliniger aus als der „poppige“ Vorgänger, war ja irgendwie auch nicht anders zu erwarten. Dafür wird er sicher wieder in die typischen Schubladen gesteckt, aber man muss Joachim Witt zugestehen, dass er mittlerweile sein eigenes Markenzeichen ist. Hart-stumpfe Gitarrenriffs, Beats, GROSSE Refrains, schwere deutsche Lyrik. Das alles wird ihn sicher nicht unsterblich machen, sorgt aber für trashig-unterhaltsame Moment fernab von der Musikerpolizei. Im Grunde seines Herzens ist er halt ein unverbesserlicher Romantiker…

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