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WOLFRAM BANGE - Gedankengang (DVD)

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Artist WOLFRAM BANGE
Title Gedankengang (DVD)
Homepage WOLFRAM BANGE
Label EIGENPRODUKTION/ HAUNTED FILMS
Leserbewertung
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7.8/10 (11 Bewertungen)

Im deutschen Amateurfilmbereich tummelt sich neben den Bethmanns dieser Welt auch eine Garde intellektueller Kreativer, die eher Kopf- denn Unterleibszentriert arbeitet. Zu diesen muss man ganz sicher auch Wolfram Bange (Regie) und Benjamin Blum (Drehbuch) zählen, die sich beim Germanistikstudium in Wuppertal kennen-/ schätzen lernten und fortan autodidaktisch immer tiefer ins Medium einstiegen. Der vorliegende 15 minütige Streifen „Gedankengang“ stammt aus dem Jahre 2007, wurde auf Mini-DV bzw. HDV gedreht und konnte bereits auf einigen Festivals Anerkennung einheimsen. Die Macher selbst sehen ihren Output als Hommage an David Lynch und den Film Noir, was man nach Ansicht problemlos stehen lassen kann.

Wobei der Konsument gleich 4 Möglichkeiten zur Auswahl bekommt, den „Gedankengang“ nachzuvollziehen. Als „Normalversion“ wahlweise mit der verstörenden Musik von PHELIOS oder der CMI-Formation ATRIUM CARCERI (womit ein ganz enger Bezug zur musikalischen Seite des Terrorverlags gegeben ist) oder mit einem von 2 Audiokommentaren. Hier stehen die Macher hinter und die Schauspieler vor der Kamera zur Disposition. In jedem Falle beginnt der Plot klassisch: Die Femme Fatale Helena beauftragt den herunter gekommenen Detektiv mit böser Vergangenheit. Letztgenannter wird gegeben von Stefan Job, der auch eine Schauspielausbildung besitzt, bei den anderen Darstellern handelt es sich im Grunde genommen um (sehr ordentlich) agierende Laien. Ab diesem Zeitpunkt verwischen die Zeit- und Wahrnehmungsebenen, was ist Realität, was ist Fiktion? Der titelgebende „Gedankengang“ wird hier materialisiert durch den real existierenden Gang eines düsteren Kellers, in dem sich Private Cop David verliert. Seine Frau starb offensichtlich bei einem Verkehrsunfall, seiner Nichte wurde von einem Serienkiller namens Baal die Kehle aufgeschlitzt, der dafür einem Akt der Selbstjustiz anheim fiel. So zumindest suggerieren es die Bilder, allerdings wird hier auch stark mit Metaphern gearbeitet: Helena als die Hoffnung wider Trauer und Trübsinn, Baal steht für die Todessehnsucht – kein Wunder bei dem Namen, ist Baal doch unter anderem ein Synonym für den Beelzebub.

Wichtiger als das „Was“ ist hier eindeutig das „Wie“, und das kann für die Produktionskosten und die nur 3 Drehtage eindeutig überzeugen. Die grobkörnigen, in 1,85:1 präsentierten Bilder nutzen die Attribute des verwendeten Mediums zu ihrem Vorteil, die Symbolik dürfte insbesondere Pychologie-/ Philosophie-Studenten erfreuen. Thomas Dechmann-Sültemeyer präsentiert den Bösewicht zwischen Christian Anders, Klaus Kinski und dem „Natural Born Killers“-Woody H. mit leichten Overacting aber sichtlicher Spielfreude. Die technische Seite ist erstaunlich professionell, wenngleich die Macher selbst in ihrem launigen Kommentar ein paar Fehler zugeben. Ein wenig Blut und hier und da ein paar Spannungsmomente runden die Viertelstunde adäquat ab.

Die DVD ist auf der Filmhomepage (s.o.) für 6 Euro plus Versand erhältlich, dafür erhält man neben dem faustischen Filmerlebnis noch 3 Teaser/ Trailer und 2 Bildergalerien. Für Sammler anspruchsvoller Kleinkunst allemal einen Kauf wert. Mittlerweile ist bereits der Nachfolger „Schattenspiel“ im Kasten, dazu wird es eine Zusammenarbeit mit dem Gruftpoeten Thomas Sabottka geben, womit sich der Kreis von Audio und Video ein zweites Mal schließt.

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