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WUMPSCUT - :Siamese:

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Artist WUMPSCUT
Title :Siamese:
Homepage WUMPSCUT
Label BETONKOPF MEDIA
Leserbewertung
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5.2/10 (6 Bewertungen)

Alle Jahre wieder… ich rede hier nicht vom Christuskind, sondern von Rudi R. alias WUMPSCUT, der uns nun seit zwei Jahrzehnten regemässig mit Veröffentlichungen beglückt. Was soll ich über ihn schreiben, was nicht schon tausendmal gedruckt und gelesen wurde. Den Klang und die Evolution der Alben verfolgte ich immer aufmerksam, es war immer was Interessantes dabei, doch diesmal hat er ein wahrlich seltsames Werk abgeliefert, als ob er nicht wüsste, wohin ihn seine eigene Reise hinführt. Viele bombastisch rhythmische Gebilde sind wie immer typisch für ihn, aber diesmal versucht er wohl, eine Brücke zu seinen allerersten Scheiben zu bauen, er macht also eigentlich einen sehr großen Sprung zurück, wobei es aber fast so wirkt, als würde ihm dieser Stil nicht mehr richtig liegen.

Mit „Falling From Lucifer’s Grace“ steht traditionell ein härterer Track am Anfang des Albums, aber für den Discobetrieb ist er nur bedingt tauglich – größtenteils herrscht Konfusion, es gibt seltsame Übergänge, die Gitarre matscht alles platt, sozusagen eine langweilige Neu-Version von „Black-Death“. Bei „Boneshaker Baybee“ springt er sofort wieder in die Gegenwart, aber seit wann hat er es nötig, so sehr nach NOISUF-X zu klingen und einem gewissen Trend hinterher zu rennen (was mir in letzter Zeit schon bei einigen Projekten aufgefallen ist). OK, rockt und macht Spass, DJs werden sich herzlich bedanken, aber ich höre doch lieber das Original, Jan kann es besser. Der Titeltrack ist der erste wirklich gute Song, bedrohlich und melancholisch klagt er sozusagen sein Leiden als ebensolcher „Zwilling“. Die Stimmung bringt er gut auf den Punkt und erzählt eine tolle Geschichte, vielleicht sogar einer seiner besten Songs, aber dies ist fast eher ein Aufbäumen zu nennen, denn der Rest der CD geht zwiespältig weiter. „Zirbit“ oder „Bam Bam“ sollen das tanzende Volk belustigen, leider sind beide Songs etwas dünn und speziell bei „Bam Bam“ steigt mir die Galle hoch, denn dauernd ein geistig minderwertiges „Bam Bam“ zu hören, kann einem die Halsschlagader anschwillen lassen, auch wenn es abgeht wie Sau. Na gut, „Loyal to my hate“ und „Blood Stigmata“ sind von der Idee wieder ganz nett, aber orientieren sich auch wieder an anderen zeitgenössischen Formationen, die mit Rudis Stil gemischt wurden und somit „gezwungen“ aktuell klingen sollen. Dieses Gefühl lässt mich auch bei der ganzen CD nicht los, jedenfalls was die tanzbaren Sachen angeht, mir fehlt ein wenig das Herzblut, als ob der Kompositeur sich notgedrungen an den Clubbigen Kollegen orientiert hat. Ich kann mich natürlich komplett täuschen, aber irgendwas fehlt den meisten Sachen, nur die absolut typischen Titel wie „Auf Wiedersehn im Massengrab“, „Teufelszeug“ oder „Killuh“ lassen Ratzingers geniale Einzigartigkeit aufblitzen, hier ist noch die Nähe zu alten Releases am besten zu spüren, die nur leidlich aktuell aufgefrischt wurden.

Es herrscht keine richtige Linie, es ist schwierig, mit dem Material warm zu werden, dies funktioniert zwar nach mehrmaligen lauten Hördurchgängen besser, aber ein befremdliches Gefühl lässt mich nicht los, so ging es mir auch bei der „Playing the Angel“ von DEPECHE MODE. Ich weiß nicht, ob ich dem Thema zu nahe stehe, für Neulinge könnte „Siamese“ eine gute Dark Elektro Scheibe sein, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

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