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XASTHUR - Telepathic with the Deceased

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Artist XASTHUR
Title Telepathic with the Deceased
Homepage XASTHUR
Label MORIBUND RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (7 Bewertungen)

Es ist eine Zeit der Angst, doch die Musik mag sie nicht mehr einzufangen. Die Angst vor Terrorismus, Kriminalität, dem Umweltgau, Welteroberungsplänen und bösartiger Paranoia. Sie beherrscht die Nachrichten, das Kneipengespräch, den Alltag. Nur ihren akustischen Widerhall hat sie verloren. Das Popbusiness trällert fröhlich an der Endzeitstimmung vorbei, der Rock dröhnt sich mit Drogen zu, die Raver tanzen sich den Schmerz in umgebauten Lagerhallen von der Seele und die HardCore Kapellen versuchen ihn zu überschreien. Sich der Furcht wahrhaft stellen tut keiner. Malefic, Leiter des Ein-Mann Orchesters XASTHUR macht da eine Ausnahme.

Er sollte es wissen. Malefic ist nicht einer von denen, die glauben, man könne eine wahre Black Metal Gesinnung mit einem regulären Leben vereinen. Aus dem Wenigen, das sich über ihn in Erfahrung bringen lässt, muss man in seinem Fall zu der selben Schlussfolgerung kommen: Urbane Isolation, Soziale Inkompatibilität, Selbstmutilation, Suizidgedanken. Erste musikalische Projekte scheiterten, weil die Mitstreiter an Spaß und Mädchen interessiert waren. Nach dem Rauswurf des letzten Instrumentalisten gibt es nun keine Kompromisse mehr und wo könnte ein derart deprivationistisches Werk besser entstehen als in der Einsamkeit? „Telepathic with the Deceased“ mutet so kraftlos an wie ein dürrer Ast, der sich verzweifelt einem grauen Himmel ohne Hoffnung entgegenstreckt – Robert Smith würde sich nicht allein mit diesem Mann in ein Zimmer trauen. Die Distribution wurde über den Giganten Moribund Records professionalisiert, ansonsten ist alles beim Alten geblieben. „The best sounding XASTHUR album ever“? Dann wurden die vorigen wohl auf Tesafilm aufgenommen! Was gemeint ist: Diese reduzierte Produktion, ihre Schwächlichkeit und Willenlosigkeit ist gewollt, ist Programm. Von der Stimme bleibt nicht mehr als ein völlig zerfleischtes vokales Skelett, das völlig kirre und hallend aus dem dampfenden Gulli steigt. Sind es gar Aufnahmen aus dem Zoo? Die Musik wiederum scheint gar nicht im Hier und Jetzt stattzufinden. Leise, entfernt, flüsternd und billig knackend wie aus einem uralten Transistorradio dringt sie zu einem. Black Metal macht da als Schublade kaum noch Sinn. Auch wenn die schwarze Kutte perfekt passt und das Make-Up sitzt ist dies im Grunde genommen eine Doomplatte. Selbst wenn es zwischendurch mal etwas schneller zur Sache geht: In diesem Tempo rührt Frost seine Kaffeetasse um, wenn er bei Oma zu Besuch ist! „Hart“ ist die Musik nicht, „herzlich“ noch viel weniger. „Haunting“ schon eher. Und wenn der Drumcomputer sinister pluckert, die Gitarren melancholisch, ja geradezu sentimental surren und sich kleine Melodien über eine Landschaft aus Kälte legen, meint man tatsächlich, Kontakt mit dem zu haben, was einmal war.

Eine derart vom Normalfall abweichende Vision musste geradezu daher kommen, wo es keine Fjorde, Bronzeschwerter und Edda gibt: Aus den USA. Als leitende Vertreter einer eher kleinen Bewegung wehen XASTHUR zu uns herüber und es kann Europa nur gut tun. Denn die im Black Metal angesprochene Mystik kann sich in verschiedenster Form offenbaren, hat viele Gesichter. Und ein Bedürfnis nach spiritueller Erneuerung. Angst muss man davor jedenfalls keine haben.

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