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WOLFRAM BANGE - Schattenspiel (DVD)

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Artist WOLFRAM BANGE
Title Schattenspiel (DVD)
Homepage WOLFRAM BANGE
Label EIGENPRODUKTION/ HAUNTED FILMS
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Die Jungregisseure Wolfram Bange (24) und Benjamin Blum (29) kennen sich seit dem Germanistikstudium an der Universität Wuppertal im Wintersemester 2004/ 2005. Kurz darauf begannen sie filmisch aktiv zu werden. Da sie große Filmfans sind (beide bevorzugen z.B. das mediterrane Kino der 70er Jahre – hier vorwiegend den Giallo, schauen aber auch gern über den Teich, wobei David Lynch und David Cronenberg ihre Helden sind) und das Geschichtenerzählen lieben, brachten beide eine hohe Euphorie mit in Ihren ersten filmischen Gehversuchen ein.
So kam es dazu, dass sie sich zwangsläufig selbständig ein recht fundiertes Wissen über das Drehbuchschreiben und der Filmtechnik aneigneten. In den Jahren 2005 und 2006 entstanden so die ersten Spielfilmprojekte, wobei sie in ihren abstrakten kurzen Werken versuchen, Einzelschicksale oder das aktuelle Weltgeschehen mit einzubinden. Im Vordergrund soll dabei die Vielseitigkeit, Ehrlichkeit und die Schonungslosigkeit in der Darstellung Ihrer Geschichten stehen, womit sie einen klar definierten eigenen Stil erkennen lassen und sich von Werk zu Werk deutlich weiter entwickelten. Ihre Filme entstehen mit kleiner Crew und werden bevorzugt auf Mini-DV bzw. HDV gedreht und sind zum Teil schon online zu bestaunen. Ihr letztes Projekt, der Kurzfilm „Gedankengang“ (ein Review hierzu ist ebenfalls auf dieser Seite zu finden), ist eine Hommage an David Lynch und den Film Noir, die knapp 15 Minuten dauert. Premiere war in der Düsseldorfer Gloria-Halle. Kurz darauf nahm das Werk dann im Jahre 2007 am Filmfest der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität teil und wurde vom Publikum sehr positiv aufgenommen.
Vom ersten Erfolg ermutigt, produzierte man danach quasi im Alleingang eine DVD mit einigen Bonusfeatures und reichte den Film beim Münchener Kurzfilmfestival „Shocking-Shorts-Awards“ ein. Zur Review-Ehren soll nun das aktuelle Projekt „Schattenspiel“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Roman von Charlotte Link) kommen:

Auch in Ihrem neuesten Werk hat der geneigte DVD-Fan gleich vier Möglichkeiten, den Film zu genießen. In der vorliegenden Version bestreiten PHELIOS oder eine Gruppe namens ICELEBEN die ersten beiden Konsummöglichkeiten. Zusätzlich gibt es eine Version mit den Audiokommentaren der beiden Macher oder eine Fassung mit Kommentierung durch vier der Darsteller aus dem Film. Der Film selbst beginnt eher unspektakulär, eine Studentin (eine notorische Kettenraucherin, es gibt kaum eine Szene ohne Glimmstengel mit ihr) auf dem Weg zu ihrer Vorlesung, während sie Literatur über autogenes Training konsumiert. In der Vorlesung selbst ist Schlaflosigkeit das Thema, wobei ein Wikipedia-Artikel (ich sage nur „International Classification of Sleep Disorders“) zitiert wird. Die Macher geben das in ihrem sehr informativen Kommentar auch bereitwillig zu. Hier hat Stefan Job seinen zweiten Auftritt in einem Bange/ Blum-Film, wobei dieser nur für nicht mal zwei Minuten den Uni-Prof gibt. Nach Ende der Vorlesung erfahren wir durch die Freundin unserer Protagonistin (die im übrigen Madeleine heißt), dass ihr ein bitteres Ereignis aus der Vergangenheit auf der Seele liegt und es da noch eine weibliche Person gibt, mit der es noch was zu klären gibt. Zuhause angekommen bekommt Madeleine Besuch von ihrem Freund Nils, der sie auch auf ihre Probleme ansprechen will. Sie blockt jedoch ab und wir sehen sie wenig später dann zu Bett gehen. Irgendwann nachts wacht sie auf, greift als erstes wieder zur Kippe und ruft sich die anfangs erwähnte Problemsituation aus der Vergangenheit vor Augen und wir erfahren nun, was sie beschäftigt: Madeleine hatte in ihrer Vergangenheit heftige Streiterein mit ihrer Mutter, da sich ihr Vater, ein Säufer, an ihr vergangen haben soll. Die Mutter will das nicht wahrhaben und schmeißt Madeleine kurzerhand raus. In der nächsten Einstellung besorgt sich Madeleine teerhaltigen Nachschub für die Lungen. Auf den Nachhauseweg wird sie an einer Bushaltestelle von einem Fremden namens Martin angesprochen, der einige persönliche Details von ihr zu kennen scheint. Da ihr die ganze Situation ziemlich „strange“ vorkommt, läuft sie kurzerhand davon. Irgendwann bemerkt sie einen riesenhaften Schatten, der ihr auf den Fersen zu sein scheint. Hilferufe per Handy scheitern, da (immer wenn man diese Dinger braucht) die Leitung streikt. Sie gibt also Fersengeld, wobei sie nach einiger Zeit Martin in die Arme läuft, der sie kurzerhand an die Hand nimmt und mit Ihr flüchtet.

Als sie an einem Museum oder Kongresssaal ankommen, flippt Madeleine aus (natürlich hat sie allen Grund dazu – „Ich weiss nicht wo ich bin und ich weiss nicht wer Du bist!!!“) Martin fordert sie auf, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Da taucht wieder der Schatten auf und man flüchtet in das Gebäude. Martin ist mit einem Male weg. Madeleine nimmt einen Fahrstuhl und erreicht das Innere einer Wohnung bzw. das Wohnzimmer, welches weihnachtlich geschmückt ist. Madeleine kommt das Zimmer sehr vertraut vor, sie ergreift eine am Boden liegende Puppe (augenscheinlich gehörte ihr die Puppe in ihrer Kindheit) und an einer Wand hängen Fotos aus Ihrer Vergangenheit. Die Fotos umrahmen eine mit Wachsmalkreide erstellte Kinderzeichnung, auf welcher eine große schwarze Gestalt ein kleines Mädchen bedroht (der Rezensent fühlte sich an Dürrenmatts „Das Versprechen“ erinnert – wobei mir Gerd Fröbe in der Rühmann-Verfilmung als Kind einen Heidenschrecken eingejagt hat) Doch was ist das? Martin klopft an der nun verschlossenen Tür in die Freiheit, Stimmen reden auf sie ein und plötzlich taucht der Schatten im Zimmer auf und packt sie…

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn der Film endet mit einer unerwarteten Schlusspointe (ich will das mal so nennen), die ein wenig an die überraschen Plot-Twists eines M. Night Shyamalan erinnert. An der Machart dieses (im Vergleich zu „Gedankengang“) doppelt so langen Werks (der Film hat bis zum Ende des Abspanns eine Laufzeit von 30 Minuten) erkennt man gleich die Einflüsse, welche die Regisseure inspiriert haben: Wie auch im Audiokommentar von den Machern eingeräumt, erinnern die Sequenzen vor dem Museum oder Kongress-Gebäude nicht von ungefähr an Argentos meisterhaften „Suspiria“. Giallo-Einflüsse sind auch bei der Gestaltung des Schattens erkennbar, so erscheint dieser nur als schwarze Gestalt mit hochgeschlossenem Mantel und schwarzen Handschuhen. Bei Madeleines Flucht vor dem Schatten fühlen wir uns unweigerlich an „Maniac“ erinnert. Alles in allem machen die Darsteller ihre Sache sehr ordentlich. Ich gebe zu, ich bin mit Vorurteilen an die Sichtung dieses Films gegangen, habe ich doch schon so viele schlechte Schnaas oder Bethmann-Auswürfe durchlitten. Der Vergleich mit den beiden genannten Hobby-Exploitisten hinkt aber, denn dafür ist „Schattenspiel“ einfach zu gut gemacht. Die Regisseure schaffen es mit minimalen Mitteln ein Maximum an Atmosphäre zu kreieren, zudem ist die Story recht originell. Der Film ist eine Sichtung daher allemal wert, auch wenn man dem Amateur-Sektor eher abgeneigt ist.

Auch diese DVD ist wieder für 6 EUR auf der Homepage der Macher erhältlich und enthält neben dem Hauptfilm (der auch englisch untertitelt konsumiert werden kann) zwei Dokumentationen über die Entstehung des Films, 2 Audiokommentare, mehrere Trailer, Fotos, einen Bericht über die Aufführung von „Gedankengang“ bei einem Festival und den Film selbst mit 2 unterschiedlichen Sounduntermalungen in Widescreen 1.85:1.

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