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WUMPSCUT - Schädling

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Artist WUMPSCUT
Title Schädling
Homepage WUMPSCUT
Label BETONKOPF MEDIA
Leserbewertung
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6.1/10 (10 Bewertungen)

Es ist (bald) Frühling, da ist ein neues WUMPSCUT Album im März/ April so sicher wie das Amen in der Kirche. Rudy ist ja zweifellos ein Meister seines Fachs, an seiner Außenwirkung, z.B. in Interviews, sollte er aber noch arbeiten, auch wenn ihm Bemerkungen in dieser Richtung vermutlich am Allerwertesten vorbei gehen. Anders ist es wohl auch kaum zu erklären, dass sich der Promozettel zum neuen Werk „Schädling“ großspurig auf den überdimensional und in Fettdruck geschriebenen Satz „Most important Release in 2008“ beschränkt. Es wird sicher viele Kritiker geben, die geradezu nur ihre Finger danach lecken, anhand solcher Aussagen Herrn Ratzinger nicht bloß Provokation, sondern Selbstüberschätzung in höchstem Maße anzudichten. Trotz dieser Steilvorlage wollen wir uns an dieser Stelle dennoch darauf beschränken, den „Schädling“ mal auf Herz und Nieren zu überprüfen und genau hinzuhören, wie wichtig er musikalisch denn nun tatsächlich ist.

Der Opener „Rusty nails from hell“ stampft ganz munter los und das folgende „Schäbiger Lump“ ist vor allem durch das entsprechende Sample von Roland Freisler (dem Nazirichter am Volksgerichtshof) aus dem Prozess gegen die vermeintlichen Verschwörer des 20. Juli 1944 absolut prägnant ausgefallen. Guter Beginn also. Hingegen kann mit weniger innovativen Stücken wie „Break the seal“ oder dem old-schooligen „Enemy“ anno 2008 kein Blumentopf mehr gewonnen werden und auch einige der Songs, die eher auf Atmosphäre statt auf amtlichen Electro setzen („Foretold“, „Spuuk“), bringen das Blut nicht wirklich in Wallung. „Rifki“, angelehnt an eine Figur aus dem ´78er-Streifen „Midnight express“ (deutscher Titel: 12 Uhr nachts), sorgt da zwischendurch schon für mehr Schwung. Ebenfalls mit einem netten Drive ausgestattet ist das instrumentale „Hard to bear“. :W:-untypisches hält zudem „Voodoo void“ in Form von orchestralem Bombast und einer arabische Klänge erzeugenden Geige parat.

Alles in allem bietet „Schädling“ also Höhen und Tiefen. Bleibt aber noch zu klären, was eigentlich ein Polyalbum ist, denn als solches ist der „Schädling“ deklariert. Nun ja, ich würde es mal frei dahin interpretieren, dass aus den einzelnen Liedern, die jeweils auf mehreren unterschiedlichen Spuren, seien es Stimmen, Rhythmen oder Töne basieren, insgesamt eben ein komplexes und in sich abgeschlossenes Stück Musik entsteht. Sound-mäßig ist außerdem zu konstatieren, und das muss man Rudy lassen, das jedes WUMPSCUT Album immer wieder neue Nuancen im Gesamtklang vorweist. Diesmal ist die Abmischung da eher ein wenig dreckiger und rauer ausgefallen.

Das düstere Artwork und die Aufmachung mit Pergamentpapier und einer Verpackung in SACD-Größe kann sich sehen lassen (natürlich gibt es daneben auch wieder eine Box mit allerlei Gedöns) und als Fazit sei gesagt, dass WUMPSCUT nach wie vor polarisieren wird. Schon daher ist es gut, dass in Landshut so fleißig gearbeitet wird, auch wenn der Titel „wichtigstes Album 2008“ anderweitig zu vergeben sein wird.

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